Bewegtbild,  Serie

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle – exzentrisch, exzessiv und exklusiv.

Staffel 1

13 Folgen

auf Netflix verfügbar.


Phryne Fisher ist schön und das weiß sie auch. Sie spielt gern mit ihren weiblichen Reizen und ihrem ausgefallenen Stil, der für den Großteil der Bevölkerung im Australien der 1920er Jahre doch viel zu exzentrisch ist. Hinter vorgehaltener Hand tuscheln die meisten über die anziehende Frau, die dennoch mit ihren modernen Ansichten nicht hinter dem Berg hält. Sei es ihr mit allen möglichen Annehmlichkeiten der Zeit ausgestatteten Haus, ihre technisch auf dem neuesten Stand stehenden Autos oder ihre Einstellung zur Empfängnisverhütung und Sex außerhalb fester Beziehungen. Auch ihr liebstes Hobby fällt in einen Bereich, der sich für Damen der damaligen Zeit und dieser Gesellschaftsschicht so gar nicht ziemt – Miss Fisher ist leidenschaftliche Detektivin und schnüffelt im Leben anderer Leute herum. Andere Frauen geraten bei gesellschaftlichen Ereignissen ins Schwärmen, Phryne bevorzugt Mordfälle.

In der ersten Staffel kehrt Phryne nach einem längerem Auslandsaufenthalt zurück nach Australien. Sie braucht Abwechslung von der feinen englischen Gesellschaft, in der sie sich die letzten Jahre bewegt hatte, nachdem ihre Familie durch eine überraschende Erbschaft in eben jene aufgestiegen war. Verfolgt von ihrer Vergangenheit, den grausamen Schrecken des ersten Weltkriegs und ihren eigenen tragischen Schicksalsschlägen, hatte die junge Frau versucht den plagenden Geistern zu entkommen und sich in Großbritannien vergnügt. Doch jetzt war sie die einengenden Konventionen leid und will ihr Leben wieder so führen, wie es ihr gefällt – selbstbewusst und ebenso selbstbestimmt.

Ihre einflussreiche, leicht schrullige und zu Phrynes Leidwesen prüde Tante Prudence freut sich ihre Nichte wieder um sich zu haben, ebenso wie ihre Freundin und Ärztin, die burschikose Mac. Auch die Taxifahrer Bert und Cec, zwei ruppige Gesellen mit einem Herz aus Gold und manchmal recht zweifelhaften Methoden, kennen und mögen Miss Fisher. Sie versuchen den neu angekommenen Butler mit dem passenden Namen Mr. Tobias Butler, auf seine neue Hausherrin vorzubereiten.

Um sich wieder zurecht zu finden und auf dem neuesten Stand zu sein, besucht Miss Fisher ihre Freunde. Doch schon bei ihrem ersten Besuch wird sie mit einem Todesfall empfangen. Eine ihrer engen Bekannten verliert ihren Mann durch einen Giftanschlag. Phryne zögert nicht lange und steckt ihr gepudertes Näschen tief in die Ermittlungen – sehr zum Ärger von Detective Inspector Jack Robinson und seinem Assistenten Constable Hugh Collins. Während der Ermittlungen im Haus ihrer Freundin trifft Miss Fisher auf Dorothy Williams, genannt Dot, ein liebenswürdiges, junges Mauerblümchen, das als Zofe angestellt ist. Dot verliert durch haltlose Anschuldigungen ihren Job und wird sofort von Phryne als Gesellschafterin eingestellt. Dabei muss das Mädchen mit dem strengen katholischen Glauben über mehr als einen Schatten springen, denn ihre unkonventionelle Arbeitgeberin verlangt unter anderem, dass sie die von teuflischer Elektronik betriebene, klingelnde Höllenmaschine aka Telefon bedient – etwas, das ihr Pfarrer gar nicht gutheißen würde.

Durch die Ermittlungen in ihrem ersten Fall auf den Geschmack gekommen, beschließt Phryne ihre eigene Detektei zu eröffnen. Durch ihre Herzlichkeit und der unvoreingenommenen Behandlung von einfachen Leuten kommt Miss Fisher immer wieder an neue Fälle. Bert und Cec stehen ihr dabei oft tatkräftig zur Seite und auch Mr. Butler freundet sich immer mehr mit den Vorlieben seiner Chefin an. Dot wird für Phryne bald mehr als nur eine Hauswirtschafterin, sie freundet sich mit dem schüchternen Mädchen an und nimmt sie unter ihre Fittiche. Während der Ermittlungen zu ihren Fällen kommt sie wohl oder übel immer wieder in Kontakt mit der örtlichen Polizei und assistiert Jack und Hugh ungefragt. Jack ist meist gar nicht davon begeistert und muss sich wirklich daran gewöhnen, dass eine Dame der feinen Gesellschaft sich so in seinen Berufszweig einmischt. Das geziemt sich ja nun wirklich nicht. Doch Phryne steckt eben voller Überraschungen. So kann sie nicht nur mit kampfsportlichen Künsten aufwarten, ihr Wissen über Tod und verschiedene Kulturen kann sich durchaus sehen lassen, genauso wie ihre Fertigkeiten mit Schusswaffen umzugehen. Von dem überaus praktischen Umstand, dass sie nicht nur den Führer- sondern auch einen Flugschein besitzt, ganz zu schweigen.

So kommt es, dass Phryne in der ersten Staffel nicht nur durch ihre mondäne Ausstrahlung auffällt, sondern auch durch ihre detektivischen Fähigkeiten. Sie klärt unter anderem einen Abtreibungsskandal auf, sucht vermisste Personen, wird in einen Mord in einem Jazzlokal verwickelt und steht einer verdächtigen Buchhändlerin zur Seite. Phryne ist sich auch nicht zu fein für Undercover-Ermittlungen. So wirft sie sich in ihre schillerndsten Gewänder um Ungereimtheiten in einem Zirkus aufzudecken. Die feine Gesellschaft hat aber nicht nur ihren Spaß an Miss Fishers Eskapaden, sie kann auch ziemlich penetrant sein, wie ein Fabrikbesitzer erfahren muss, der seinen Arbeiterinnen übel mitspielt. Als roter Faden begleitet uns durch die gesamte erste Staffel aber ein anderer Fall – ein Geist aus Phrynes Vergangenheit, dem sie sich dringend stellen muss, da sie sonst wohlmöglich irgendwann daran zu Grunde geht.


Meiner Vorliebe entsprechend habe ich mich ziemlich schnell in Miss Fisher und ihre mysteriösen Mordfälle verguckt. Ja, gut, manchmal sind die Fälle nicht das Wahre und für den geneigten Krimifan vielleicht zu holprig konstruiert, aber das wird eindeutig durch den grandiosen Cast und die wunderbare Requisite wett gemacht. Die Figuren sind von den Hauptdarstellern bis zu den Nebenfiguren nicht nur schön anzusehen, sondern ebenso gut ausgearbeitet.

Am Anfang hatte ich durch die enorme Ausstrahlung von Phrynes Darstellerin Essie Davis in dieser Rolle wirklich etwas Angst, dass sie die restlichen Schauspieler im wahrsten Sinne des Wortes untergehen lässt. Dies ist aber zum Glück nicht der Fall und so verliert sich der Zuschauer immer weiter in der mondänen, glitzernden Welt der Melbourner High-Society und ist betroffen von den Zuständen bei den unteren Schichten der Gesellschaft.

Es macht Spaß, der Dynamik zwischen Jack und Phryne beizuwohnen oder Dots Entwicklung zu beobachten. Eine meiner unangefochtenen Lieblingsfiguren ist aber dennoch eine andere. Mr. Butler als Butler. Nicht nur der Name hat es mir angetan. Auf den ersten Blick erscheint er wie ein typischer Butler der feinen Gesellschaft, auf den zweiten Blick entpuppt er sich als vielschichtige Persönlichkeit, die mehr mit Phryne gemeinsam hat als man denken möchte.

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle ist für mich eine rundum gelungene Kriminalserie, die mir bedeutend mehr Spaß macht als die meisten amerikanischen Serien derselben Gattung, die momentan überall laufen. Sie ist mit überzeugenden Figuren gespickt, wunderschön anzusehen und bringt neben den Fällen in schönster Miss Marple Tradition auch durchaus gesellschaftskritische Töne mit sich. Phryne ist eine selbstbewusste Frau, die durch ihren Drang nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung oft auf Unverständnis stößt. Obwohl die Geschichten in den 20er Jahren spielen, sind die kritischen Punkte leicht auf die heutige Zeit übertragbar und regen durchaus zum Nachdenken an.



Fans von Serien wie Inspector Barnaby, Inspector Lynley, Miss Marple und Hercule Poirot. Serienjunkies, die mal Abwechslung vom CSI-Einheitsbrei brauchen. Krimiliebende Bingewatcher, die etwas für ein regnerisches Wochenende auf der Couch suchen.

 

zum Trailer (dieser Link führt zu YouTube)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.