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Kevin Hearne – Oberons blutige Fälle. Der Hund des eisernen Druiden.

Band 1 der kriminalistischen Fälle des Hundes Oberon.

Anmerkung aus dem Wunderland:
Ich schreibe hier Band 1, da ich wirklich hoffe, dass wir als Leser in den Genuss weiterer Geschichten aus Oberons Sicht kommen.


"Menschen nehmen die natürliche Freundlichkeit von Möpsen gar nicht wahr. 
Sie sehen nur das Knautschgesicht, die panisch hervorquellenden Augen und die Tendenz zum Ausflippen, 
wenn man ihnen die Zehennägel schneidet, aber sie begreifen nicht, warum Möpse so gut mit anderen Hunden auskommen."

Oberon hat ja schon einige, teilweise wirklich seltsame Sachen erlebt. Schließlich ist er der Hund des letzten Druiden. Atticus hält sich ein paar tausend Jahren so gut wie es geht versteckt unter Menschen. Zu diesem Zweck zieht er nicht nur dauernd um, er nimmt auch immer wieder neue Identitäten an. Eigentlich dachten die beiden, dass sie jetzt endlich zur Ruhe kommen könnten, zusammen mit ihren beiden Weibchen. Damit Oberon dennoch nicht in Langeweile verfällt und noch auf dumme Ideen kommt, nimmt ihn Atticus, oder auch Connor wie er sich momentan nennt, mit in Hundeparks um ihm Auslauf und hündische Gesellschaft zu verpassen.

Doch eines schönen Tages treffen sie auf einen Boxer, der Oberon ganz ungewohnt angreift. Der irische Wolfshund ist mittelschwer erschüttert, schließlich ist er doch ein ganz Lieber. Vom Herrchen erfahren sie, dass der Hund etwas neben sich steht, da sein Freund, ein preisgekrönter Pudel, entführt und der Boxer selbst hinterrücks betäubt wurde. Sowas kann Oberon nicht auf sich sitzen lassen – schließlich geht es gar nicht, dass vor seiner alles erschnüffelnden Nase Hunde aus ihren Körbchen gemoppst werden!

Er überredet Atticus auf seine gewohnte, telepathische Art und Weise, dass sie in diesem Fall ermitteln. Die beiden stoßen schnell darauf, dass der Pudel nicht der einzige verschwundene Hundechampion ist…Oberon vermutet eine großangelegte Verschwörung und ist sich ziemlich sicher, dass diesmal auch ausnahmsweise nicht die Eichhörnchen dahinter stecken. Außerdem wittert Oberon seine Chance endlich mal seinem Vorbild Sherlock Holmes nacheifern zu können…


Das Cover. 

Das Cover gleicht einem Gemälde. Einem Familienbildnis, das Atticus und Oberon und einen uns bisher unbekannten zweiten Hund zeigt. Der Stil gefällt mir sehr, die drei sind sehr gut getroffen und das Bild, welches sich in meinem Kopf dadurch gebildet hat, stört mich ausnahmsweise nicht im geringsten, auch wenn ich bekanntermaßen ein Verfechter der Nichtbeschreibung von Charakteren bin. Hier passt die Abbildung so gut, dass sie sich wirklich mit meiner Vorstellung gedeckt hat. Außerdem wurden die Figuren so gut eingefangen, dass sich ihre Persönlichkeit auch widerspiegelt, etwas, das ein gutes Gemälde ja auch ausmachen würde.

Der Stil. 

Humorvoll, leicht zu lesen und sehr bildhaft. Ich war schnell in der Geschichte angekommen und habe mich dort auch wohlgefühlt. Es ist einfach köstlich als Besucher im Kopf des irischen Wolfshundes zu sein und seine Gedankengänge zu verfolgen. So viel Spaß beim Lesen hatte ich schon eine Weile nicht mehr. Kevin Hearne schafft die Gratwanderung zwischen Humor, Anspielungen auf bekannte Werke aus Literatur und Film sowie einer ordentlichen Portion Sarkasmus wirklich spielend und das ganz ohne albern zu werden. Die Art und Weise, wie die Prise Witz in die beiden Kriminalkurzgeschichten eingeflossen ist, ist wirklich besonders und nie unangenehm.

Die Charaktere. 

Oberon.
Irischer Wolfshund. Liebt sein Herrchen Atticus über alles und ist trotz aller Erlebnisse in der Vergangenheit froh bei ihm zu sein. Durch die mentale Verbindung zu dem Druiden sind seine Gedankengänge und sein ganzes Wesen sehr viel ausgeprägter als bei anderen Hunden und er ist in der Lage mit seinem zweibeinigen Freund telepathisch in Verbindung zu treten.
Oberon ist sehr genügsam, spielt gern und ist eigentlich immer verfressen. Außerdem glaubt er fest daran, dass Eichhörnchen die Verkörperung des reinen Bösen sind und direkt aus der Hölle kommen.

Atticus.
Letzter Druide. Über 2000 Jahre alt mit bewegter Vergangenheit. In der Lage sich durch Zwischenwelten durch unsere Welt zu bewegen, indem er Bäume als Tore benutzt.
Durch sein sich nicht veränderndes Äußeres dazu gezwungen, sich immer wieder neue Identitäten und abgelegene Wohnorte zu suchen, damit niemandem auffällt, dass mit ihm etwas nicht stimmt.
Sehr redegewandt. Ist in der Lage seine Gestalt in die diverser Tiere zu verwandeln und kann sich mental mit Tieren und Menschen verknüpfen, einen Einblick in ihre Gedanken erhalten und sie auch bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. Sehr praktisch bei aufgebrachten Hunden.
Ist seinem Hund Oberon sehr zugetan und erträgt Ungerechtigkeit gegenüber Tieren nicht.

Nebencharaktere.
Wir treffen neben diversen hündischen Charakteren auch auf einige Menschen. Diese werden aber durch Oberons Sichtweise immer leicht am Rande der Geschichte gehalten, was mir ganz gut gefallen hat. Der Fokus liegt dadurch wirklich auf die Gedankenwelt des Wolfshundes und seine Verbindung zu Atticus. Eine gute Wahl und eine Möglichkeit, die Geschichten nicht unnötig in die Länge zu ziehen.

Das Setting.

Der Leser befindet sich immer in der Situation alles durch Oberons Augen zu sehen. Daher werden die besuchten Orte, die alle über die USA verstreut liegen, auf eine etwas ungewöhnliche Art und Weise beschrieben – Gerüche spielen eine sehr große Rolle (auch nicht weiter verwunderlich bei einem Hund), Bäume und Hydranten sind bei Weitem interessanter als Gebäude und Sehenswürdigkeiten. Auch von besuchten Häusern erfahren wir eher etwas über die Gärten als die Einrichtung (es sei denn, es handelt sich um den Inhalt von Kühlschränken und Vorratskammern).

Die Geschichte.

Kevin Hearne bewegt sich in „Oberons blutige Fälle“ irgendwie zwischen Fantasy, Kriminalroman und Humor.
In zwei relativ kurzen Geschichten begleiten wir den Druiden und seinen Hund bei der Aufklärung von kurzen Kriminalfällen, die es aber dennoch in sich haben. Die Fälle sind gut, solide und logisch konstruiert, man kann als Leser auch selbst ermitteln. Hierbei kommt einem die doch etwas ungewöhnliche Sichtweise des Wolfshundes zugute. Man erfährt Sachen, die man sonst nicht in einem Krimi erfahren würde, wird aber von Dingen abgeschnitten, die man sonst wie selbstverständlich präsentiert bekommt. Eine wunderbare Erfahrung, die eine schöne Abwechslung darstellt.

Oberon selbst ist ein Protagonist, der mir sehr schnell ans Herz gewachsen ist und den ich wirklich gern noch weitere Male begleiten würde. Ich habe teilweise laut losgelacht, weil es einfach zu lustig war, den Gedankensprüngen des Hundes zu folgen. Kevin Hearne versteht es wirklich die Persönlichkeit von Oberon so glaubhaft darzustellen, dass es nach ein paar Seiten vollkommen logisch erscheint, dass man im Kopf eines Hundes herumwühlt.

Das Fazit.

Dieses Buch ist für mich ein absolutes Highlight. Als wären meine Lieblingsdetektive zusammengewürfelt worden und in einem Hundepelz aufgewacht. Spannende Kriminalfälle, liebenswerte Charaktere und zum  Schreien komische Dialoge.


Verlag: Hobbit Presse, Klett Cotta

Erscheinungsdatum: 30.08.2018

ISBN: 978-3-608-96295-6

Preis: 14,95 €

Taschenbuch, 223 Seiten

Genre: Fantasy, Kriminalroman

Kevin Hearne, geboren 1970, ist Englischlehrer an einer Highschool in Arizona. Die Reihe um den eisernen Druiden Atticus ist nicht nur in den USA ein Erfolg.


Die Chronik des Eisernen Druiden

  1. Gehetzt
  2. Verhext
  3. Gehämmert
  4. Getrickst
  5. Erwischt
  6. Gejagt
  7. Erschüttert
  8. Aufgespießt

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