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Anne Meredith – Das Geheimnis der Grays

Eine weihnachtliche Kriminalgeschichte.


„Adrian Gray wurde im Mai 1862 geboren und starb Weihnachten 1931 eines gewaltsamen Todes durch die Hand eines seiner eigenen Kinder.“


Adrian Gray ist das, was man unter einem unangenehmen Zeitgenossen versteht. Alt, geizig, verbittert und jähzornig. Selbst zu seinen Kindern hat er nicht das beste Verhältnis. Dennoch besteht er darauf, alle jedes Jahr zum Weihnachtsfest um sich zu scharen.

Das Landhaus King’s Poplars liegt abgelegen und ist seit Generationen im Familienbesitz der Grays. Wie geschaffen für ein idyllisches Weihnachten im Kreis der Familie. Doch schon am ersten Abend streitet sich die Verwandtschaft, allen voran das Familienoberhaupt Adrian. Beste Voraussetzungen für den Weihnachtsmorgen.

Nach dem obligatorischen Kirchgang und einem üppigen Frühstück stellen die Grays fest, dass gerade Adrian sich nicht blicken lässt. Sein ältester Sohn findet ihn schließlich mit eingeschlagenem Schädel vor. Der Tatort, die Bibliothek, ist eiskalt und eingeschneit, das Fenster sperrangelweit offen. Der Täter könnte ein Einbrecher gewesen sein…oder mitten unter ihnen.


Das Cover. 

Ein paar abgelegene Häuser mitten im Nirgendwo, nächtliches Schneegestöber, ein eingemummter Mensch auf dem Weg und im Vordergrund ein Gegenstand von dem Blut tropft. Einfach, ausdrucksvoll und passend zum Inhalt. Ein wunderbares Cover für eine weihnachtliche Kriminalgeschichte.
Hervorheben möchte ich noch die Haptik des Buches. Von der Größe her wie ein Taschenbuch, in einem leicht biegsamen Leineneinband und mit Lesebändchen.

Der Stil. 

Das Original stammt aus England im Jahre 1933 und wurde nun erstmals ins Deutsche übersetzt. Daher ist der Stil der Geschichte eher altmodisch. Wer die Romane von Agatha Christie kennt, weiß, was ich damit meine. Die Autoren der damaligen Zeit setzten auf Kriminalromane, die ihre Spannung auf psychologischer Ebene verbreiten und nicht für möglichst blutige und grausame Darstellungen bekannt sind. Einer der Gründe, warum ich diese Art Krimi bevorzuge. Mir macht es einfach mehr Freude.

Die Charaktere. 

Das Familienoberhaupt.
Adrian Gray. Mit allen denkbar schlechten Eigenschaften gesegnet. Dennoch haben seine sechs Kinder ihn größtenteils geliebt und seine Mutter war ihm auch noch zugetan. Er legte Wert auf einen nach Außen hin undurchdringbaren Familienzusammenhalt und war stolz auf die Kinder, die es in seinen Augen zu etwas gebracht haben.

Die Kinder.
Sechs an der Zahl, könnten die Kinder Adrian Grays unterschiedlicher kaum sein.
Der Älteste ist ein erfolgreicher Politiker in der Hauptstadt und hat eine Frau geheiratet, die ihn nicht liebt und die er nur als Vorzeigeweibchen ansieht. Leider sind die beiden kinderlos, was für ihn eine Schmach darstellt. Mit Geld versuchen sie diesen Makel wieder wettzumachen und weiter in der Gesellschaft aufzusteigen, doch leider sind auch die größten Goldgruben irgendwann erschöpft…
Eine Tochter blieb komplett unverheiratet und führt ihrem Vater Adrian den Haushalt. Nicht ganz uneigennützig, wie man sich denken kann…schließlich ist King’s Poplars ein stattliches Anwesen.
Die andere Tochter, ein emotionales Wesen, hat gut geheiratet, nach dem Tod ihres neugeborenen Kindes, an dem ihrer Meinung nach der Vater des Jungen Schuld trägt, kann sie ihren Mann nicht mehr ertragen. Dieser zahlt für ihr Schweigen und schickte sie zu ihrem Vater Adrian zurück.
Die dritte Tochter ist mit einem Investmentbanker verheiratet, der für die Finanzen ihres Vaters Adrian zuständig ist. Ein gutes Leben zu haben, ist alles, was für sie zählt und sie möchte ihre beiden Söhne in die obersten Gesellschaftsschichten bekommen. Was ihr Mann dafür anstellt, ist ihr egal.
Außerdem gibt es da noch einen Anwalt. Dieser fällt bei seinen Geschwistern komplett aus der Art, da er, seine Frau und seine beiden Töchter komplett zufrieden mit ihrem Leben sind. Sie wollen weder Massen an Geld noch an Ansehen, so wie ihre Verwandten.
Der jüngste Sproß der Familie Gray ist Künstler. Verkannter Künstler, um genau zu sein. Nach einer stürmischen Jugendzeit in Paris, kam er mit einer Frau und einem Kind nach England zurück. Nun fristet er sein Leben als Bauzeichner, haust unter seiner Würde und muss haufenweise Mäuler stopfen.

Die Nebenfiguren.
Sind wirklich nur nebenbei im Bilde. Einzig und allein die Mutter Adrian Grays und den zuständigen Inspector lernt der Leser etwas näher kennen.

Das Setting.

King’s Poplars, das Landhaus der Grays, ist der Ort, an dem sich die meiste Handlung abspielt. Ein typisch altes Anwesen, ebenso englisch wie leicht gruselig, strahlt es eine Kälte aus, die zur Beziehung der Familienmitglieder untereinander vollkommen passt.

Die Geschichte.

Zugegebenermaßen habe ich am Anfang wirklich eine Zeit lang gebraucht, um in die Geschichte zu kommen. Die Autorin Anne Meredith stellt zuerst die Familie, deren Anhänge, die jeweilige Lebenssituation und die Beziehungen untereinander vor. Ich habe mich gefragt, ob das so wirklich notwendig ist – im Nachhinein kann ich das nur bestätigen. Durch diese vermeintlich ausufernde Familienbeschreibung am Anfang kann die eigentliche Geschichte komplett fließen und man benötigt als Leser keine Erklärungen mehr. Mal was anderes, aber sehr angenehm.

Ich denke, dass ich nicht zu viel verrate, sondern manche Leser sich vielleicht aus diesem Grund für das Buch entscheiden: Anne Meredith lässt nicht nur von außen zusehen, man findet sich im Kopf des Täters wieder. Und nicht nur in seinem. Dadurch ist dieser Kriminalroman, obwohl er wahrlich unaufgeregt daher kommt, abwechslungsreich und erlangt eine Spannung, die mich das Buch kaum aus der Hand legen ließ.

Der Fall ist logisch, gut konstruiert und auf erschreckende Weise sehr nachvollziehbar.

Das Fazit.

Ein wahres Schmuckstück unter den Kriminalromanen. Das richtige Buch, um sich in der Weihnachtszeit einen gemütlichen, aber dennoch spannenden Leseabend zu verschaffen!


Verlag: Klett Cotta

Erscheinungsdatum: 22.09.2018

ISBN: 978-3-608-96299-4

Preis: 15,00 €

Leineneinband, gebunden und bedruckt, mit Lesebändchen

Genre: Klassiker, Kriminalroman

Anne Meredith ist das Pseudonym von Lucy Beatrice Malleson. Geboren wurde sie 1899, gestorben ist sie im Jahre 1973. Neben Agatha Christie war sie Mitglied im Detection Club, einer exklusiven Vereinigung und ist damit eine der hochangesehen englischen Kirminalautorinnen ihrer Zeit.


Dieses Buch wurde mir vom Klett-Cotta Verlag über das Portal vorablesen.de als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank hierfür. Meine Rezension wird hiervon nicht beeinflusst.

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