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Emilia Fuchs – Ein Jahr zum Leben.

Ein Jahr, um dich selbst wieder zu finden und dein Leben zurück zu holen.

Eve hat den Verlust ihrer Mutter zwar nie richtig verwunden, aber durch ihren liebevollen Vater war es erträglich. Doch als sie auch ihn mitten in der Weihnachtszeit verliert, verliert sie auch sich selbst komplett. Das Einzige, was er ihr hinterließ, ist ein Brief. Ein simples Stück Papier, dass sie zu öffnen nicht in der Lage ist.

Als der Jahreswechsel ansteht und Eve sich dazu aufgerafft hat, mit ihrer Freundin Maria in einen Club feiern zu gehen, anstatt zu Hause weiter ihre Wunden zu lecken, kommt ihre lebenslustige Begleiterin auf eine Idee. Jede von ihnen soll zehn Vorsätze erfüllen. Maria will ihre Freundin damit ins Leben zurück holen und ermuntert sie, auch mal verrückt zu sein. Eve lässt sich in dem Moment darauf ein, wohl wissend, dass sie sich wahrscheinlich vor allen Sachen drücken wird.

So kommt es, dass sie sechs Monate später wirklich noch keinen einzigen Punkt in Angriff genommen hat. Doch so langsam will sie selbst etwas ändern und ihre Lebendigkeit zurück haben. Daher geht sie den ersten Vorsatz an und findet sich beim Blutspenden wieder, etwas, das sie noch nie gemacht hat. Sie trifft nicht nur auf sympathische Menschen, nein, auch auf den nervtötenden und etwas unverschämten Ben. Eve flieht aus der Situation, aber ihre Rechnung geht nicht ganz auf. Ben schafft es, sie aus ihrer mühsam aufgebauten Reserviertheit und ihrer Traurigkeit zu locken und so gehen sie einen Deal ein.

Dieser soll Eve helfen einen weiteren Vorsatz abhaken zu können – sie will nach Frankreich, in das Heimatland ihrer Mutter und sich ihrer Vergangenheit und sich selbst stellen. So machen sich die beiden spontan auf die Reise, mit nur dem Nötigsten im Gepäck. Warum Ben ihr unbedingt helfen will, weiß Eve nicht. Sie ahnt nicht, dass er genau das Gegenteil von ihrem Vorsatz will. Ben will vor seinem Leben davon laufen…


Ich gebe zu, ich hatte keine großen Erwartungen. Aufmerksam wurde ich auf den Titel beim Durchsehen der Impress-Neuerscheinungen und dachte mir, dass es zum Zeitvertreib ganz ok sein würde. Irgendwas seichtes, bei dem ich nicht nachdenken, mich nicht drauf einlassen muss. Ich hab mich selten so geirrt. Dieses Buch hat mich emotional abgeholt und auf eine Reise mitgenommen.

Leider war es für den Leser etwas zu schnell zu vorhersehbar wovor Ben fortläuft, das hat mir ein bisschen die Herzchen in meinen Augen genommen. Dennoch möchte man wissen, wie die Geschichte weitergeht. Ob Eve sich wieder findet, ob sie überhaupt etwas findet in der Heimatstadt ihrer Mutter oder ob sie noch viel mehr Fragen aufwirbelt. Ob Ben das erreicht, was er möchte, ob er überhaupt fliehen kann. Auch die Vorsätze stehen immer noch im Raum, ebenso wie die interessante Spannung zwischen den beiden. Ach, und der Brief, den hätte ich bald vergessen. Denn der begleitet uns auf unserer Reise.

Entgegen meiner Vorstellungen ist dies aber kein 0815-Liebesgeschichtchen für junge Erwachsene, sondern wirklich ein Roman darüber, wie man aus der Trauer zurück ins Leben findet. Dass man keine andere Wahl hat, als sich sein Leben wieder zurück zu erobern, denn die Welt dreht sich ja doch weiter, auch wenn man sie am liebsten anhalten will. Emilia Fuchs hat hier einen berührenden Roman geschaffen, mit tollen Figuren vor dem wunderschönen, mit Lavendel übersäten Frankreich.



Jeden, der Liebesromane mag und sich dem emotionalen Weg, den die Trauerbewältigung mit sich bringen kann, stellen möchte.


Verlag: carlsen impress, 2017

gelesen auf dem kindle paperwhite

Preis: 3,99 €

Emilia Fuchs, 1992 geboren, ist Ostfriesin. Doch so sehr sie ihre Heimat liebt, genauso gern reist sie mit ihrem Mann durch die Welt. Diese Erfahrungen bringt sie auch in ihre Romane ein.

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