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Nicholas Müller – Ich bin mal eben wieder tot. Wie ich lernte, mit Angst zu leben.

„Deine Augen sprechen Bände, deine Narben ein Bücherregal."

Auf einmal ist alles anders. Panik kriecht aus den Ecken der Seele und ergreift Besitz vom Körper. Adrenalin wird in Massen ausgeschüttet, der Fluchtinstinkt setzt ein. Vor dem eigenen Leben lässt es sich aber nur sehr schlecht fliehen. Anstatt dem Bedürfnis nachzugeben irgendwohin zu verschwinden, lähmt sich der Körper selbst. Die Gedanken drehen sich in Spiralen, der Atem beschleunigt sich, der Herzschlag ebenso. Doch was passiert hier eigentlich? Eine schlimme Krankheit? Krebs, Schlaganfall, irgendwas in der Richtung?

Nicholas Müller kennt diese Gedanken. Als er zum ersten Mal die Symptome erlebt, hat er Angst vor dem was er haben könnte. Und da diese Unannehmlichkeiten hartnäckig sind und absolut nicht von alleine weggehen, muss er sich unzähligen medizinischen Untersuchungen stellen, denn es wirkt sich auf sein Leben aus. Nach einer Ärzteodyssee stehen die Diagnosen endlich fest – generalisierte Angststörung mit starken Panikattacken, vermischt mit Hypochondrie und depressiven Episoden.

Der Sänger der erfolgreichen Band Jupiter Jones hat ein Problem. Eine Krankheit, die man nicht sieht und die weitere Probleme nach sich zieht. Nicholas Müller zieht sich immer weiter zurück, es behindert ihn in seinem Leben und er muss eine Entscheidung fällen, die ihm mehr als schwer fällt. Währenddessen seine Band mit dem Song „Still“ den Höhepunkt ihrer Karriere feiert, zieht er sich zurück, da es ihm nicht mehr möglich ist, aufzutreten.

Sein Leben ist nun komplett von der Angst geprägt. Nicholas muss lernen mit der Angst zu leben und begibt sich in Therapie.


Psychische Erkrankungen haben immer noch einen schweren Stand in der Gesellschaft. Krankheiten, die man nicht sieht, die man nicht nachvollziehen kann, können schlecht in Worte gefasst werden. Das, was wir nicht ausdrücken können, negieren wir lieber und leugnen der Einfachheit halber die Existenz.

Nicholas Müller schafft es, Worte zu finden. Er erzählt offen über seine Erkrankung und schönt nichts, auch nicht seine depressiven Episoden. Mit starker Sprache spricht er über die Angst vor der Angst und die Schwierigkeit, sich selbst und seinen Angehörigen gegenüber ehrlich zu sein.

Der Leser wird mitgenommen auf seiner Reise, die Angst zum Teil seines Lebens zu machen, mit dem er leben kann. Die Beschreibung des ersten Auftauchens der Krankheit, der Diagnosefindung, der Therapie und des Weges zu sich selbst, ist bildhaft und rührt teilweise zu Tränen, da man als Leser selbst die Emotionen spürt.

Dieses Buch ist mehr als der Versuch, allen Menschen, die an einer Angststörung leiden, Mut zu machen. Es ist für mich ein Werk, das allen Menschen empfohlen werden sollte, die selbst mit dieser Krankheit zu kämpfen haben, und ihren Angehörigen.


Verlag: Knaur TB, 2017

ISBN: 978-3-4267-8918-6

Preis: 12,99 €

Softcover

zur Leseprobe

Nicholas Müller wurde 1981 geboren und ist bekannt geworden als Sänger von Jupiter Jones. Mit „Still“ kam die Band in die Top Ten und erhielt unter anderem einen Echo. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere zwang ihn seine Angststörung zum Ausstieg. Nach der Therapie startete er einen Neuanfang mit der Band von Brücken und seiner Dozentenstelle für Popmusik. Nicholas Müller ist Schirmherr der Deutschen Angstselbsthilfe.


„Darf ich präsentieren?
Hier die Seele als offenes Buch. 
Darf ich präsentieren? 
Millionen Seiten. 
Darf ich präsentieren? 
Hier das Leben als Selbstversuch.“ 
Lady Angst - von Brücken

(hier gehts zum Video auf YouTube)

 

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