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Emily Thomsen – Medusas Fluch

„Früher hatte ich Farben geliebt, hatte mich nicht daran sattsehen können. Heute war ich genauso farblos wie Wasser, mein Element, das ich verloren hatte. Zittrig sog ich Luft ein, wendete mich vom Garten ab und betrachtete die Bilder auf den Staffeleien und an den Wänden. Sie spiegelten wider, wie ich mich fühlte, und ich konnte mir, bei aller Mühe, keine Farben darin vorstellen."

Medusa ist nicht so, wie sich die Menschen das vorstellen. Sie ist kein Monster, kein abscheuliches Wesen, welches alles, was sie anblickt zu Stein erstarren lässt. Schlangen auf dem Kopf hat sie im Übrigen auch nicht.

Doch jedes Gerücht trägt ein bisschen Wahrheit in sich – Medusa wurde von ihrer Mutter Gaia, der obersten Göttin, verflucht. Jeder Mann, den sie liebte, erstarrte zu Stein.

So musste Medusa mit ansehen, wie ihre große Liebe zu einer Statue wurde und zerbrach daran. Getrieben von Wut, Zorn und tiefem Hass flieht Medusa aus der Götterwelt und lebt ein Leben unerkannt und ihrer Kräfte beraubt unter den Menschen.

Seit inzwischen mehr als einem Jahrhundert ist Medusa tot. Sie nennt sich nun Marie und lebt als Mensch mit ihrer besten Freundin Tessa zusammen. Diese bemerkt, dass Marie immer mehr von Selbstzweifeln, ihrer tiefen Trauer und ihrem Hass zerfressen wird und möchte sie ablenken. Daher bucht sie eine Kreuzfahrt und Marie muss mit ihr auf diese Reise gehen. Eine Reise zu Orten, die sie eigentlich lieber meiden möchte. Eine Reise, die sie in die Arme eines Mannes treibt – Jendrik, der erste Mann seit sehr vielen Jahren, zu dem sie eine Verbindung spürt. Marie versucht alles, dem geheimnisvollen Mann aus dem Weg zu gehen. Doch Jendrik ist hartnäckig. Wird Medusas Fluch von Neuem erwachen oder kann sie wenigstens diesen Mann vor sich beschützen?


„Medusas Fluch“ stand schon seit einer Weile auf meiner Drachenmond-Wunschliste und ist dann mit einer Drachenpost bei mir eingezogen.

Aufmerksam geworden bin ich hier wie so oft durch Titel und Cover. Das Cover ist wieder einmal wunderschön und sehr gelungen. Was mich dagegen dieses Mal etwas gestört und  das Lesevergnügen ein kleines bisschen getrübt hat, ist die ausufernde Gestaltung der Seiten. Jede Seite im Inneren ist illustriert, mit Wasser und Wellen. An sich eine schöne Idee, leider wird dadurch der Platz auf der Seite eingeschränkt und dadurch befindet sich gefühlt weniger Text (es kann wirklich nur mein Gefühl sein). Bei einem sowieso schon relativ schmalen Buch war ich darüber nicht ganz so begeistert.

Die Geschichte um Medusa fand ich sehr interessant und Emily Thomsens Schreibstil machte es mir sehr einfach. Die Wörter flogen nur so an mir vorüber und durch die wunderbaren Beschreibungen lief mein Kopfkino auf Hochtouren.

Der Fokus liegt auf der Perspektive von Marie, die eine von negativen Gefühlen gesteuerte Frau ist. Ihre Erlebnisse als Medusa in der Götterwelt haben sie so enorm geprägt und verändert, dass von der Göttin nichts mehr übrig geblieben ist. Daher ist es gut zu erklären, dass die Rückblenden aus Medusas Sicht erzählt werden.

Tessa ist eine erfrischende Person, wird aber leider doch sehr als Beiwerk behandelt. Sie ist halt einfach da und nicht mehr. Wir erfahren nur wenig über sie und auch nur wenig über ihre Vergangenheit und wie sie mit Marie zusammen hängt.

Jendrik dagegen fand ich spannender. Bei ihm halte ich mich jetzt aber zurück, da ich sonst Gefahr laufe zu viel zu spoilern, den alles, was man über ihn erfährt, ist für den Verlauf der Geschichte wichtig.

Die Informationen, die über die Götter verarbeitet wurden und die Darstellung dieser, fand ich so weit wirklich gelungen. Leider ist mir da einiges zu kurz gekommen, ich hätte mir manchmal doch ein bisschen mehr Einblick gewünscht. Gerade die Verbindungen innerhalb der Gemeinschaft der Götter wurden nur angerissen und hinterließen ein paar Fragen – besonders da ja auch ein bisschen die Mythologie umgeschrieben wurde.

Dennoch sage ich, dass es eine wirklich gelungene Geschichte ist. Wer Action, sehr viel Spannung und Kitsch erwartet, ist hier definitiv falsch. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Medusas Gefühlsleben. Eine kurzweilige, tragische, hier und da ziemlich düstere Geschichte.

Es soll eine Fortsetzung geben. Ich hoffe, dass dort einige meiner Fragen beantwortet werden.



Romantasy-Liebhaber, die vor Tragik nicht zurück schrecken. Leser, die auch gern mal in die griechische Mythologie abtauchen und kein Problem damit haben, dass sie etwas umgeschrieben wurde.


Verlag: Drachenmond, 2017

ISBN: 978-3-95991-171-9

Preis: 12,00 €

Emily Thomsen lebt mit ihrer Familie und ihren Haustieren im Schwarzwald. Ihre Liebe zum Schreiben und zur Phantastik hat sie von ihrem Opa. Noch heute denkt sie an ihn, wenn sie ihre Geschichten zu Papier bringt.

 

(dieser Link führt zu YouTube)

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