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[Kurzrezension] Liane Moriarty – Neun Fremde

Ich also zur Rezeption, um nach einem tiefhängenden, angenehmeren Himmel MIT Wolken zu fragen. Eine Frau mit starkem ausländischen Akzent sagte mir, es seien gerade keine anderen Himmel vorrätig!


Neun Fremde und zehn Tage, die alles verändern: In einem abgelegenen Wellness-Resort treffen fünf Frauen und vier Männer aufeinander, die sich noch nie zuvor begegnet sind. Sie alle sind in einer Krise und wollen ihr altes Leben hinter sich lassen. Bald schon brechen alte Wunden auf und lang gehütete Geheimnisse kommen ans Licht. Denn nichts ist so, wie es scheint in Tranquillum House…


Zugegeben – „Big Little Lies“ ist aus irgendeinem Grund an mir vorbei gegangen. Dennoch hat mich „Neun Fremde“ sofort angesprochen, auch wenn ich nicht mehr als einen guten Unterhaltungsroman erwartet habe. Eine Erwartungshaltung, die ich nach ein paar Seiten recht schnell revidiert habe.

Die Geschichte, die hinter „Neun Fremde“ steht, hat mich aber nicht dazu bewegt. Es waren die Figuren und deren ausgeprägte Persönlichkeiten, die mich zum Umdenken gebracht haben. Die Geschichte lebt von diesen Charakteren und glücklicherweise rückt Liane Moriarty sie auch in den Mittelpunkt. Durch die immer wieder wechselnde Erzählperspektive kommt der Leser in den Genuss von über 10 Blickwinkel, aus denen er das Geschehen betrachten kann. In manche Köpfe darf man öfter hineinschauen, in andere bekommt man nur einen ganz kurzen Einblick. Dadurch gibt es durchaus etwas ähnliches wie Hauptfiguren, was ich sehr erfrischend fand. Außerdem versteht Liane Moriarty es den einzelnen Figuren eine eigene Stimme zu verleihen. Als Leser ist es durchaus möglich, die jeweiligen Charaktere herauszulesen.

Dennoch hat die Geschichte einige Schwachstellen, die mir aber das Lesevergnügen nicht vermiest haben. „Neun Fremde“ hat diverse Thriller-Elemente, die einerseits gut rüberkommen, andererseits vollkommen hinter den Figuren und ihren Charakterzügen verschwinden. Außerdem hat der rote Faden manchmal ein paar aufgeraute Stellen, die den Leser kurz ein bisschen verwirrt zurück lassen. Die Geschichte war dadurch teilweise etwas abwegig und weist einige Logikfehler auf. Leider zählt auch das Ende zu den Schwachstellen für mich. Es ist zwar logisch, aber dennoch für mich nicht sehr befriedigend. Mir fehlte ein bisschen was, das kann aber auch nur daran liegen, dass auf einmal alles Knall auf Fall kam.

Es werden sehr viele ernstere Themen angesprochen, etwas, das ich vorher nicht erwartet habe. Weder der Klappentext noch das Äußere lassen darauf schließen. Ich könnte mir vorstellen, dass manche Menschen eine Triggerwarnung angebracht finden würden. Die Themen können sehr berühren und durch die verschiedenen Perspektiven kommt man sehr nah an das Geschehen ran. Außerdem sind die Ansichten der Charaktere an manchen Stellen moralisch etwas fragwürdig, was einen leichten schalen Nachgeschmack hinterlässt. Andererseits macht es die Geschichte wiederum interessanter, da man selbst anfängt, seine eigenen Grundsätze zu hinterfragen und solche Ansätze finde ich immer spannend.

Liane Moriarty hat mit „Neun Fremde“ einen anspruchsvollen, psychologisch tiefen Roman geschaffen, der sich perfekt in der Urlaubszeit liest und einen an dem eigenen nach Wunsch nach Wellness ein bisschen zweifeln lässt.


(Werbung, unbezahlt)

Originaltitel: Nine Perfect Strangers

Genre: Unterhaltungsroman, Spannung

Verlag: Diana

Erscheinungsdatum: 26.08.2019

ISBN: 978-3-453-29234-5

Preis: 20,00 €

Hardcover mit Schutzumschlag, 528 Seiten

weitere Formate: eBook (15,99 €) und Hörbuch

Liane Moriarty lebt mit ihrer Familie in Sydney und ist eine international erfolgreiche Schriftstellerin. Ihre Romane werden bisher in über 40 Sprachen übersetzt. Einem größeren Publikum ist sie durch den Roman „Tausend kleine Lügen“ bekannt. Dieser wurde als Serie „Big Little Lies“ mit Reese Witherspoon und Nicole Kidman verfilmt. Die beiden Schauspielerinnen fungieren auch als Produzentinnen und sicherten sich auch die Filmrechte an „Neun Fremde“.

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