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Oscar de Muriel – Die Schatten von Edinburgh

Ein Fall für Frey & McGray, Band 1.


"Der vielleicht beste Moment, meine Erzählung zu beginnen, ist der Abend des 9. November 1888. 
Der Tag, an dem meine Welt Stück für Stück einstürzte."

Ian Frey ist ein gut situierter Londoner Gentleman und Sohn eines der erfolgreichsten Anwälte Londons. Nach zwei erfolglosen Versuchen an der Universität – sowohl Jura als auch Medizin lagen ihm einfach nicht – entschloß sich Frey sein Glück bei Scotland Yard zu versuchen. Für seine Familie komplett unverständlich, scheint Ian dort seine Bestimmung gefunden zu haben. Er ist ein angesehener Inspector und genießt durch die Aufklärung eines Serienmordes ein gewisses Maß an Ruhm.
Zumindest dachte er das. Als sein Vorgesetzter und Gönner in den Zwangsruhestand versetzt wird, droht ihm der Verlust seiner Anstellung. Doch er hat noch eine Möglichkeit – dazu müsste er aber London den Rücken kehren und sich in seine persönliche Hölle aufmachen.

Diese liegt in Schottland. Denn die Schotten sind, wie allgemein bekannt, das komplette Gegenteil von dem, was Ian Frey schätzt – ungehobelt, unkultiviert und unfähig, vernünftiges Englisch zu sprechen.
Doch nachdem auch sein Privatleben in London unter keinem guten Stern steht, nimmt er zähneknirschend die Reise auf sich.

In Edinburgh angekommen, wird er mit seinem neuen Vorgesetzten und Mitbewohner vertraut gemacht. Der Schotte McGray bestätigt alle seine Vorurteile, ist dazu noch furchtbar grimmig und zu allem Überfluss komplett abergläubisch. Was auch seine Abteilung ausmacht, denn diese beschäftigt sich mit Mordfällen, die unter seltsamen Umständen passierten.

Kaum angekommen, müssen sie sich mit einem solchen Todesfall herumschlagen. Ein berühmter Violinist wird in seinem Haus tot aufgefunden. Dem Zustand der Leiche nach zu urteilen, kommt nur ein Tötungsdelikt in Frage. Dafür spricht auch die Aussage des Dienstmädchens, welches im Musikzimmer mehr als eine Geige spielen hörte, bevor der Mord geschah. Doch leider gibt es dabei ein paar Probleme – der Hausherr war nachweislich allein, das Zimmer hat keine Fenster und die Tür wurde von innen verriegelt…


Englische Krimis vor 1900. Wer mich kennt, weiß, dass ich hier nur schwer widerstehen kann. Als ich dann auch noch von einem bärbeißigen Schotten las, der auch noch an Magie, Geister und ähnliche Vorkommnisse glaubt, konnte ich an „Die Schatten von Edinburgh“ nicht vorbei gehen.
Oscar de Muriels Auftaktband zur Reihe rund um die Inspectors Frey und McGray kommt mit einem wunderbar minimalistischen und dennoch angenehm düsteren Cover daher, welches wirklich gut zur Geschichte passt.

Schon der Prolog zog mich in die Geschichte um die beiden Inspectors hinein. Schnell wurde mir klar, dass ich es hier nicht nur mit einem einfach Kriminalroman zu tun habe, sondern mich auch noch auf eine gute Portion Mystery einstellen kann.
Unsere Reise führt uns ins London zur Zeit von Jack the Ripper. Die Menschen sind voller Angst vor dem Unbekannten und selbst die oberen Schichten haben mit der Situation zu kämpfen. Die Amtseinführung eines neuen Bürgermeisters bringt viele Umbrüche mit sich, so auch die Umstrukturierung der oberen Reihen von Scotland Yard. Oscar de Muriel versteht sich darauf, die politische Situation in den Hintergrund seines Kriminalromans einzuweben. Der Leser bekommt viele Informationen mit, ohne dass er davon erschlagen wird. Eine sehr angenehme Art, die mir gefallen hat.

Der Fall, mit dem sich die beiden Polizisten herumschlagen müssen, ist gut konstruiert und hat mir beim Lesen wirklich Spaß bereitet. Ich habe mitgeraten, mitgefiebert und war wirklich begeistert, dass ich so lange im Dunkeln getappt bin – etwas, das für mich einen guten Krimi ausmacht. Neben den guten Figuren, natürlich. Damit kann „Die Schatten von Edinburgh“ nämlich auch noch punkten.
Ian Frey ist zwar ein englischer Gentleman, aber durch seine Erziehung von vielen Vorurteilen geprägt, die auch noch mit einer gehörigen Portion Arroganz vermischt werden.
McGray ist fast das komplette Gegenteil, obwohl er ebenfalls aus einem finanziell gut gesichertem Hause kommt. Doch sein schottisches Blut und seine Vergangenheit haben aus ihm einem granteligen Einzelgänger gemacht, der für mich das Highlight des Buches ist.
Auch die Nebenfiguren sind in gleichem Maße skurril wie interessant. Besonders die beiden Hausangestellten haben es mir angetan.

Alles in allem ist „Die Schatten von Edinburgh“ ein solider, gut geschriebener Kriminalroman, der den Auftakt zu einer vielversprechenden Reihe macht. Ich freue mich schon darauf, mich mit den beiden Inspectors in den nächsten Fall zu stürzen.


Liebhaber von englischen Kriminalromanen mit Gruselfaktor, die weit weg von CSI und Co. sind.


Verlag: Goldmann

Erscheinungsdatum: 20.02.2017

ISBN: 978-3-4424-8505-5

Preis: 9,99 €

Taschenbuch

Oscar de Muriel, gebürtiger Mexikaner, lebt in England und geht dort seiner Berufung als Chemiker, Übersetzer und Violinist nach. Mit der Romanreihe rund um das brillante Ermittlerduo Frey & McGray feiert er in seiner neuen britischen Heimat große Erfolge.


Ein Fall für Frey & McGray: 

Band 1 – Die Schatten von Edinburgh

Band 2 – Der Fluch von Pendle Hill

Band 3 – Die Todesfee der Grindlay Street

Kurzgeschichte – Die Hirschjagd (kostenfrei, eBook only)

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