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Yvy Kazi – Von Goldstaub in Traumfängern

"Nicht bereit? Wofür? 
Welchen Sinn ergab es mich zu verbannen? 
Welche Lektion sollte ich lernen, während ich schlief?"

Ein Mädchen mit weißen Haaren und ohne Erinnerungen. Aufgetaucht aus dem Nichts, mitten auf einer Straße. Niemand vermisst sie. An ihrem Leib nur ein weißes Nachthemd. Bei sich trägt sie nichts weiter als eine Taschenuhr, die immer die selbe Zeit anzeigt. Nur der gravierte Name in der Uhr scheint ein Hinweis zu sein: Eir Lys.

Doch auch nach Monaten der Suche meldet sich niemand, der auch nur einen Hinweis auf ihre Herkunft geben könnte. Nachdem keine psychischen Auffälligkeiten festgestellt wurden, hat Lys durch Spenden und diverse Sponsoren die Möglichkeit bekommen, in einer kleinen Wohnung unterzukommen und Psychologie zu studieren. Ehrenamtlich arbeitet Lys in einem Hospiz und begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg.

Tag für Tag versucht Lys sich an ihre Vergangenheit zu erinnern, hält sich von Menschen fern und lebt auf der Suche nach Hinweisen vor sich hin. Denn es gibt noch einen weiteren Anhaltspunkt, einen, den sie jedem verschwiegen hat. Nacht für Nacht träumt Lys von einem wunderschönen, goldäugigen Mann, der sie in ihre Taschenuhr sperrt und ihr befiehlt, sich Schlafen zu legen. Doch egal, wie lange sie darüber nachdenkt, sie kann sich keinen Reim auf ihre realistischen Träume machen. Als sie durch Zufall auf den charmanten Alex und seine lebenslustige Schwester Maia trifft, scheint sich alles zu verändern. Das Chaos wirkt perfekt, als auch noch die Zeiger ihrer kaputten Taschenuhr auf einmal weiterwandern…


Auf „Von Goldstaub in Traumfängern“ bin ich im Zuge einer lovelybooks Leserunde gestoßen. Das Cover gefiel mir, besonders weil es ziemlich düster gehalten ist, und die Inhaltszusammenfassung hat mich neugierig gemacht. Außerdem mochte ich auf Anhieb den Humor der Autorin, der schon in der Beschreibung des Buches durchklang. Ich hatte mich auf eine Leserunde eingestellt, die bei mir genauso abläuft wie die anderen – ich lese den Abschnitt, schreibe was dazu und lese danach weiter. Tja, Pustekuchen. Ist mir nur beim ersten gelungen, danach hat mich die Geschichte so gefesselt, dass ich in einem Rutsch weitergelesen habe und einfach nicht aufhören konnte. Denn Yvy Kazi hat etwas geschafft, auf das ich im Fantasy-Bereich immer warte und selten finde – sie hat mich überrascht.

Lys ist eine sehr sympathische Protagonistin, bei der Yvy Kazi eine Gratwanderung hinbekommen hat, die man selten findet. Die Figur ist sehr naiv, das merkt man auch sofort, aber dabei weder auf den Kopf gefallen, noch nervend. Sie ist durchweg liebenswert, oft unfreiwillig humorvoll und vor allem herrlich unperfekt.

Os, besser gesagt der Terriermischling Oskar, hat mein Herz im Sturm erobert. Den würde ich glatt adoptieren und ihm einen Lebensvorrat an Keksen anlegen. Ich glaube, der kann jeden um sein Pfötchen wickeln.

Alex ist anfangs ein sehr verschlossener Charakter und macht einen ziemlich glatten Eindruck. Man kann seine Persönlichkeit irgendwie nicht richtig fassen. Im Laufe der Geschichte ändert sich das aber. Seine Entwicklung hat mir mit am meisten Spaß gemacht.

Aber auch die anderen Charaktere sind liebevoll und mit sehr viel Mühe ums Detail ausgearbeitet. Maia, die Schwester von Alex, und seine Familie sind schlichtweg großartig. Auch die anderen Figuren ziehen einen in den Bann. Von denen werde ich euch aber nichts verraten, dann ist die Überraschung größer. Besonders hinsichtlich des Traummannes, dem Lys jede Nacht begegnet, will ich euch nicht spoilern.

Die Geschichte fängt zugegebenermaßen etwas verworren an und ich war gespannt, worauf ich mich da eigentlich einlasse. Ich habe mich dann mit Lys gemeinsam zurechtgefunden und hatte immer wieder das Gefühl, als würde ich direkt neben ihr stehen und alles miterleben.
Yvy Kazi hat einen leichten, lockeren Schreibstil, der sich angenehm lesen lässt, der die ernsten Töne genauso gut beherrscht wie die humorvollen Stellen. Es war eine wirkliche Freude, der Geschichte zu folgen und ich war am Ende einfach nur begeistert. Die Autorin nimmt uns mit auf die etwas steinige Reise von Lys, die sich selbst, ihre Erinnerungen und ihren Platz erst finden muss. Etwas, das gar nicht so einfach ist, wenn man quasi keine Vergangenheit hat und dann auch noch äußerlich aus dem Rahmen fällt. Ihre Geschichte ist gleichzeitig düster und voller Hoffnung, ernst, aber auch humorvoll und versteht es, den Leser in ihren Bann zu ziehen.

Im Übrigen konnte ich nicht widerstehen: „Von Goldstaub in Traumfängern“ ist auch noch in der Printversion eingezogen, denn es hat sich seinen Regalplatz bei mir redlich verdient.


Fantasy-Liebhaber, die gerne etwas Neues testen und auch unbekannten Autoren mit ungewöhnlichen Ideen eine Chance geben.


Verlag: Sweek

Erscheinungsdatum: 19. Juli 2018

ISBN: 978-9463676571

Preis: 14,99 €

Softcover, 312 Seiten

Yvy Kazi ist studierte Kommunikations- und Grafikdesignerin. 2017 veröffentlichte sie ihre erste Geschichte beim Selfpublishinganbieter neobooks. „Edittas Tötenbeschwörertagebuch“ wurde zum Monatsfavoriten gewählt, bekam eine Leserunde auf lovelybooks und wurde als Taschenbuch verlegt.


Dieses Buch habe ich im Zuge einer Leserunde auf lovelybooks gewonnen. Meine Rezension wurde hiervon nicht beeinflusst.

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