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Alan Bradley – Todeskuss mit Zuckerguss

Band 10 der Reihe rund um die junge Ermittlerin Flavia de Luce.

Die Fälle sind zwar soweit immer unabhängig voneinander zu sehen, aber es sind eventuell Spoiler zu Flavias Leben in der Rezension.


„Ich würde gerne von Anfang an klarstellen, dass ich ein überdurchschnittlich intelligentes Mädchen bin. Manche Menschen besitzen nun mal außergewöhnliche Begabungen […] und ich bin eben mit der Gabe des logischen Denkens gesegnet.“


Flavia de Luce, die zwölfjährige Chemikerin mit kriminalistischem Spürsinn, ist offiziell unter die Detektive gegangen. Zusammen mit dem Faktotum Dogger hat sie eine Privatdetektei gegründet, auf die die beiden zurecht stolz sind. Doch niemals hätten sie damit gerechnet, dass sie auf ihren ersten Fall bei einer Familienfeier stoßen werden.

Auf der Hochzeit von Flavias älterer Schwester Felicitiy macht die Braut selbst eine unschöne Entdeckung. Als sie und ihr Mann Dieter die Hochzeitstorte anschneiden, bekommen sie statt einem leckeren Innenleben einen menschlichen Finger präsentiert. Nachdem Flavia einen Eklat verhindert hat und das frisch vermählte Paar zur Hochzeitsreise aufgebrochen ist, nehmen sie und Dogger die Ermittlungen auf…


Das Cover. 

Ich trauere zwar immer noch dem „alten“ Design nach, dennoch spricht mich dieses Cover sehr an. Die Kombination der Farben und der Motive ist einerseits verspielt, aber auch düster und passt somit auch perfekt zum Titel des Buches.

Der Stil. 

Alan Bradleys Stil konnte mich bisher immer fesseln, abholen und in die Geschichte ziehen. Er schreibt nicht nur überzeugende Kriminalromane, auch die wirklich junge Protagonistin kommt bei ihm immer glaubhaft daher. In diesem Band hatte ich das Gefühl, dass Bradley ein bisschen experimentiert und versucht, Flavias Älterwerden einzufangen. Unsere Hauptfigur ist zwar immer noch vorlaut und naseweis, manchmal wirkt sie aber auch erwachsener und sie bekommt langsam, besonders in ihrer Wortwahl, leicht pubertäre Züge, die mich manchmal haben schmunzeln lassen. Dennoch ist es das gewohnt heimelige Gefühl und flüssig zu lesen und ein wunderbarer All-Age-Cosy-Crime, der durchaus auch für eine jüngere Zielgruppe geeignet ist.

Die Charaktere. 

Flavia
Die kleine Chemikerin steht wie immer im Mittelpunkt des Geschehens. Sie wird langsam älter, entwickelt sich weiter und steht am Rande der Pubertät. Ein bisschen fehlte mir die Verarbeitung der Ereignisse der vorherigen Bände, da hätte ich mir ein kleines bisschen mehr gewünscht.

Dogger
Der allgegenwärtige Mann für alles auf Buckshaw und neuerdings Kollege von Flavia im Detektivgewerbe. Dadurch, dass er in diesem Band mehr in das Geschehen rückt, lernt man ihn besser kennen und auch neue Seiten an ihm.

Die Beziehung zwischen Flavia und Dogger ist sehr interessant und ist ein großer Bestandteil der Geschichte, was dieser wirklich gut tut. Die Entwicklung der beiden ist spürbar und die Dynamik ist interessant und birgt sehr viel Potential für die Folgebände, denn Bradley öffnet sich hier sehr viele Türen.

Die restliche Familie de Luce rückt ein wenig in den Hintergrund, nur am Anfang wird sie noch thematisiert, danach sind sie nur noch Beiwerk. Das finde ich ein bisschen schade, da ich die Kabbeleien zwischen den Schwestern doch immer recht amüsant fand.

Das Setting.

England auf dem Land – für mich gibt es wohl kaum ein schöneres Setting für Kriminalromane. Nach Buckshaw, der Heimat der Familie de Luce zurückzukehren, hat inzwischen etwas von nach Hause kommen. Eine schöne Ergänzung zur gewohnten Umgebung empfinde ich die Ausflüge, die Teil dieses Bandes sind.

Die Geschichte.

Mit dem neunten Band „Der Tod sitzt mit im Boot“ hatte Alan Bradley durch die Ereignisse einen neuen Abschnitt eingeleitet, besonders für die Charakterentwicklung der Protagonisten und für die Dynamik zwischen diesen. Dogger als „neue“ Hauptfigur bringt neue, frische Aspekte hinein und macht die ganze Geschichte vom Lesegefühl her erwachsener.

Auch der 10. Fall der Reihe um Flavia ist spannend und gut konstruiert. Er birgt einige Wendungen und hat mir sehr gefallen, denn ich konnte wunderbar mit rätseln. Das Thema interessierte mich an sich sehr und war mal wieder ein bisschen war anderes, eine Spezialität der Alan Bradley Romane. Die Einflechtung der Chemie und von interessantem naturwissenschaftlichen Wissen macht einfach Freude und ist auch für Laien absolut verständlich. Schön fand ich diesmal, dass der Fall an sich wirklich gut zu Flavias Vorlieben passt und dadurch einfach sehr stimmig wirkte.

Das Fazit.

Die Flavia de Luce Romane sind immer wieder wundervolle Cosy Crimes, die man verschlingen kann und auch der zehnte Fall lässt mich mit einem wohligen und zufriedenen Gefühl zurück. Und mit der Vorfreude auf den hoffentlich bald folgenden nächsten Band, das muss man als Autor ja auch erstmal schaffen.


(Werbung, unbezahlt)

Originaltitel: The golden tresses of the dead

Verlag: penhaligon

Erscheinungsdatum: 24.06.2019

ISBN: 9783764531157

Preis: 20,00 €

Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten

Genre: Kriminalroman, All-Age

Alan Bradley, 1938 geboren, ist eigentlich Elektrotechniker und war bis zu seinem Rückzug aus dem Berufsleben 1994 Direktor für Fernsehtechnik einer Universität. Der Auftakt zur Flavia de Luce Reihe ist gleichzeitig sein Debütroman und wurde kurz nach Erscheinen sofort umjubelt. Alan Bradley hat sich zusammen mit seiner Frau auf Malta zur Ruhe gesetzt und schreibt weiterhin Geschichten rund um die junge Detektivin.


Dieses Buch wurde mir vom penhaligon Verlag über das bloggerportal der Verlagsgruppe Random House als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank hierfür. Meine Rezension wird hiervon nicht beeinflusst.

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