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Leon Sommer – Von Elben und Smartphones

Vorweg eine Anmerkung: diese Rezension ist quasi vorläufig. Der Autor wird den Roman wohl noch überarbeiten. Ich veröffentliche es hier trotzdem – einfach damit ihr es schon mal auf dem Schirm habt. Ich informiere euch dann rechtzeitig über die aktualisierte Ausgabe.


"Minax war in letzter Zeit etwas fülliger geworden, stellte Márwyn fest, während der Drache mit seinen schuppigen, speckigen Beinchen vor ihm her trabte. Bei seinen geringen Ausmaßen - er hatte etwa Fuchsgröße - wirkte er mit seinem Winterspeck reichlich gedrungen und drollig, und wenn er seinen Herrn wie jetzt mit seinen großen, orangenen Augen anblickte, [...] dann musste Márwyn schmunzeln über so viel ulkige Liebenswürdigkeit."

Márwyn, Elbe und Seher, lebt ruhig und abgeschieden mit seinem kleinen Feuerdrachen Minax in einem kleinem malerischen Dörfchen im Reich Saragonia. Im Auftrag des Thans, des Königs der Elben, hat er sich der Übersetzung alter Schriften verschrieben, nachdem er seine Arbeit als Seher an den Nagel gehangen hat. Nach einem schmerzlichen Erlebnis scheut er außerdem jede Aufregung und meidet soziale Kontakte.

Doch der junge Elb muss feststellen, dass er auch hier seiner Vergangenheit nicht entfliehen kann. Auf einem Spaziergang mit seinem kleinen Gefährten wird er urplötzlich von einer Vision heimgesucht. Einer Vision vom Menschenreich, einer wunderschönen jungen Frau und einem magischen Artefakt, welches das Wissen und die Macht der ganzen Welt zu beinhalten scheint.
Dieses Amulett, welches die Menschen wohl Smárt-Fón nennen, könnte der Ausweg aus der Unterdrückung durch die Urokàn sein. Márwyn zögert daher nicht seinem König Bericht zu erstatten und zu hoffen, dass dieser eine Delegation in das Reich der Menschen entsendet. Doch der Than hat ganz anderes im Sinn – er will Márwyn auf diese wahnwitzige Reise schicken. Dazu wird jedoch die Hilfe eines alten Freundes benötigt. Doch dieser ist nicht mehr der, der er einmal war und alles andere als begeistert, als Márwyn vor seiner Tür auftaucht…

Zur selben Zeit im Menschenreich.

Lara ist TV-Journalisten und hat mal wieder eine Trennung hinter sich. Die junge Frau hat einfach kein Glück in Liebesdingen und versucht auch diesmal ihren Trost in Süßigkeiten, Alkohol und Computerspielen zu finden. Eigentlich weiß sie, dass das nicht gut gehen kann, dennoch rutscht sie immer weiter in diesen Strudel aus Abhängigkeiten. Zum Glück gibt es da aber ihre beste Freundin Kim, die ihr hilft zurück ins Leben zu finden und mit ihr einen Plan aufstellt – kein Zucker, kein Alkohol, keine Zockerei und vor allem keine Männer! Erst recht keine so seltsamen, abgedrehten Typen. Für die ist Lara ja sonst wie ein Magnet. Doch wie soll es anders sein…auf einer Party läuft ihr ein ebensolcher wieder über den Weg. Zu allem Überfluss ist er auch noch unverschämt gutaussehend. Doch er behauptet, er sei ein Seher und käme aus einem entfernten Land, in dem es Drachen geben würde…


„Von Elben und Smartphones“ hat mich aufgrund des ansprechenden Covers und des interessanten Klappentextes angesprochen. Elben, die versuchen in der Menschenwelt ein magisches Artefakt zu finden und bestimmt auf einige Probleme dabei stoßen werden. Das Ganze vermischt mit einer Liebesgeschichte.

Das Cover ist in sommerlichen Farben gehalten und lässt auf eine unterhaltsame Romantasy hoffen. Das Format ist etwas größer als erwartet, es liegt zwar gut in der Hand, könnte aber für notorische Im-Bett-Leser wohl schnell ein bisschen schwer werden.
Etwas erschlagen ist man von der Schrift, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Die Masse an Worten auf der Seite ist dem ungewöhnlichen Format zuzuschreiben.

Márwyn ist ein sehr angenehmer Hauptcharakter. Er ist ruhig, nett und trotz seiner doch teilweise sehr schmerzhaften Vergangenheit ziemlich positiv. Sein Charakter hat mir als Leser viel Freiraum gelassen für meine eigenen Interpretationen.
Das komplette Gegenteil davon ist Lara. Sie ist sehr impulsiv und emotional, leider wird das in den Kapiteln, die aus ihrer Perspektive erzählt werden, enorm ausufernd beschrieben. Mir persönlich war das einfach zu viel, da ich das Gefühl hatte, kaum Luft zu bekommen.

Die Nebencharaktere dagegen sind allesamt liebevoll ausgearbeitet und bringen die Geschichte in Schwung. Sie sorgen für schöne Momente in der Geschichte, auch wenn ich mit Astorio, Márwyns Freund, erst warm werden musste. Er kommt am Anfang nicht wirklich sympathisch daher.

Nun aber zum schwierigen Teil…der Geschichte an sich.
Die Idee an sich ist wunderbar, auch der rote Faden ist vorhanden und nachvollziehbar. Nur leider verliert man den Faden immer wieder mal.
Der Schreibstil ist in den ersten sieben Kapiteln wirklich sehr gewöhnungsbedürftig und ich hatte zu kämpfen. Ab dem achten Kapitel bis hin zum Ende des Buches wird er immer besser und lässt sich wirklich flüssig lesen. Die Rechtschreibfehler hier und da muss man ignorieren, auch diese werden zum Ende hin weniger – ich hab versucht einfach drüber zu lesen. Wirklich schön gemacht ist die unterschiedliche Ausdrucksweise der Charaktere, passend zur Herkunft und ihrem Leben. Es hat für viel Abwechslung und für manche Lacher bei mir gesorgt.
Die Geschichte hat mir besonders gut aus den Perspektiven von Márwyn gefallen. Besonders in Laras Teilen sind ziemliche Längen drin, die einen den roten Faden komplett verlieren lassen. Man findet dann zwar schnell wieder rein, aber hier hätte man gut und gern ein paar Seiten einsparen können. Außerdem – und darauf muss ich leider hinweisen, ich hätte mir eine Erwähnung vorher gewünscht – drehen sich sehr viele Abschnitte um diverse Suchtprobleme, insbesondere um Alkoholsucht. Hier wird sehr in die Tiefe gegangen, das könnte für manche Leser zu viel sein. Eine Erwähnung im Klappentext wäre vielleicht nicht schlecht, damit man dem Thema eventuell aus dem Weg gehen kann.

Sieht man über die Schwächen und Längen hinweg, ist es aber ein netter Roman, den man immer mal zwischendurch lesen kann, vielleicht als Strandlektüre oder zum Nachmittagskaffee in der Sonne.


Herausgeber: Independently published, 2018

über Amazon als Print und eBook erhältlich

ISBN: 9781980768975

Preis: 8,99 €
(eBook 0,99 €)

 

Dieses Buch wurde mir vom Autor als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür! 
Die Rezension spiegelt meine ehrliche Meinung wieder und wurde hiervon nicht beeinflusst. 

 

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