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Frida Skybäck – Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse

„Diese Buchhandlung war wirklich etwas Besonderes. Von außen hatte sie hübsch, aber relativ anspruchslos gewirkt, doch wenn man hineinkam, öffnete sich eine eigene Welt. […] Trotz seines etwas heruntergekommenen Äußeren strahlte er Wärme und Gemütlichkeit aus, ein perfekter Ort für jeden Buchliebhaber.“


Charlotte Rydberg, erfolgreiche schwedische Geschäftsfrau, war glücklich in ihrem Leben. Bis sie vor ein paar Monaten auf tragische Weise ihren geliebten Mann verlor. Zurückgeblieben ist ihr nur ihre Firma und eine Menge schmerzhafte Erinnerungen. Als sie dann von ihrer Tante Sara, der sie nie begegnet ist, ein Haus samt Buchhandlung in London erbt, weiß sie nicht, was sie damit anfangen soll. Sie ist weder eine große Leserin, noch möchte sie einen Buchladen führen. Daher macht sich Charlotte auf den Weg nach London, um alles zu verkaufen. Doch kaum angekommen, kann sie sich der Anziehungskraft, den ein eigentlich unscheinbarer Raum voller Bücher auf sie ausübt, nicht mehr entziehen. Die Menschen und der eigenwillige Kater, die zur Buchhandlung gehören, tragen einen weiteren Teil dazu bei. Doch was will Charlotte mit einem Haus voller Bücher? Oder mit einem Kater? Und warum hat sie vorher nie was von ihrer Tante Sara gehört?


Das Cover. 

Das Cover ist schön gestaltet, die Buchhandlung und die Katze haben es mir sofort angetan. Es passt zum Inhalt, dennoch wird es nicht zu meinem Lieblingscover werden. Irgendwie ist kein Funke übergesprungen.

Der Stil. 

Frida Skybäck hat einen wundervoll leichten, schnell lesbaren Schreibstil, der es mir leicht gemacht hat in die Geschichte hineinzufinden. Trotz der ausschweifenden Passagen und der recht ausführlichen Beschreibungen war immer Leben zwischen den Seiten. Die Autorin hat in mir ein warmes Gefühl hervorgerufen und ich habe mich sofort zwischen den imaginären Bücherregalen zu Hause gefühlt.

Die Charaktere. 

Charlotte.
Die Protagonistin ist zurückhaltend und unsicher nach dem Tod ihres Mannes und führt ein „Einsiedlerleben“, obwohl dieses eigentlich nicht zu ihr passt. Sie ist eine hübsche, junge Frau, die mitten im Leben steht und eine eigene Kosmetikfirma führt. Charlotte ist eine gute, pragmatische Geschäftsfrau.

Martinique.
Eine der Mitarbeiterinnen in der Buchhandlung. Sie ist eine warme, liebevolle, mütterliche Person und war Saras beste Freundin, weshalb sie den Buchladen auch sehr liebt.

Sam.
Eine weitere Mitarbeiterin. Sie ist Ende zwanzig und lässt sich in ihrem Leben treiben. Sam weiß meistens nicht so recht, was sie will. Sie ist ruppig und temperamentvoll, liebt aber ihren Job. Mir war sie an manchen Stellen zu impulsiv und hat zu überstürzt reagiert, das konnte ich nicht ganz nachvollziehen.

Tennyson.
Der Buchhandlungskater und mein heimlicher Liebling.

Das Setting.

London. Eine Buchhandlung. Ehrlich, der Bücherwurm in mir wollte und konnte einfach nicht nein sagen. Das grenzt für mich an den perfekten Ort.

Die Geschichte.

„Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse“ ist ein wunderschöner, leichter Roman. Die Liebe zu Büchern ist auf jeder Seite spürbar, dezent, aber immer vorhanden.
Wirklich interessant war für mich, dass die Autorin auch die Probleme der Buchhandelslandschaft und besonders die der kleinen unabhängigen Läden anspricht und den täglichen „Kampf ums Überleben“ thematisiert. Die Geschichte gibt Einblicke in das Leben eines Buchhändlers, auch wenn es an vielen Stellen nur an der Oberfläche kratzt.

Trotz der Dicke des Buches ist es wirklich schnell lesbar und damit perfekt für die Herbstabende. Denn trotz mancher ernster Töne ist es einfach ein Wohlfühlbuch und man wünscht sich schnell, dass man auch einmal in dieser Buchhandlung aus und ein gehen könnte.

Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich dennoch, auch wenn es wahrscheinlich meckern auf hohem Niveau ist.

An manchen Stellen war es wirklich ein kleines bisschen zu ausufernd.
Der Leser ist an sich allwissend, was einerseits gut ist und auch zum Nachdenken anregt, andererseits wissen ja die Charaktere nicht alles. Das macht es an manchen Stellen wirklich etwas nervenaufreibend, denn einiges bleibt dadurch offen. Und obwohl es verschiedene Perspektiven gab, war es manchmal schwer, an die Persönlichkeiten heranzukommen. Was wiederum einige Charakterzüge diverser Figuren nicht gänzlich nachvollziehbar machte.
Der letzte Kritikpunkt ist der wohl größte für mich – trotz der Realitätsnähe, die Frida Skybäck an so vielen Stellen so gut macht, gibt es Stellen, die auf einmal so realitätsfern waren, dass es unangenehm hervorstach.

Das Setting hat dann aber recht viel wieder wett gemacht und mir wahnsinnig Freude bereitet.
Auch die zweite Ebene der Geschichte, die ein bisschen dem Familiengeheimnis auf die Spur geht und die Geschichte von Tante Sara und Charlottes Mutter beleuchtet.

Das Fazit.

Ein wundervoller, herzerwärmender Roman über Freundschaft, Liebe und den Mut, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Eine Geschichte, die die Leidenschaft für gute Bücher zwischen jeder Zeile birgt und eine Liebeserklärung an alle Buchhandlungen ist. Perfekt für jeden Bücherwurm und die kommenden Herbstabende.


(Werbung, unbezahlt)

Verlag: Insel Taschenbuch

Erscheinungsdatum: 29.09.2019

ISBN: 9783458364405

Preis:  10,95 €

Taschenbuch, 543 Seiten

Genre: Belletristik

Frida Skybäck hat mit „Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse“ ihren ersten ins Deutsche übersetzten Roman vorgelegt. Ihre Liebe zur Literatur und zum Liebesroman entdeckte die 1980 geborene schwedische Autorin nach ihrem Umzug nach London. Heute lebt sie mit ihrer Familie wieder in Schweden.

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