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Anna Katmore – Jacks Happy End

Band 2 von „Grimm war ein Bastard“

ACHTUNG!  Diese Rezension enthält Spoiler.
Viele davon. Ignoriert also die folgenden Zeilen, wenn ihr den ersten Band noch nicht gelesen habt.


„Aber für das sture Rotkäppchen braucht es schon einen Prinzen, um sich zu verlieben - das sagt sie mir immer und immer wieder.  Liebe passiert nur, wenn ein Royal im Spiel ist. Ihre Analyse der Geschichten hier in Märchenland lässt keinen anderen Schluss zu. Jede Romanze hat entweder einen Prinzen oder eine Prinzessin darin. Da weder Riley noch ich zum Adelsstand gehören, können wir beide auch kein romantisches Happy End zusammen haben.  Für sie bin ich nur der Typ, der jeden Tag ihre Oma frisst."

Jack hat keine Wahl. Er muss irgendwie verhindern, dass Riley auf dem Ball von Prinz Phillip und seiner Frau Dornröschen ihren eigenen Prinzen findet und sich ein Happy End sucht. Der Wolf will nicht ersetzt werden, schließlich gehört er doch an die Seite seines Rotkäppchens!

Jack kommt eine Idee…was wäre denn, wenn er sich als Prinz ausgibt und Riley zeigt, dass sie bei ihm auch genau das bekommen könnte, was sie sucht? Irgendwie muss das doch möglich sein. Also verschwindet Jack währenddessen sein Rotkäppchen schläft und meldet sich per Brief bei ihr ab. Sie soll schließlich denken, dass er nicht auf dem Ball sein wird. Dass Riley ihn jetzt wahrscheinlich für einen Feigling hält, da er sie nicht bei der Suche nach ihrem Happy End begleiten will, muss er wohl oder übel in Kauf nehmen. Er macht sich auf den Weg zum Schloss seines besten Freundes. Die Prinzen Phillip und Sebastian werden es bestimmt schaffen aus dem großen, bösen Wolf, der fast immer einmal täglich die Großmutter frisst, einen schönen, liebenswerten Prinzen zu machen. Doch was passiert eigentlich, wenn sie erfolgreich sind?

Riley schwebt auf Wolke 7. Auf dem Ball hat sie endlich ihren Traumprinzen kennengelernt und der ist ja mal gar kein Vergleich zu Jack Wolf. Prinz Jacob von den Schneeebenen, Phillips Cousin, hat dem Rotkäppchen gehörig den Kopf verdreht und ihre Welt mit nur einem Kuss zum Erschüttern gebracht. Sollte er wirklich ihre wahre Liebe sein? Dumm nur, dass sie die magischen Nebenwirkungen ihres geborgten Kleides im denkbar ungünstigsten Moment dazu zwangen, den Schauplatz zu verlassen und sich quasi in Luft aufzulösen. Nach mehreren Tagen der Abwesenheit ist sie zurück auf dem Weg in den Märchenwald. Sie muss unbedingt Prinz Jacob finden und mit ihm reden. Er wird sie doch bestimmt fragen, ob sie ihn heiraten will. So läuft das doch immer im Märchen, nicht wahr? Doch warum freuen sich eigentlich alle, dass sie wieder auftaucht? Und warum ist Jack so verdammt seltsam und erdrückt sie fast als er sie erblickt? Riley ist hoffnungslos überfordert, versteht die Welt nicht mehr und will doch nur verzweifelt ein Happy End, wie es ihre Freundinnen haben.


Ich dachte ja nicht wirklich, dass mich der zweite Band überraschen könnte und stellte mich auf eine gemütliche Fortsetzung des ersten Teils ein. Inklusive des permanent andauernden Gefühls Riley schütteln zu wollen, bis sie mal Vernunft annimmt. Irgendwie freue ich mich, dass ich mich geirrt habe. Wirklich.

Anna Katmore hat es geschafft, mich ein bisschen aufs Glatteis zu führen. Nie hätte ich gedacht, dass meine vage Vermutung stimmen könnte. Es ist halt nicht alles, wie es scheint und auch in Büchern kann man gern mal auf die Stimme des Herzens hören. Jedenfalls war ich so gebannt von den Ereignissen auf den ersten paar Seiten und Jaks Gefühlsleben, dass ich „Jacks Happy End“ allen Ernstes innerhalb von ein paar wenigen Stunden in einem Rutsch inhaliert hatte. Jetzt, wieder ein paar Stunden danach, befinde ich mich immer noch in meinem Gefühlscocktail. Ging schnell und war intensiv.

Diesem zweiten Band hat es wahnsinnig gut getan, dass man als Leser bei so vielen Szenen die Geschichte durchs Jacks Augen erleben konnte. Rileys Perspektive allein hätte mir bei Weitem nicht ausgereicht und mir wahrscheinlich auch irgendwann den allerletzten Nerv geraubt. Ehrlich gesagt, hätte ich das Buch dann wohl auch komplett zur Seite gelegt.

Jack Wolf ist einfach großartig. Der große, böse Wolf, der Rotkäppchen zum Fressen gern hat. In so vieler Hinsicht. Er ist vielschichtig und seine Persönlichkeit einnehmend, auch wenn er das gerne hinter einer Fassade versteckt.
Prinz Phillip, der irgendwie zum tollsten Book Best Friend aufgestiegen ist. Ich hab keine Ahnung, wie das bitte passieren konnte. Blonde, blauäugige Prinzen sind eigentlich gar nicht mein Fall.
Prinz Sebastian dagegen ist zum Schießen. Der Freund, der immer für einen Lacher gut ist.
Rotkäppchen ist die meiste Zeit wie im ersten Band – unglaublich naiv und dadurch auch manchmal so schwer von Begriff, dass meine Geduld auf eine Probe gestellt wurde.
Die Nebenfiguren sind liebevoll ausgearbeitet und machen bei ihren Auftritten sehr viel Spaß. Trotz der teilweise kurzen Auftritte und der dadurch ebenso kurz gehaltenen Beschreibungen, hatte ich zu Jedem sofort ein Bild im Kopf. Ganz besonders angetan hat es mir übrigens ein Pferd – sobald ihr den Namen lest, wisst ihr, warum.

Oft sagt man, dass die Fortsetzungen schlechter sind als der Auftakt einer Reihe. Anna Katmore ist die Ausnahme der so verbreiteten Annahme. „Jacks Happy End“ ist zum Schmunzeln, liebevoll und berührend – und der Einblick in das Gefühlsleben des bösen Wolfs.



Fans von Märchenadaptionen. Liebhaber von leichter Romantasy, die einen auch zum Lachen bringt.


Erscheinungsjahr: 2018

eBook, gelesen auf kindle paperwhite

Preis: 3,99 €

auch als Taschenbuch verfügbar oder als Sonderausgabe direkt bei der Autorin zu bestellen

Anna Katmore ist Österreicherin und liebt es mit ihrem Mann und Sohn zu reisen. Teamwechsel war ihr erster Roman. Anna Katmore schreibt ihre Geschichten in deutscher und englischer Sprache.

 

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