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[Kurzrezension] Caitlin Doughty – Wo die Toten tanzen. Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird.

„Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wie in anderen Kulturen mit dem Tod umgegangen wird, weil ich glaubte, dann vielleicht zeigen zu können, dass es keine reglementierte Art gibt, mit dem Tod zu ‚verfahren‘ oder ihn zu verstehen.“


Fasziniert von unserer Angst vor dem Tod, zieht es die Bestatterin Caitlin Doughty in die Welt.

Um zu erkunden, was wir von anderen Kulturen über Tod und Trauer lernen können, besucht sie in Indonesien einen Mann, der mit dem mumifizierten Körper seines Großvaters zusammenlebt. Verfolgt in Japan eine Zeremonie, bei der Angehörige die Knochen des Verstorbenen mit Stäbchen aus der Verbrennungsasche lesen. Und geht in Mexiko dem „Tag der Toten“ auf den Grund.

Augenzwinkernd stellt sie Alternativen wie die Öko-Bestattung vor. Und hinterfragt, ob unsere westlichen Riten Raum zur angemessenen Trauer lassen.

Ein außergewöhnliches Buch darüber, wie unterschiedlich mit der Sterblichkeit umgegangen werden kann. Und ein Plädoyer dafür, dem Tod wieder mit mehr Würde zu begegnen.


Ein Buch über den Umgang mit dem Tod und den damit verbundenen Gepflogenheiten einzelner Länder, geschrieben von einer Bestatterin, die sich dadurch von vornherein mit dem Metier auskennt und recht unvoreingenommen an das Thema herangehen kann, ist für mich grundsätzlich schon einmal interessant. Die diversen kulturellen Besonderheiten üben eine Faszination auf mich aus, da die Bestattungsriten und Trauerrituale sich von den mir bekannten enorm unterscheiden.
Caitlin Doughty nimmt den Leser mit auf eine Weltreise, in der sie ein Sammelsurium an Ländern bereist und sich mit Menschen unterhält, die auf die ein oder andere Weise mit dem Tod in Berührung gekommen sind – sei es auf persönlicher oder beruflicher Ebene oder auf einer irgendwo dazwischen.

Die Einblicke waren für mich sehr spannend und ich habe manches Mal das Buch zur Seite gelegt, um über das Gelesene nachzudenken und den eigenen Umgang mit dem Thema zu reflektieren. Außerdem waren für mich von Aha-Erlebnissen bis hin zu berührenden Szenen alles enthalten.

Hervorzuheben ist der Stil der Autorin. Sie ist immer respektvoll, sie wahrt die meiste Zeit eine sehr professionelle Distanz, dennoch ist es weit entfernt von ernst und staubtrocken. Das Buch liest sich leicht, trotz des Themas, und an manchen Stellen ist es mit Andeutung eines Lächelns und Augenzwinkerns geschrieben. Diese Mischung hat mir wirklich zugesagt und für mich zu einem guten Leseerlebnis beigetragen.

„Wo die Toten tanzen“ ist ein kurz gehaltener, informativer Einblick in den Umgang mit dem Tod rund um die Welt. Durchweg faszinierend, voller Respekt gegenüber den Ansichten anderer Kulturen und dennoch so geschrieben, dass man mit einem guten Gefühl aus dem Buch heraus geht und über die eigenen Ansichten nachdenkt.


(Werbung, unbezahlt)

Originaltitel: From Here to Eternity. Traveling the World to Find the Good Death.

Genre: Sachbuch

Verlag: Malik

Erscheinungsdatum: 02.09.2019

ISBN: 9783890295060

Preis: 20,00 €

Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten

weitere Formate: eBook

Die 1985 auf Hawaii geborene Caitlin Doughty hat einen Abschluss in Mediaevistik und lebt zur Zeit in Kalifornien. Neben ihrer Arbeit als Bestatterin veranstaltet sie Fortbildungen für die Bestattungsindustrie und betreibt einen erfolgreichen Blog und YouTube-Kanal. Als Autorin hat sie mehrere Bücher veröffentlicht, die in diverse Sprachen übersetzt wurden.

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