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James Abbott – Höllenkönig

"'Es war ein Befehl des Königs', murmelte Jorund. 
Dimarius schüttelte den Kopf und verneigte sich leicht vor dem hochgewachsenen Krieger, der die Toten ringsum voller Grauen und Trauer anstarrte. 
Jorund fuhr zusammen, als er sah, wie Wut und Scham das Antlitz des Soldaten verzerrte. 
'Was haben wir getan?', fragte jener voller Bitterkeit.
Niemand hatte eine Antwort für ihn."

Die Höllenfeste. Ein Gefängnis, abseits von allem Leben, auf der Bergspitze mitten in einer eisigen Einöde. Hier werden die gefürchtetsten und schlimmsten Verbrecher des Landes Stravimon festgehalten, und bisher konnte niemand von hier fliehen.

Der Höllenkönig. So wird der geheimnisvolle Gefangene genannt, der Anführer einer der drei verfeindeten Banden innerhalb der Feste ist. Ein erfahrener Krieger, von dem keiner wirklich weiß, wer er einmal war. Ginge es nach ihm, dann soll das auch so bleiben. Zorn und Scham verfolgen ihn seit jenem schicksalshaften Tag, an dem er Schande über sich, seinen König und das gesamte Reich brachte.

Doch dann muss er eine Entscheidung treffen. Der Meisterspion Landril schleust sich selbst in die Höllenfeste ein und hat nur ein Ziel – den größten Krieger des Reiches zu finden und ihn zurück zu holen. Er sucht Xavir Argentum, den ehemaligen Anführer der Sonnenkohorte und niemand geringerer als der Höllenkönig. Landril, nein, das ganze Reich braucht den Helden von damals. Doch wird er sich zu einem schier unmöglichen Vorhaben überreden lassen?

Doch nicht nur in der Höllenfeste werden schwerwiegende Entscheidungen getroffen. Auf Jarratox, dem Hauptsitz der Schwesternschaft der Hexen, werden die junge Novizin Elysia und ihre Mentorin Birgitta mit schrecklichen Wahrheiten konfrontiert. Aufgrund der Andersartigkeit und dem Wunsch nach Unabhängigkeit, die sie selbst unter den Hexen zu Außenseitern machen, fliehen die beiden. Sie wollen sich nicht einem König anschließen, dessen Taten sie nicht gutheißen. Sie machen sich auf die Suche nach einer alten Verbündeten, der geheimnisvollen Wolfskönigin, die irgendwo in den Wäldern Stravimons ins Exil geflüchtet ist. Sie ahnen nicht, auf was sie sich einlassen und wo ihre Reise sie hinführen wird…


Ich bin immer noch sprachlos. Wirklich. James Abbott hat es geschafft, mich in eine komplett andere Welt zu ziehen und mich weit nach Ende der über 600 Seiten noch darin festzuhalten. Aber fangen wir mal beim Äußeren an.

Das Cover hat mich angezogen – die Idee dahinter ist einfach gut. Der Mann mit den geschlossenen Augen, dessen Körper von einer Schlacht vereinnahmt ist. Im Verlaufe der Geschichte merkt man, dass dieses Cover wirklich passt.
Ebenfalls spannend fand ich den Titel „Höllenkönig“. Prinzipiell lässt das ja im Fantasy-Bereich so gut wie alle Schlüsse zu und ich war erfreut, keinen naheliegenden vorzufinden.
Bei diesem Buch muss ich ausnahmsweise auch mal auf den Klappentext eingehen – der ist nämlich nicht ganz so gelungen und doch leicht irreführend. Man kann ihn so auslegen, dass er zu dem Buch passt, muss aber dafür sehr zwischen den Zeilen lesen. Außerdem bereitet er nur auf einen kleinen Teil der Geschichte vor, denn der „Höllenkönig“ bietet so viel mehr.

Die Charaktere des Buches haben mich einfach überzeugt. Sie sind eine wunderbare Abwechslung zu vielen Protagonisten, die man momentan im Fantasybereich findet.
James Abbott gibt einem keine Beschreibung, er nimmt die Leser nicht an die Hand. Stattdessen gibt er über das ganze Buch verteilt nur kleine Informationshappen. Erst zum Ende hin kann man sich ein wirkliches Bild der Charaktere machen – durch ihre Worte und ihre Handlungen. Abbott setzt auf die Fantasie des Lesers, die Fähigkeit zwischen den Zeilen zu lesen. Etwas, das mich enorm glücklich gemacht hat.
Xavir Argentum ist definitiv nicht der typische Held. Nicht der Ritter in strahlender Rüstung, nicht die Lichtfigur. Im Gegenteil. Er ist desillusioniert, kalt und voller negativer Emotionen. So wie man sich jemanden vorstellt, der in dieses Gefängnis gesteckt wurde. Ihn muss man nicht lieben, aber man kann es dennoch.
Elysia lernt der Leser erst später kennen und weiß am Anfang kaum etwas mit ihr anzufangen. Man kann sich nicht sofort ein Bild von ihr machen, es setzt sich so langsam zusammen, dass es für mich eine wahre Wonne war.
Die Nebenfiguren sind auf ihre eigene Art und Weise interessant. Wir finden hier keine Figuren, die auf Sympathie aus sind, niemanden, der gefallen will.

Da fragt man sich fast, warum man dieses Buch überhaupt lesen sollte. Die Figuren, das Setting, die Geschichte an sich, werden zu einem fantastischen Gesamtwerk, das mir am Ende wirklich das Herz gebrochen und mich zu Tränen gerührt hat. Es sind die kleinen Sachen, die Freiheit, die die Fantasie bekommt. „Höllenkönig“ ist für mich von vorn bis hinten einfach stimmig. Die Komposition der Schlachten funktioniert und die Action-Szenen haben mich atemlos zurückgelassen. Abbott versteht es einen roten Faden zu spinnen, den man nie verliert, aber der einen manchmal zwingt stehen zu bleiben, um erstmal zu verarbeiten, was hier genau passiert. Es ist einfach High Fantasy vom Feinsten.

Viel mehr möchte ich euch nicht verraten, denn dieses Buch muss man selbst erleben. Abbott erzählt nicht von Liebe oder der heilen Welt. Er hat ein Epos geschaffen, das einen in ein Reich voller schrecklicher Schicksale, Hass und dem Wunsch nach einem besseren Leben führt.


Fans von High Fantasy Romanen, die etwas abseits stehen. Liebhaber von fordernden, phantastischen Geschichten.


Verlag: penhaligon, 2018
(unter dem Link zu penhaligon findet ihr ebenfalls einen Blick ins Buch)

ISBN: 978-3-7645-3199-7

Preis: 16,00 €

Softcover

James Abbott ist das Pseudonym des Autors Mark Charan Newton, welcher besonders durch seine Reihe „Die Legende der roten Sonne“ bekannt wurde. Der 1981 geborene Brite absolvierte ein naturwissenschaftliches Studium und arbeitete danach als Lektor und Buchhändler. Der „Höllenkönig“ ist sein erster Roman, der unter dem Pseudonym veröffentlicht wurde.


Dieses Buch wurde mir vom penhaligon Verlag über das bloggerportal der Verlagsgruppe Random House als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank hierfür. Meine Rezension wird hiervon nicht beeinflusst.

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