Bücher

Marah Woolf – BookLess. Wörter durchfluten die Zeit.

Band 1 der BookLess – Saga


„Tief sog sie den Duft ein, der ihr aus den Regalen entgegen strömte. Dieser Duft versinnbildlichte alles, was sie an Büchern am meisten liebte. Es war die Erwartung auf ein neues Abenteuer, das sie gefangen nehmen und forttragen würde. Forttragen in Welten, die sie sonst nie erreichen würde."

Lucy Guardian wuchs in Madame Moulins Waisenhaus in einem kleinen englischen Dorf auf. Sie fand dort ihre Heimat, nachdem sie als Baby auf die Stufen der Kirche gelegt wurde. Mit 17 Jahren will sie sich von ihrer Ersatzmutter abkapseln und geht nach London. Sie belegt dort Vorbereitungskurse auf dem College, da sie Literatur studieren möchte. Dazu benötigt sie noch ein Praktikum – ihre WG-Mitbewohnerin Marie besorgt ihr einen Platz in der Londoner Nationalbibliothek. Lucy fühlt sich dort sofort wohl, besonders als ihr Chef sie in das Archiv versetzt. Sie soll der betagten Ms. Olive unter die Arme greifen, da diese etwas kürzer treten will. Neben ihrer WG mit Marie und der Amerikanerin Jules findet Lucy in den unterirdischen, unübersichtlichen Gängen und Räumen des Archivs ein zweites Zuhause. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass dort Kindheitserinnerungen in ihr aufflammen – die Bücher scheinen zu ihr zu sprechen. Das taten sie das letzte Mal in ihrer frühen Kindheit, als die Stimmen ihr das Lesen beibrachten. Auch ihr Mal, das sie seit sie denken kann an ihrem Handgelenk trägt, scheint sich in der Nähe der wispernden Wälzer zu verändern.

Die Stimmen der Bücher führen sie immer tiefer ins Archiv, weiter in die Dunkelheit. Hier stößt sie auf ein Buch, welches sich irgendwie seltsam anfühlt. Als Lucy es öffnet, weiß sie auch warum – auf den Seiten steht kein einziges Wort mehr. Das Buch ist vollkommen leer. Lucy denkt erst an einen Diebstahl und informiert Ms. Olive. Doch diese zweifelt an den Worten ihrer Aushilfe, denn von diesem Buch hat sie noch nie gehört. Lucy ist erschüttert, handelte es sich hierbei doch um einen weltbekannten Roman. Aber egal, wen sie danach fragt, niemand kann sich an die Geschichte erinnern.

Zeitgleich zu ihrer Versetzung ins Archiv taucht Nathan de Tremaine in der Bibliothek auf. Er leiht seltene und berühmte Bücher aus, die die Literaturgeschichte beeinflusst haben. Der schöne junge Mann übt sofort eine Anziehungskraft auf Lucy aus, auch wenn dies nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen scheint. Dies ändert sich aber mit jedem Treffen der beiden. Dennoch ist sie misstrauisch – was will dieser junge Mann ausgerechnet von ihr und warum reagiert ihr Mal in seiner Nähe? Als Lucy von den Büchern zu weiteren leeren Exemplaren geführt wird, realisiert sie, dass die Welt der Literatur in großer Gefahr schwebt. Hat Nathan etwas damit zu tun? Und warum scheinen die Bücher sich nur ihr mitteilen zu können?


Im ersten Band der BookLess-Saga lernen wir Lucy Guardian kennen und den steinigen Weg, der ihr hilft, ihre Rolle in der Welt zu verstehen.

Das Cover und der Titel des Buches spiegeln den Inhalt wider. Die Schrift und die Farbgebung gefallen mir besonders gut, leider kann ich mit der Zeichnung an sich nicht so viel anfangen, auch wenn sie vor dem inhaltlichen Hintergrund stimmig wirkt.

London und die Nationalbibliothek bieten sich an, wenn man als Autor ein Setting für eine große Fantasysaga sucht. Jeder, der diesen Ort schon einmal besucht hat, kann dies bestimmt nachvollziehen. Die Stadt selbst besitzt eine leicht phantastische Ausstrahlung und man kann sich vorstellen, dass hier alles möglich ist. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass die British Library auch eine solche Atmosphäre besitzt und einen Besuch wert ist. Daher liegt es nahe, das eine Saga rund um die bedeutendsten Werke der Literatur und der Liebe zum geschriebenen Wort in dieser Stadt ihren Anfang findet.

Lucy ist eine sympathische Hauptfigur. Sie besitzt logischerweise die typischen Unsicherheiten eines 17jährigen Mädchens, aber das trägt nur zu ihrer Glaubwürdigkeit bei. Die wenigsten Teenager in dem Alter können von sich behaupten, dass sie nicht ein klein bisschen naiv an alles heran gegangen sind. Sie wächst schon über sich hinaus, indem sie in eine Metropole zieht und dort auf eigenen Beinen steht. Schön fand ich, dass sie im Laufe der Geschichte auch eine Entwicklung durchmacht, ich hoffe, dass sich das im Folgeband nicht ändert.

Nathan lernen wir am Anfang nur durch Lucys Augen kennen, bekommen aber bald auch ein bisschen Einblick in seine Gefühlswelt. Dadurch gewinnt seine Figur bedeutend an Tiefe. Das ist ein Aspekt, der der Geschichte wirklich sehr zu Gute kommt, denn leider hat sie für mich einfach eine Schwäche.

Mich stört dieses momentan so beliebte Schema – Teenager-Waisenkind, weiblich, findet heraus, dass ihre Andersartigkeit sie zu etwas Besonderem macht, sie ist mittendrin im Abenteuer, alle wollen irgendwas von ihr und eine Liebelei darf auch nicht fehlen, vorzugsweise mit einem gut aussehenden, mysteriösen jungen Mann, der auch in der Sache mit drin hängt. Und irgendwie muss alles immer enorm schnell und unter Zeitdruck geschehen.

Lässt man dies aber mal außer Acht, ist Marah Woolf dennoch ein wunderbarer Auftakt zur Serie gelungen. Die Geschichte lässt sich gut lesen, der Schreibstil ist flüssig und die Seiten fliegen nur so an einem vorbei. Ich kann daher nur empfehlen, dass man sich auf das Setting und die doch sehr schöne und individuelle Grundidee hinter der Geschichte einlässt. Man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass man relativ schnell ahnt, wie es in der Geschichte weitergehen könnte, da die Hintergründe und kleinen Details, die zur Geschichte beitragen, doch sehr liebevoll ausgearbeitet sind.



Fans von leichter Urban Fantasy und Romantasy im Jugendbuch-/YA-Bereich.


Verlag: oetinger, 2017

ISBN: 978-3-8415-0486-9

Preis: 8,99 €

Paperback

zur Leseprobe

Marah Woolf, berufstätige Mutter von drei Kindern, hätte nie daran gedacht, irgendwann einmal ein Buch heraus zu bringen. Bis sie eine Idee hatte, die unbedingt zu Papier gebracht werden wollte. Das Ergebnis sind bisher über 1 Million verkaufte Bücher. Mit dem Pseudonym Emma C. Moore veröffentlicht sie außerdem noch kurzweilige Liebesromane.

 

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