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Gabe Hudson – Gork, der Schreckliche.

Achtung: „Gork, der Schreckliche“ erscheint am 30.08.2018.


Mein Vorname ist Gork. 
Mein Mittelname ist der.
Und mein Nachname ist Schreckliche. 
Und ich bin, wie schon gesagt, ein Drache.

Gork ist ein Drache. Groß, schuppig und grün. Dennoch ist er nicht wie alle anderen. Das liegt nicht nur daran, dass er aus dem Geschlecht der Schrecklichs stammt, denn das sollte eigentlich etwas Gutes sein.

Aber in der Rangordnung ist er ziemlich weit unten, sein Wille zur Macht ist so niedrig wie bei keinem anderen. Das liegt vor allem daran, dass alle anderen jungen Drachen an der WarWings-Akademie irgendwie cooler sind als er. Die Kadetten der renommierten Ausbildungsanstalt für die zukünftigen Eroberer anderer Welten sind alle besser als er – größer, stärker, härter im Nehmen, und vor allem haben sie längere Hörner. Denn Gorks sind klein, regelrecht winzig im Vergleich. Und Hörner machen einen Drachen.

Doch all das soll ihn nicht bremsen. Schließlich muss er sich auf seine Abschlussfeier vorbereiten. Der wichtigste Tag im Leben eines jeden männlichen Drachen. An diesem Tag werden sie, bevor sie zu ihrer neuen Heimat aufbrechen, ihre Königin auswählen. Die eine, mit der sie ihr ganzes Leben verbringen werden. Die eine, die ihre Babys großziehen wird.

Gork hat da schon jemanden im Auge. Doch um sie zu erobern, muss er sich Mühe geben. Denn sie ist keine geringere als die Tochter des Schulleiters. Eigentlich sollte es ausreichen, dass er ein Nachkomme des legendären Doktor Schrecklich ist. Wenn da nur nicht die kleinen Hörner wären…denn seine Auserwählte muss unbedingt den Antrag annehmen. Tut sie es nicht, war es das für Gork. Denn dann wird er keine Welt erobern. Er wird ein elendiges Dasein als Sklave eines anderen Drachen fristen…


„Gork, der Schreckliche“ hatte mich schon mit dem Cover. Als ich dieses in der Verlagsvorschau sah, wusste ich, dass ich es unbedingt lesen musste. Auch die Zusammenfassung klang wahnsinnig vielversprechend.

Das Cover des Buches sticht sofort in Auge. Die Farbgebung ist für einen High-Fantasy Roman eventuell etwas ungewöhnlich, gerade der gelbe Hintergrund wirkt im ersten Moment etwas fehl am Platz. Im Nachhinein finde ich, dass es aber ganz gut zum Inhalt passt, besonders zur Persönlichkeit der Hauptfigur. Besonders da das Genre irgendwie auch Ansichtssache ist.

Der Schreibstil von Gabe Hudson ist, gelinde gesagt, gewöhnungsbedürftig. Und sein Humor noch mehr. Ungefähr die ersten 50 Seiten haben mir wahnsinnig gut gefallen, auf denen erzählt Gork von seiner Vergangenheit. Danach springt die Geschichte in die Gegenwart. Ab diesem Zeitpunkt war irgendwie mein Lesefluss gestört und ich habe eine Weile gebraucht, um wieder reinzukommen. Dann lief es aber wie am Schnürchen und ich kam schnell voran.

Gork ist ein sympathischer Protagonist. Gut, er ist ein Drache, aber das ist ja in diesem Moment kein Thema. Er ist großherzig, bizarr und wahnsinnig menschlich. Manchmal könnte man vergessen, dass er eben kein Mensch ist. Wenn da nicht seine Wortwahl wäre. Die ist teilweise gewöhnungsbedürftig und an einzelnen Stellen nahezu ordinär und pubertär. Ich könnte mir vorstellen, dass genau hier ein Problem für viele Leser liegen wird. Besonders, wenn man aufgrund der ersten Seiten, das Buch lesen will und den Schreibstil für gut befunden hat. Die Leser erleben die gesamte Geschichte aus Gorks Perspektive. Wir nehmen sehr viel von seinen Gedanken und seiner Persönlichkeit wahr. Dadurch wirkt alles etwas in die Länge gezogen, da Gorks Gedankenwelt von Wiederholungen, Sprüngen und einigen Wirrungen geprägt ist. Man muss sich darauf einlassen und auf eine Reise in das Innenleben eines Drachen. Allein das ist ja eigentlich schon Grund genug, dass das alles etwas verwirrend ist.

Die anderen Figuren spielen zwar eine Rolle, aber ich habe irgendwie immer das Gefühl, dass sie hinter Gork verschwinden. Wahrscheinlich weil der Drache die ganze Zeit so präsent ist.
Der Leser lernt über das Buch hinweg viele Charaktere kennen – von anderen Kadetten, Gorks bester Freundin (die im Übrigen wirklich großartig ist), seinem Opa, diversen Professoren an der Akademie und, um meine liebste Figur nicht zu vergessen, die künstliche Intelligenz von Gorks Raumschiff. Die Nebenfiguren machen den Roman erst richtig lesenswert. In die Persönlichkeit dieser wurde viel Arbeit gesteckt, auch wenn man viel zwischen den Zeilen lesen muss.

Am Anfang habe ich ja schon das Genre angesprochen. High Fantasy ist hier wirklich weit gefasst, denn die Science Fiction Elemente stehen schon ziemlich im Vordergrund. Und den humoristischen Anteil darf ich hier auch nicht unter den Tisch fallen lassen. Auch andere Elemente finden sich hier wieder: von der klassischen Heldenreise über Coming-of-Age bis hin zur typischen Liebesgeschichte ist alles vertreten. Ob man dies überladen findet, ist im Endeffekt einfach nur Geschmacksache.

Jeder, der sich gern auf Experimente einlässt, besonders hinsichtlich Genre und Sprache, ist mit diesem Buch wirklich gut bedient. Besonders Hudsons Wortwahl kann, nach einiger Eingewöhnungsphase, wirklich Spaß machen.


Verlag: Hobbit-Presse/Klett-Cotta

Erscheinungsdatum: 30.08.2018

ISBN: 978-3-608-96268-0

Preis: 20,00 €

Hardcover mit Schutzumschlag, 432 Seiten

zur Leseprobe

Gabe Hudson wurde 1971 geboren und lebt derzeit in Brooklyn. Hudson veröffentlicht nicht nur Romane, seine Werke werden auch oft in Zeitschriften abgedruckt. 2007 wurde er unter die 20 beste amerikanischen Jungschriftsteller gewählt. Außerdem ist er einer der Schreiber für die HBO Serie „Six Feet Under“.


Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar von vorablesen.de und dem Klett-Cotta Verlag/Hobbit-Presse zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle. Meine Meinung wird hiervon nicht beeinflusst.

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