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Gosho Aoyama – Detektiv Conan: Best in the West

Ich empfehle allen, die die Grundzüge der Geschichte um Detektiv Conan nicht kennen und sie noch selbst erfahren wollen, diese Rezension zu überspringen. Wir befinden uns in diesem Sammelband im fortgeschrittenem Stadium der Serie.


Der Oberschüler und talentierte Detektiv Shinichi Kudo wurde vor dem unglücklichen Ereignis, das ihn zu dem kleinen Grundschüler Conan Edogawa schrumpfte, als „Detektiv des Ostens“ bezeichnet – eine Anspielung auf seine Heimat Tokio. Im Laufe der Geschichte um Conan treffen wir auf Heiji Hattori. Als Sohn des Polizeipräsidenten von Osaka, hat der Oberschüler ebenfalls einen Drang zum Aufklären aller möglichen Kriminalfälle. Ebenso wie Shinichi ist er in seiner Gegend berühmt und wird daher als „Detektiv des Westens“ bezeichnet. In diesem Sammelband sind die beliebtesten Fälle mit den beiden zusammengetragen.

Der Meisterdetektiv des Westens

Der erste Fall führt uns zurück zur ersten wirklichen Begegnung von Conan und Heiji. Der Detektiv aus Osaka taucht in Tokio auf, weil er von dem geheimnisvollen Verschwinden Shinichis Wind bekommen hat. Er wollte Kudo immer schon mal kennen lernen um herauszufinden, ob er ihm das Wasser reichen kann. Nachdem es in den Medien keine Berichte mehr über den Schüler aus Tokio gab, beschloss Heiji der Sache auf den Grund zu gehen. Während seiner Suche kam er zu Ran und Kogoro Mori, Shinichis Schulfreundin und große Liebe und deren Vater, der eine Detektei betreibt. Conan hat sich unter einem Vorwand bei den beiden einquartiert, kann so weiter über sein Schrumpfproblem grübeln und gleichzeitig seiner Leidenschaft nachgehen und in Kogoros Namen Kriminalfälle lösen. Conan ist erschüttert, dass Heiji vor Ort ist und auch gleich anfängt Schlüsse über Shinichis Verbleib zu ziehen, die ihn in Teufels Küche bringen könnten. Zu allem Überfluss plagt Conan eine schwere Erkältung. Gut, dass in diesem Moment eine Klientin bei Kogoro auftaucht. Sie möchte, dass der inzwischen als Meisterdetektiv bekannte Ex-Polizist, ihre zukünftige Schwiegertochter unter die Lupe nimmt. Sie lädt ihn zu sich nach Hause ein, damit er die Lage vor Ort einschätzen kann. Heiji kann ebenso wie Conan keinem Fall widerstehen und die beiden heften sich an Kogoros Fersen. Als sie im Haus der Klientin auftauchen und sie die Detektive zu ihrem Mann, einem wohl situierten Diplomaten, führen möchte, geschieht ein Mord…wie gut, dass die beiden wohl besten Detektive Japans vor Ort sind. Sie nehmen sofort die Ermittlungen auf – Heiji in der Hoffnung, dass er mit einer brillanten Lösung Shinichi aus seiner Deckung locken kann und Conan in der Hoffnung, dass er ebendiese wieder zerstreut. Wenn da nur nicht diese dumme Grippe wäre und die Nebenwirkung von dem ekelhaften Zeug, dass Heiji ihm als Medizin ungefragt eingeflößt hat…

Achtung, ab hier eventuelle Spoiler für Leser, die noch nicht wissen, wie sich die Beziehung zwischen Conan und Heiji weiter entwickelt.

Die Versammlung in Mycroft

Conan, glühender Verehrer von Sherlock Holmes, hat sich unter Kogoros Namen zu einer Tour mit weiteren Fans der Figur aus Doyles Kriminalromanen angemeldet. Da er in seinem derzeitigen Zustand schlecht allein fahren kann, müssen Ran und Kogoro gezwungenermaßen mit – auch wenn sie dazu weder die Lust noch das geforderte Wissen über Holmes haben. Im Haus des Gastgebers angekommen, teilt dieser den wohl umfangreichsten Fragenkatalog rund um den Detektiv aus, den man je gesehen hat. Die Teilnehmer, eine bunt gemischte Truppe hinsichtlich Geschlecht, Alter und Beruf, haben bis zum nächsten Abend Zeit alle Fragen zu beantworten. Conan ist natürlich sofort Feuer und Flamme, besonders da es eine seltene Erstausgabe von der „Studie in Scharlachrot“ zu gewinnen gibt und möchte sofort los legen. Umso verwunderter ist er, als er bei der Tour auf Heiji trifft, der als einziger eingeladen wurde. Weniger verwundert sind die beiden als ein Mord geschieht und sie von der Außenwelt abgeschnitten werden. Nun gilt es auf der Hut zu sein, zusammen zu arbeiten und den Vorteil auszunutzen, dass Heiji inzwischen sehr wohl weiß, wer wirklich in dem kleinen Körper steckt und die beiden Detektive langsam zu besten Freunden werden.

Der blutige Verband

Der nächste Fall führt Conan mit Ran und Kogoro in die prächtige Villa eines reichen Industriellen. Kogoro Mori wurde als berühmter Meisterdetektiv, obwohl er diesen Ruf ja nur Conan zu verdanken hat, eingeladen, um die erste große Liebe des Hausherrn zu finden. Der Unternehmer ist inzwischen ans Bett gefesselt und auf seinen Butler sowie seine Sekretärin und zukünftige Schwiegertochter angewiesen, nachdem seine Frau das Zeitliche gesegnet hat. Mit im Haus leben noch seine zwei Töchter, eine davon scheinbar glücklich verheiratet mit dem eventuellen Nachfolger an der Firmenspitze, die andere unglücklich und neidisch, weil sie nur Pech in der Liebe hat; und sein Sohn, ein Schriftsteller, der sich im Haus versteckt, da er bei einem Brand vor vielen Jahren durch das Feuer entstellt wurde. Mit von der Partie ist diesmal auch Heiji, da sein Vater und diverse Polizisten angefordert wurden – im Haus wurden mehrfach seltsame Geräusche in der Nacht gehört und niemand konnte sich deren Ursprung erklären. Nach einem unschönen Familienstreit wird der Schwiegersohn des Hauses aufgespießt auf einem Zaunpfahl gefunden. Conan und Heiji machen sich mit ihrem gewohnten Charme an die Aufklärung des doch reichlich seltsamen Falls, denn der Mörder ist eigentlich bekannt – der entstellte Sohn wurde gesehen. Dumm nur, dass dieser tot im Brunnen auftaucht und dadurch die Vergangenheit der Familie aufgewühlt wird, was den ganzen Fall in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Die Stadt der Köstlichkeiten

Heiji hat die Moris und Conan nach Osaka eingeladen und zeigt ihnen die Stadt. Ganz uneigennützig war er dabei natürlich nicht, auch wenn er sich über den Besuch seines Freundes freut. In Osaka treibt ein Serienmörder sein Unwesen und Heiji möchte Conans Meinung zu dem Fall hören. Außer der gleichen Vorgehensweise – erstochen, mit einem Messer in der Brust, das gleichzeitig die Brieftasche des Opfers mit aufspießt, haben die Toten nichts gemeinsam. Raubmord ausgeschlossen, Nachahmungstäter auch, also wo ist die Verbindung? Eigentlich hatte Heiji nicht vor, seine Freunde komplett in den Fall zu verwickeln, aber als eine Leiche auf die Motorhaube des eigens bereit gestellten, nigelnagelneuen Polizeiwagen fällt, nimmt er die Sache schon irgendwie persönlich. Seine plötzlich aufgetauchte Schulfreundin Kazuha indes versucht herauszufinden, wer Kudo ist, von dem Heiji die ganze Zeit erzählt und verdächtigt daher Ran Heijis heimliche Liebe zu sein. Doch darum kann er sich nun wirklich nicht kümmern. Es gilt Kogoro, Ran und Kazuha abzuhängen, damit er mit Conan ermitteln kann. Sie nehmen die Hilfe eines Polizisten vom Revier seines Vaters an und versuchen den Zusammenhang zwischen den Opfern zu ermitteln. Sie kommen der Aufklärung zwar immer näher, können aber einen weiteren Mord nicht verhindern und geraten selbst in Gefahr, da der Täter ihnen näher ist als sie denken und jeden ihrer Schritte penibel verfolgt…

Tokio bei Sonnenschein

Die Zeit des Gegenbesuches ist gekommen – Kazuha und Heiji tauchen in Tokio auf und gehen auf Stadtrundgang mit den Moris und Conan. Sie sind zur Hochzeit des Sohnes einer Freundin von Heijis Mutter eingeladen, da diese sich durch die Arbeit im Haushalt den Zeh gebrochen hat und daher verhindert ist. Bei der Besichtigung eines Schreins begegnen sie der Braut, die ohne ihren Zukünftigen unterwegs ist und leicht aufgelöst wirkt. Ebenso wie Kazuha, die mit ihrer irrationalen Eifersucht auf Ran immer noch zu kämpfen hat. Der Butler, der die Braut bei ihrem Ausflug begleitet, entdeckt Heiji und seine Begleiter und lädt sie kurzerhand auf das Anwesen ein, da er sich sicher ist, dass die Familie sich eine Begegnung mit dem berühmten Kogoro nicht entgehen lassen möchte. Sie lernen den sympathischen Hausherren und die nette Tochter des Hauses kennen und wundern sich leicht über den enorm arroganten Bräutigam. Wie konnte er denn nur an so eine liebe Braut geraten? Während ihres Aufenthaltes macht auch die umtriebige Hauskatze von sich reden ebenso wie der arme Bedienstete, dessen gefühlt einzige Aufgabe es ist, den drolligen Vierbeiner einzufangen. Aber wie sollte es auch anders sein, können weder Kogoro noch Conan oder Heiji zusammen an einem Ort sein und einen schönen Abend miteinander verbringen. Inzwischen gehört ein Toter ja schon dazu und wenn dieser dazu noch ausnahmsweise der Butler ist und in einem geschlossenen Raum aufgefunden wird, verspricht der Fall spannend zu werden.

Mister Masterplan

Ran gewinnt mit Conans Hilfe bei einem Gewinnspielrätsel einer seltsamen Zeitungsannonce eine Kreuzfahrt. Zusammen mit Kogoro machen sie sich auf den Weg und sind erstaunt sich mit sehr wenigen Mitreisenden auf dem Schiff wieder zu finden. Noch erstaunter sind sie, dass sich Kogoros ehemaliger Vorgesetzter von der Polizei auf dem Schiff befindet, welcher sich inzwischen im Ruhestand befindet, sowie Heiji, der mal wieder als einziger eine mysteriöse Einladung erhalten hat. Bald finden sie heraus, dass die Schifffahrt irgendwie mit der berüchtigten Bande um den toten Räuber Kano zu tun haben muss. Dessen geglückter Überfall auf eine Bank ist inzwischen 20 Jahre her und verjährt genau an diesem Tag. Kano wurde nach dem Coup von seinen Komplizen getötet und ins Meer geworfen. Kogoros Vorgesetzter war der Meinung, dass er vielleicht doch noch die Chance hat, seinen damals ungelösten Fall hier auf dem Schiff zu Ende bringen zu können und hat daher an dem Gewinnspiel teilgenommen. Seiner Meinung nach müssen Kanos Komplizen mit verändertem Aussehen an Bord sein um zu feiern und die Beute untereinander aufzuteilen. Jeder Passagier scheint verdächtig zu sein, selbst die junge Frau an Bord. Heiji und Conan arbeiten auf Hochtouren nachdem ein Passagier nach dem anderem tot aufgefunden wird. Kano scheint auferstanden zu sein. Doch so einfach wird sich der Geist der Vergangenheit nicht fassen lassen. Conan gerät unter Zeitdruck, als auch noch sein Freund Heiji nicht mehr aufzufinden ist…


Kriminalromane mit einzigartigen Detektiven jeglichen Alters zählen zu meinen Lieblingen, soviel dürfte inzwischen über mich bekannt sein. Conan begleitet mich seit meiner Kindheit durch die Mangas und die Fernsehserie. Was habe ich es geliebt, aus der Schule nach Hause zu kommen und mein Mittagessen mit einer Folge Conan zu genießen. Die Sammelbände aus dem Hause Egmont haben es mir angetan, da sie sich immer einem Thema widmen – wie hier der Freundschaft zwischen Conan und Heiji. Die beiden sind ein tolles Team und es ist eine reine Freude sie bei der Aufklärung der Fälle zu begleiten. Jeder einzelne ist in der gewohnten Spannung geschrieben und bietet sich zum miträtseln an. Die Fälle sind in mehrere Kapitel unterteilt, man kann sie sich also auch gut einteilen – wenn man das denn überhaupt möchte. Der Zeichenstil ist und bleibt typisch für die Conan Geschichten und enttäuscht nicht.



Fans des Manga und der Serie. Einsteiger, die die Grundgeschichte kennen und mit Sammelbänden zu bestimmten Themen mehr anfangen können als damit, die ganze Reihe zu sammeln. Und Sammler, die gerne alles rund um den kleinen, niedlichen Detektiv im Regal stehen haben möchten.


Verlag: Egmont Manga, 2017

ISBN: 978-3-7704-9719-5

Preis: 6,00 €

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