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Julianna Grohe – Räuberherz

„Das Mädchen, das er ausgewählt hatte, stapfte in der Dämmerung mit gesenktem Kopf die Straße entlang, die Kapuze der schwarzen Jacke tief ins Gesicht gezogen.

Endlich. Er wusste, sie war perfekt für seinen Plan: nichtssagend, ordentlich, zuverlässig, hartnäckig, leidensfähig und vor allem … allein. 

Sie würde nicht schwach werden - und dann würde er es hoffentlich auch nicht."

Ella ist 17 Jahre alt und wohnt in einem abbruchreifen Haus. Allein. Ihre Großeltern sind bei einem Autounfall gestorben und sie hat kein Zuhause mehr. Bei ihrem schwer spielsüchtigen Vater will sie nicht bleiben, da dieser sie zu oft enttäuscht hat.

Trotz ihres Ausreißerlebens geht Ella normal weiter zur Schule, schließlich will sie studieren und ein besseres Leben haben. Dort hat sie es aber nicht einfach. Ihr ungepflegtes und ungesundes Äußeres macht sie zum Gespött der Mitschüler.

Als sie einen weiteren Tiefpunkt erreicht und betteln muss, um sich etwas zu essen und ein paar Drogerieartikel leisten zu können, taucht ein wunderschöner, junger Mann auf, der aber unfassbar arrogant ist. Sie flieht und schließt sich in ihrer Ruine ein, als es plötzlich dunkel um sie wird.

Als Ella aufwacht, muss sie feststellen, dass der Unbekannte sie entführt hat und sie nun in einer alten Villa ist. Fluchtversuche sind zwecklos, denn Crys, so heißt ihr Entführer, macht unmissverständlich klar, dass sie ihr Leben dabei verlieren wird. Ella soll für ihn und seine Freundin Summer kochen und das gesamte Haus sauber halten. Dafür darf sie in dem Haus wohnen.

Ella will ihr Schicksal nicht annehmen und wehrt sich mit Händen und Füßen, aber vor allem mit ihrer spitzen Zunge. Diese bringt ihr oft Ärger mit Crys ein. Summer dagegen ist eigentlich ganz nett, aber sie verändert sich. Schleichend wird ihre Persönlichkeit immer seltsamer und ihre Gesundheit immer schlechter. Als sie vollkommen ausrastet und Ella angreift, verschwindet sie auf einmal. Dafür taucht gleich darauf Honey im Arm des Hausherrn auf und zieht bei ihnen ein.

Doch auch aus dem hübschen Model wird schleichend ein Wrack. Ella versteht die Welt nicht mehr. Was tut Crys den Mädchen nur an? Gibt er ihnen etwa Drogen? Haben seine seltsame Freunde, die in regelmäßigen Abständen im Haus auftauchen, etwas damit zu tun? Und warum will Crys nicht, dass Ella bei diesen Treffen anwesend ist? Zum Schluß die wichtigste Frage – warum hört Ella Stimmen in dem alten Haus, wenn da niemand ist?


„Räuberherz“ ist eine moderne Märchenadaption, die ein bisschen anders daher kommt als erwartet.

Der Titel passt zum Buch, auch wenn er besonders am Anfang Fragen aufwirft.

Das Cover ist typisch für den Drachenmondverlag – märchenhaft, wunderschön gestaltet, einfach ein Hingucker. Die junge Frau auf dem Cover stellt wohl Ella dar und ich finde sie sehr gut getroffen. Auch die anderen Elemente sind in der Geschichte verankert, auch wenn man deren Bedeutung erst spät herausfindet.

Ella fand ich am Anfang sehr anstrengend, ich habe eine ganze Weile und eine Pause von dem Buch gebraucht, um mit ihr warm zu werden.

Für Crys gibt es eigentlich gar keine Worte, er ist einfach nur ein widerliches Ekelpaket und ich habe ihn lange bei jedem Auftritt verflucht. Ich hab noch nie so lange gebraucht, um einen Protagonisten mögen zu können.

Mit den Nebenfiguren dagegen konnte ich etwas besser umgehen. Alle, die außerhalb der Villa sind, bleiben relativ blass. In der Villa treffen wir aber auf drei Figuren, die mir den Spaß am Lesen dann zurück gegeben haben und für die ich es gerne noch eine Weile mit Crys ausgehalten habe – James, Arthur und Leander. Vor allem James habe ich in mein Herz geschlossen.

Zur Geschichte…ja, das fällt mir schwer. Am Anfang war ich drauf und dran, das Buch wirklich abzubrechen. Da ich aber dafür bin, jedem Buch eine Chance zu geben und jede Geschichte es auch verdient, zu Ende gelesen zu werden, habe ich nur ein paar Tage Pause eingelegt. Wie sich heraus stellte, war das eine gute Entscheidung und ich konnte in einem Rutsch weiterlesen. Nach dem ersten Drittel nimmt das Buch immer weiter an Fahrt auf und die Geschichte zieht einen dann doch in ihren Bann. Ich wollte unbedingt wissen, was es mit Crys auf sich hat. Und ich wurde dann doch noch wirklich überrascht, was ja im Romantasy-Genre momentan nicht einfach ist.

Daher empfehle ich wirklich – wer den Schreibstil mag und Märchen etwas abgewinnen kann, lest weiter, auch wenn der Anfang euch vielleicht nicht so gefällt.



Liebhaber von Romantasy und Märchenadaptionen, die gern mal etwas Neues ausprobieren wollen.


Verlag: Drachenmond, 2017

ISBN: 978-3-9599-1210-5

Preis: 14,90 €

Softcover, auch als eBook erhältlich

zur Leseprobe

Julianna Grohe, 1974 geboren, lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern (und einem Kater) in Norddeutschland. Als Jugendliche schrieb sie Pferdegeschichten. Ihre Schriftstellerkarriere begann sie mit einem Liebesroman. Eine weitere Märchenadaption von ihr, „Die vierte Braut“, erscheint auch im Drachenmond Verlag.

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