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[Kurzrezension] Stuart Turton – Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

„Zwischen einem Schritt und dem nächsten vergesse ich alles.“


Maskenball auf dem Anwesen der Familie Hardcastle. Am Ende des Abends wird Evelyn, die Tochter des Hauses, sterben. Und das nicht nur ein Mal. Tag für Tag wird sich ihr mysteriöser Tod wiederholen – so lange, bis der Mörder endlich gefasst ist.

Familie Hardcastle lädt zu einem Ball auf ihr Anwesen Blackheath. Alle Gäste amüsieren sich, bis ein fataler Pistolenschuss die ausgelassene Feier beendet. Evelyn Hardcastle, die Tochter des Hauses, wird tot aufgefunden.
Unter den Gästen befindet sich jemand, der mehr über diesen Tod weiß, denn am selben Tag hat Aiden Bishop eine seltsame Nachricht erreicht: „Heute Abend wird jemand ermordet werden. Es wird nicht wie ein Mord aussehen, und man wird den Mörder daher nicht fassen. Bereinigen Sie dieses Unrecht, und ich zeige Ihnen den Weg hinaus.“
Tatsächlich wird Evelyn nicht nur ein Mal sterben. Bis der Mörder entlarvt ist, wiederholt sich der dramatische Tag in Endlosschleife. Doch damit nicht genug: Immer, wenn ein neuer Tag anbricht, erwacht Aiden im Körper eines anderen Gastes und muss das Geflecht aus Feind und Freund neu entwirren. Jemand will ihn mit allen Mitteln davon abhalten, Blackheath jemals wieder zu verlassen.


Eigentlich…ja eigentlich würde ich zu „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ gern eine komplette Rezension verfassen. Über die Charaktere, das Setting und vieles mehr erzählen. Doch ich kann es nicht. Jedes Wort, das nicht meine Emotionen gegenüber diesem Buch abbildet, könnte zu viel Informationen preisgeben. Und jedes Fitzelchen davon könnte das Lesevergnügen schmälern und das hat dieses wundervolle Buch nicht verdient.

Der Leser wird zusammen mit dem Protagonisten in die Geschichte hineinkatapultiert, ohne zu wissen, wo man ist, was man dort zu suchen hat und wer man eigentlich ist. Schritt für Schritt versucht der Hauptcharakter zu ergründen, was alles zu bedeuten hat – und der Leser ist hautnah mit dabei. Man fühlt sich der Figur so nah, erlangt die Erkenntnisse zur selben Zeit wie er und wird dadurch vor einige nervenaufreibende Situationen gestellt.

Die eigentliche Kriminalgeschichte, der Tod von Evelyn Hardcastle, bietet auf den ersten Blick keine großen Überraschungen. Doch je mehr man erfährt, je weiter man in die Handlung und die Hintergründe eintaucht, desto mehr entwickelt sich die Geschichte in ein psychologisch ausgeklügeltes Kammerspiel, das einen als Leser stellenweise an die eigenen Grenzen treiben kann. Hinter jeder Ecke scheint etwas zu lauern, etwas, das alles vorantreibt oder eben genau das Gegenteil bewirkt, etwas, das einen zu erleuchten scheint oder komplett verwirrt zurücklässt, etwas, das einen überraschen kann und das man nicht vorhersehen konnte.

Lange habe ich darüber nachgedacht, wie ich diesen Roman einordnen kann – denn ein einfacher Kriminalroman ist es schlicht und ergreifend nicht. Für mich ist es, als hätten sich Joel Dicker, Agatha Christie und Jess Kidd an einen Tisch gesetzt, vorher ein bisschen zu viel Stephen King gelesen, einen Filmmarathon mit „Happy Death Day“ und „Täglich grüßt das Murmeltier“ veranstaltet und dann ein Kammerspiel geschrieben.
„Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ hat mich auf sechshundert Seiten nicht nur auf eine makabre Weise richtig gut unterhalten, es hat mich vollkommen gefesselt, mich in Verwirrung gestürzt und mit Herzklopfen von der ersten bis zur letzten Seite getrieben.


(Werbung, unbezahlt)

Originaltitel: The seven deaths of Evelyn Hardcastle | The 7 1/2 deaths of Evelyn Hardcastle

Genre: Kriminalroman

Verlag: Tropen

Erscheinungsdatum: 24.08.2019

ISBN: 9783608504217

Preis: 24,00 €

Hardcover mit Schutzumschlag, 605 Seiten

weitere Formate: eBook (18,99 €) und Hörbuch

Stuart Turton legt mit „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ seinen Debütroman vor. In Großbritannien feierte damit sehr große Erfolge, avancierte zum Publikumserfolg, gewann einige Preise und erscheint nun in 25 Ländern. Der freiberufliche Journalist lebt mit seiner Familie in London.

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