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Rezension | Stan Lee & Kat Rosenfield – Alliances. A Trick of Light.

Band 1 einer Reihe


„Cameron Ackerson, der selbst ernannte Pirat und Cleveland-Abenteurer mit sechzehn Abonnenten auf seinem You-Tube-Kanal, wird aus dem Schatten der Namenlosigkeit ins Licht des Erfolgs geschleudert werden, sobald sein Video im Netz ist … und er selbst wird zu tot sein, um etwas von diesem Ruhm zu haben.“


Inhalt

Cameron Ackerson ist ein Nerd, der sich nach Anerkennung sehnt. Doch über seinen YouTube-Kanal bekommt er sie nicht, denn da hat er nur eine Handvoll Abonnenten. Auf der Suche nach seinem vor zehn Jahren verschwundenen Vater, die er per Livestream überträgt, gerät er auf dem Eriesee in einen seltsamen Sturm – und wird vor laufender Kamera von einem Blitz getroffen.
Dadurch erlangt Cameron nicht nur auf einmal Berühmtheit, sondern erwacht mit Superkräften und nicht ganz unbeschadet. Nach dem Blitzeinschlag ist er in der Lage sich mental mit technischen Geräten zu verbinden und mit ihnen zu kommunizieren. Das nutzt der Junge auch ordentlich aus. Bei einem seiner Ausflüge im Cyberspace lernt er Nia kennen. Doch er zieht nicht nur ihre Aufmerksamkeit auf sich, auch die Vergangenheit seines Vaters holt ihn ein und eine unerwartete Bedrohung kommt auf die gesamte Welt zu…


Meinung

Das Cover. 

Vorab möchte ich hervorheben, dass bei diesem gebundenen Buch der Einband bedruckt wurde und auf den Schutzumschlag dadurch verzichtet wurde.
Das Cover wurde ansprechend für die jugendliche Zielgruppe gestaltet und auch glücklicherweise geschlechterneutral, dennoch recht effekthaschend und auf den „Superhelden-retten-die-Welt“-Aspekt ausgelegt. Die Stimmung wurde aber gut eingefangen und man bekommt, je weiter man in die Geschichte eintaucht, einen immer besseren Einblick auf die Hintergründe der Covergestaltung.

Der Stil. 

Der Schreibstil ist recht action- und spannungsgeladen. Die Perspektivwechsel, die am Anfang bei mir für ordentlich Erstaunen gesorgt haben, tragen die Geschichte. Der Erzählton ist je nach Perspektive auch immer etwas anders, was den Charakteren eine eigene Stimme verleiht, das sorgt für Abwechslung, hilft bei der Unterscheidung und ist sehr angenehm zu lesen.

Obwohl „Alliances“ ein Jugendbuch ist, ist die Sprache teilweise nicht so einfach und das Genre Science-Fiction wird stellenweise sehr in den Vordergrund gerückt. Die technischen Aspekte werden recht genau erklärt, meiner Meinung nach sind sie dennoch gut verständlich, wenn man ein wenig Affinität für die Themen mitbringt. Ansonsten könnte ich mir vorstellen, dass man als Leser mit diesen Details ein wenig Geduld mitbringen muss.

Das Setting.

Eine Stadt am Eriesee, in Nordamerika, an der Grenze zu Kanada. Der See spielt eine große Rolle, die Stadt an sich dafür aber eine eher untergeordnete, es könnte jede etwas größere Stadt sein. Vermutlich befinden wir uns ein wenig in der Zukunft, aber das wird nicht wirklich benannt, daher ist hier einiges an Interpretationsspielraum offen.

Die Charaktere. 

Hier werde ich nur kurz auf die Hauptcharaktere eingehen, und dabei nicht mal auf alle, denn schon allein einige Charakterentwicklungen und Hintergründe würden zu viel verraten. Etwas, das wirklich für das Buch und die überraschenden Wendungen in ihm spricht.

Cameron
Ein 16jähriger Nerd, Halbwaise, unscheinbar, aber intelligent und mit wenigen Freunden. Seine Mutter arbeitet recht viel und sein Vater war vor seinem Verschwinden erst eine sehr große Nummer im Internetbereich, doch nach einigen Vorfällen dann kurz vor dem Aus. Camerons Charakter bleibt am Anfang ziemlich blank, ein bisschen wie ein nur halbbeschriebenes Blatt Papier, was dem (jugendlichen) Leser aber gut die Möglichkeit gibt, sich in ihn hinein zu projizieren. Dennoch hat es für mich ein wenig die Beziehung gehemmt, die ich zu ihm aufbauen wollte, das wurde erst mit der Zeit besser, denn in ihm steckt wirklich viel. Ich mochte die Darstellung seines seelischen Zustandes nach dem Unfall sehr gern, seine Charakterentwicklung, seinen Zwiespalt und seine Unsicherheiten.

Juaquo
Camerons bester Freund, von dem er sich nach dem Tod seiner Mutter ziemlich entfernt hat. Juaquo hat sich von allen abgeschottet und scheint leicht depressiv. Er versucht keinen mehr an sich heranzulassen und scheint inzwischen einige Geheimnisse zu verbergen, die Cameron nicht kennt.

Nia
Die geheimnisvolle Spieleridentität eines Mädchens, die sich mit Cameron anfreundet. Sie zeigt sehr viel Verständnis und hilft ihm in der Zeit nach seinem Unfall sehr.

Die Geschichte.

„Alliances“ hat mich überrascht, und das auf sehr vielen Ebenen. Ich bin mit keinen großen Erwartungen herangegangen, denn ich bin kein allzu großer Fan der Marvel-Sachen. Doch da man ja einen Künstler nicht nur nach einem Aspekt seines Schaffens beurteilen kann, wollte ich dieses vermeintliche Jugendbuch mal ausprobieren. Ja, vermeintlich. Denn das, was ich hier bekommen habe, geht schon eher in Richtung All Age Science Fiction. Diese ist zwar an manchen Stellen recht jugendlich – dank des Protagonisten – an anderen dagegen sehr anspruchsvoll.

Dreh- und Angelpunkt der Story sind die technischen Aspekte, besonders im Bereich Cyberkinetik und Biotechnologie, aber auch künstliche Intelligenz und Virtual Reality spielen eine Rolle. Glücklicherweise bringe ich hier ein gewisses Grundinteresse mit, dadurch fand ich diese Exkurse in der Geschichte sehr spannend. Ich kann mir aber vorstellen, wie oben schon kurz mal erwähnt, dass dies Leser abschrecken kann. Denn nicht nur die technischen Aspekte nehmen in der Geschichte immer weiter zu, auch die klassischen Science Fiction Elemente rücken in den Mittelpunkt.

Man merkt, dass ich von einer ganz anderen Ausgangssituation an dieses Buch herangegangen bin. Denn auch die versprochene klassische Superheldenstory, die ich von Stan Lee erwartete, habe ich nur im Ansatz bekommen. Sie legt den Grundstein für die Story, aber danach wird sie über ihre eigenen Grenzen erweitert.
Auch konnte „Alliances“ mit einigen Wendungen um die Ecke kommen, bei denen ich etwas fassungslos vor den Seiten saß und mich fragte, huch, wo kam das denn jetzt her? An manchen Stellen fühlte ich mich an eine sehr bekannte SciFi-Serie erinnert, welche das ist, kann ich euch leider aufgrund der Spoilergefahr nicht verraten. Mir hat das aber nichts ausgemacht, im Gegenteil, das fand ich sogar richtig toll.

Ich mochte besonders diese teilweise recht blanke Anlage der Charaktere, da man so als Leser noch für sich selbst genug Platz hat. Trotzdem wurde eine gute Entwicklung der Persönlichkeiten vorangetrieben, besonders die Darstellung von Cameron nach seinem Unfall hat mir gefallen – dieser Struggle mit sich und seiner Umwelt, die konträre Einstellung zu dem, was er vorher wollte und danach bekommen hat, und auch die Beziehungen, die er zu den anderen Protagonisten aufbaut, ist gut durchdacht und das Potenzial wird gut ausgenutzt. Außerdem verhält er sich für mich sehr nachvollziehbar. Sein Umgang mit seiner neuerweckten Kraft ist glaubhaft, sie erinnert wirklich an einen Jugendlichen in diesem Alter. Durch diese Entwicklung kommt zu den ganzen anderen Sachen auch noch eine solide Coming-of-Age-Geschichte hinzu.

Das Fazit.

Ein überraschend guter Science Fiction Roman, der nicht nur eine jugendliche Zielgruppe und Marvel-Fans glücklich machen kann. Ein düsteres Endzeitszenario trifft auf überraschende Wendungen, ein einnehmend spannender (und manchmal erstaunlich humorvoller) Schreibstil kombiniert mit überzeugenden Charakteren und ein klein wenig Superheldencharme sorgen für großes Kino in Buchformat!


Fakten

(Werbung, unbezahlt)

Verlag: Loewe

OT: A Trick of Light. Stan Lee’s Alliances.

Erscheinungsdatum: 13.11.2019

ISBN: 9783743206724

Preis: 19,95 €

gebundenes Buch, 496 Seiten

weitere Formate: eBook und Hörbuch

Genre: Science Fiction (für Jugendliche, empfohlenes Lesealter ab 14 Jahre)

Über die Autoren

Stan Lee erfand nicht nur die Fantastic Four, auch viele andere Superhelden haben wir der Comic-Legende zu verdanken, wie zum Beispiel Hulk und Spiderman. „Alliances“ ist seine letzte große Geschichte, die er vor seinem Tod im Jahr 2018 ersonnen hat.

Kat Rosenfield ist Journalistin, Autorin und Illustratorin und wurde für den Edgar Award nominiert. Außerdem trifft man sie auf MTV News an.

Weitere Co-Autoren sind Luke Liebermann und Ryan Silbert, beides bekannte Größen in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie.

 

 

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