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[Kurzrezension] Bridget Collins – Die verborgenen Stimmen der Bücher

„Wir nehmen Erinnerungen und binden sie. Was die Leute an Erinnerungen nicht ertragen können. Womit sie nicht leben können. Wir nehmen diese Erinnerungen und verwahren sie an einem Ort, wo sie keinen Schaden mehr anrichten können. Das ist alles, mehr sind Bücher nicht.“


Emmett Farmer lebt und arbeitet auf dem Hof seiner Eltern. Er weiß, was sein Leben für ihn bereit hält und ist zufrieden damit. Bis eine mysteriöse Krankheit ihn wochenlang mehr in wirren Fieberträumen als in der Realität leben lässt. Danach ist nichts mehr so, wie es einmal war. Denn er ist zu schwach, um auf dem Hof seine Arbeit zu verrichten und seine Eltern sehen sich gezwungen, ihn wegzuschicken. Weg, ins Moor. Weg, zu einer Frau, die von allen gefürchtet wird und um die sich haarsträubende Geschichten ranken. Weg, um einen Beruf zu erlernen, dessen Name die Menschen nicht aussprechen wollen. Emmett soll bei der alten Seredith die Buchbinderei erlernen. Und das in einer Welt, in der die Menschen die Bücher aus ihrem Leben fast gänzlich verbannt haben…


„Die verborgenen Stimmen der Bücher“ lockt mit einem wundervollen Titel und einem recht ansprechenden Äußerem. Aufgrund des Klappentextes hatte ich mit einem Buch gerechnet, das eine interessante Blickweise auf den Beruf des Buchbinders und den Aberglauben der Menschen wirft. Dass die Entwicklung und die Stellung des geschriebenen Wortes innerhalb der Gesellschaft betrachtet und in Unterhaltungsliteratur verpackt. Bekommen habe ich eine Mischung aus einem viktorianisch angehauchten Gesellschaftsdrama, einem Hauch Phantastik in einer scheinbar komplett realistischen Welt und einer ordentlichen Prise unerwarteter Liebesgeschichte.

Die Geschichte, die Bridget Collins geschaffen hat, hat mir im Großen und Ganzen wirklich gut gefallen, auch wenn ich mir einen genaueren Blick auf die Hintergründe der von ihr beschriebenen und doch recht speziellen Art der Buchbinderei gewünscht hätte. Mir blieben am Ende einfach zu viele Fragen offen.

Die Liebesgeschichte hat von tragisch bis hin zu Herzchen in den Augen alles durchlaufen und hat mich emotional zwar berührt, aber nicht ganz abgeholt. Was vorrangig daran lag, dass ich leider keinen richtigen Zugang zu den Charakteren bekommen habe. Ich weiß selbst nicht warum, aber selbst bei Emmett hatte ich das Gefühl, dass ich nicht mit ihm warm werde – was eher an seiner Persönlichkeit als an seiner Beschreibung lag. Außerdem nahm mir die Romanze dann doch zu viel Raum ein, den ich mir für andere Themen gewünscht hätte.

Dennoch hat mich „Die verborgenen Stimmen der Bücher“ gut unterhalten und Bridget Collins konnte mich mit ihrem sanften, leichten und ruhigen Schreibstil überzeugen. Für Leser, die eine nicht ganz alltägliche Liebesgeschichte mit ganz leisen und zurückhaltenden phantastischen Elementen suchen, bekommt es von mir eine Leseempfehlung.


(Werbung, unbezahlt)

Originaltitel: The Binding

Genre: Belletristik, Liebesroman, Phantastik

Verlag: Rütten & Loening (Aufbau Verlag)

Erscheinungsdatum: 15.02.2019

ISBN: 978-3-352-00921-1

Preis: 22, 00 €

Hardcover, 467 Seiten

weitere Formate: eBook (14,99 €) und Hörbuch (Audio-CD und Download)

Bridget Collins schreibt eigentlich Bücher für junge Erwachsene und Theaterstücke. „Die verborgenen Stimmen der Bücher“ ist ihr erster Roman für eine erwachsene Zielgruppe und wurde in mehrere Länder verkauft. Sie hat in London an der Academy of Music and Dramatic Art studiert.

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