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[Kurzrezension] J. Jefferson Farjeon – Dreizehn Gäste

„Ihr Mann, der nun friedlich in seinem Grab ruhte, hatte sie einst als eines der herrlichsten Risiken des Lebens beschrieben, und dieses Risiko war er bewusst eingegangen, als er sie heiratete.“


Bragley Court, ein wundervoll gelegenes Landgut in England.
Lord Aveling veranstaltet nicht zum ersten Mal eine Party mit hochrangigen Mitgliedern der Gesellschaft. Zwölf Gäste hat er geladen, unter anderem eine schöne Schauspielerin, ein Enthüllungsjournalist der üblen Sorte, eine Kriminalautorin und ein gefragter Maler.
Doch dann liest die ebenfalls eingeladene attraktive Witwe Mrs. Leveridge einen Verletzten am Bahnhof auf und nimmt ihn kurzerhand mit auf das Landgut, da Lord Aveling und seine Familie für ihre Gastfreundschaft bekannt sind.
Damit erhöht sich die Gästezahl unvorhergesehen auf Dreizehn. Die Unglückszahl bedeutet nicht nur für ein Gemälde das Ende, bald darauf erlebt auch einer der Anwesenden seine letzten Stunden…


J. Jefferson Farjeon schreibt Kriminalromane, wie sie britischer kaum sein könnten – die schönen Landschaften kombiniert mit leicht skurrilen Figuren, gespickt mit sprödem Humor und einem unaufgeregten Schreibstil.

„Dreizehn Gäste“ macht hier keine Ausnahme, auch wenn die Krimihandlung eher eine Nebenrolle spielt. Die Persönlichkeiten der Protagonisten, die Beziehungen und Interaktionen untereinander stehen im Mittelpunkt des Geschehens und machen den Roman zu einer unterhaltsamen Gesellschaftsstudie. Zugegebenermaßen geht die Geschichte an manchen Stellen eher zäh voran, besonders in der ersten Hälfte, welche sich allein auf die Charaktere konzentriert, aber da man sich die meiste Zeit wie ein Zaungast fühlt, geht das Lesevergnügen nicht gänzlich verloren.

Farjeon pflegt einen recht bildlichen, atmosphärischen Schreibstil, der dazu beiträgt, dass man sich sofort in die Zeit und das Geschehen hinein fühlen kann. Stellenweise kam ich mir wie ein Zuschauer in einem Theater vor – „Dreizehn Gäste“ würde ein grandioses Stück abgeben.

Das Unglück und die Ermittlungen treten erst im zweiten Teil auf die Bühne und ab diesem Zeitpunkt war auch die Spannung mit einem Schlag da. Die Ermittler sind erfrischend britisch und verstehen es, mit den gesellschaftlichen Besonderheiten umzugehen. Denn die höheren Schichten der damaligen Zeit vertraten sehr vehement die Ansicht, dass bestimmte Sachen hinter verschlossenen Türen zu bleiben haben. Der Fall war gut konstruiert, die Wendungen unerwartet, aber nicht unlogisch und die Lösung recht überraschend. „Dreizehn Gäste“ ist kein Krimi, der mit Blut und Action punktet. Farjeon setzt, wie Agatha Christie, auf interessante Milieustudien, die immer ein bisschen mysteriös und skandalös sind.

Leseempfehlung für Liebhaber klassischer Kriminalromane.


(Werbung, unbezahlt)

Originaltitel: Thirteen Guests

Genre: Kriminalroman, Cosy Crime

Verlag: Klett-Cotta

Erscheinungsdatum: 23.03.2019

ISBN: 978-3-608-96392-2

Preis: 15, 00 €

bedruckter Leinenband, 348 Seiten

weitere Formate: eBook (11,99 €)

Joseph Jefferson Farjeon war einer der großen Kriminalschriftsteller seiner Zeit. Über die Jahre hinweg verfasste der 1883 geborene Brite über 60 Thriller und Krimis und war als Meister seines Fachs bekannt. Sein Stück „Number Seventeen“ wurde sogar von Hitchcock unter dem selben Titel verfilmt. Farjeon starb 1955.

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