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Alan Bradley – Der Tod sitzt mit im Boot.

Band 9 der Reihe rund um die junge Ermittlerin Flavia de Luce.

Die Fälle sind zwar soweit immer unabhängig voneinander zu sehen, aber es sind eventuell Spoiler zu Flavias Leben in der Rezension.


"Die Vorstellung, dass das geweihte Gefäß womöglich immer noch auf dem Grund des Flusses lag, vielleicht sogar direkt unter uns (wenn auch natürlich alle Spuren von Strychnin und Zyankali längst weggespült waren), entzückte mich so, dass ich mit der flachen Hand aufs Wasser klatschte. Vielleicht schwammen hier ja noch ein paar Giftmoleküle herum [...]"

Flavia de Luce befindet sich im Sommerurlaub. Zusammen mit Dogger und ihren Schwestern Ophelia und Daphne machen sie in St. Mildred Halt, einer Gemeinde, die vor nicht allzu langer Zeit die Schlagzeilen der englischen Zeitungen beherrschte.

Der Pfarrer des Örtchens war ein berüchtigter Giftmörder, der drei alte Damen während einer Messe mithilfe des Messweins ermordetet. Flavia ist natürlich in ihrem Element und sieht die Gemeinde deshalb als Sehenswürdigkeit an. Ihre beiden Schwestern sind eher gelangweilt und haben genug mit ihren eigenen Problemen zu tun. Doch auf einer Bootstour auf der Themse geschieht das Unfassbare – Flavia fischt eine Leiche aus dem Fluss! Der junge Orlando war nicht nur ein vielversprechender Laiendarstellers, sondern auch der Sohn des mörderischen Pfarrers. Und gefunden wurde er genau an der Stelle, an der der Pfarrer damals das Mordwerkzeug, den Kelch, entsorgt hat. Kann das denn Zufall sein?

Nun sind die de Luces nicht nur zwangsläufig für eine Zeit lang an den Ort gebunden, Flavia kann auch noch ihr neugieriges Näschen in alle möglichen Sachen stecken, die sie eigentlich nichts angehen. Doch für die junge Detektivin kann es nicht angehen, dass der mysteriöse Todesfall des Theaterschauspielers ungesühnt im Sande verläuft. Sie leitet mit unerwarteter Unterstützung die Ermittlungen ein und stößt auf ein ganzes Sammelsurium an gut gehüteten Geheimnissen…


Einen neuen Fall von Flavia de Luce verfolgen zu können, hat für mich immer etwas heimeliges. Im inzwischen neunten Fall gehört man ja als Leser inzwischen schon selbst zum Inventar von Buckshaw, dem Anwesen der de Luces.

Das Cover ist typisch für die Reihe und für mich wieder einmal absolut stimmig. Die andere, sepiafarbene Variante der Cover der ersten Bände hat mir zwar auch zugesagt, aber mein Herz erwärmt sich doch ein wenig mehr für das neuere Design. Auch wenn es im Regal etwas seltsam aussehen mag, sollte man die Reihe immer vom gleichen Verlag erworben haben (und nicht so wie ich, die deutsche und englische Varianten in allen möglichen Farben und Ausstattungen nebeneinander stehen hat, was im Endeffekt nach kraut und Rüben ausschaut).

Alan Bradleys Schreibstil ist wie gewohnt, wunderbar leicht und flüssig zu lesen. Unaufgeregt, in der Tradition der großen englischen Kriminalromane, versteht es Bradley seine Leser zu fesseln und ins England um 1950 zu ziehen. Ich habe immer wieder das Gefühl, als würde ich Flavia über die Schulter schauen können und wäre hautnah bei den Ermittlungen dabei.

Die Charaktere sind uns im Großen und Ganzen ja schon aus den anderen Bänden bekannt, diesmal kommen durch den Ortswechsel mehr neue Gesichter dazu, als man gewohnt ist. Doch ich halte es hier ähnlich wie Miss Marple, die ja auch immer sagte, dass eh alles ihrer kleinen Welt St. Mary Mead ähnelt – Bradley hat Bishops Lacey quasi nur umbenannt und mit neuen Figuren bestückt.
Die Figuren sind gewohnt interessant und jeder scheint ein Geheimnis zu besitzen. Doch abseits dessen hat mir etwas anderes wirklich sehr gut gefallen und zwar die Entwicklung unserer bekannten Figuren. In diesem Band lerne ich Seiten von Flavia, ihren Schwestern und Dogger kennen, die mir bisher vollkommen unbekannt waren. Das führte für mich zu wahrlich spannenden Momenten und zu unerwarteten Wendungen. Ein bisschen kam in mir das Gefühl auf, dass mit „Der Tod sitzt mit im Boot“ ein neuer Abschnitt in Flavias Leben eingeläutet wird. Umso gespannter bin ich dadurch auf eine Fortsetzung der Reihe, die hoffentlich auch kommen wird (momentan weiß ich da leider nichts genaues).

Die Geschichte rund um St. Mildred hat mich komplett überzeugt. Der Fall war schlüssig, logisch und so entworfen, dass man bis auf die letzten Seiten hin nicht wusste, wer denn nun eigentlich der Täter ist und wie alles miteinander zusammenhängt. Auch wenn die Aufklärung für meinen Geschmack ein paar mehr Seiten verdient und ich mir besonders am Ende eine etwas ausschweifendere Erklärung gewünscht hätte, bin ich dennoch vollkommen zufrieden.
Begeistert bin ich im Übrigen vom Einfallsreichtum und der Einflechtungen rund um die Chemie, die dieser Reihe innewohnt. In diesem Fall wurde es für mich in neue Gefilde geführt, die selbst für einen Laien auf diesem Gebiet sehr spannend sind. Die Ideen, die Flavia und ihr Ermittlerkumpan in Bezug auf ein mobiles Chemielabor entwickeln, sind einerseits vollkommen grandios und lassen einen andererseits grübelnd zurück, ob das denn wirklich so einfach sein kann. Im Endeffekt ist das aber egal, denn für mich kann jede CSI-Serie jetzt sowieso einpacken. Die sollten alle mal bei Flavia in die Lehre gehen.

Alles in allem ist „Der Tod sitzt mit im Boot“ eine würdige Fortsetzung, die sich vollkommen nahtlos in die kultige Reihe rund um die junge Detektivin einfügt.


Verlag: penhaligon

Erscheinungsdatum: 25.06.2018

ISBN: 978-3-7645-3114-0

Preis: 20,00 €

Hardcover mit Schutzumschlag, 348 Seiten

zur Leseprobe

Alan Bradley, 1938 geboren, ist eigentlich Elektrotechniker und war bis zu seinem Rückzug aus dem Berufsleben 1994 Direktor für Fernsehtechnik einer Universität. Der Auftakt zur Flavia de Luce Reihe ist gleichzeitig sein Debütroman und wurde kurz nach Erscheinen sofort umjubelt. Alan Bradley hat sich zusammen mit seiner Frau auf Malta zur Ruhe gesetzt und schreibt weiterhin Geschichten rund um die junge Detektivin.


Dieses Buch wurde mir vom penhaligon Verlag über das bloggerportal der Verlagsgruppe Random House als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank hierfür. Meine Rezension wird hiervon nicht beeinflusst.

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