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Karen M. McManus – One of us is lying

„‚Addy ist das Prinzesschen und du bist die Sportskanone', sagt Simon zu mir. Er deutet mit dem Kinn auf Bronwyn und danach auf Nate. ‚Du bist die Intelligenzbestie und du der Outlaw. Ihr seid allesamt wandelnde Teenie-Film-Stereotypen.‘ 
‚Was ist mit dir?‘ fragt Bronwyn […]. 
‚Ich bin der allwissende Erzähler‘, antwortet Simon.
Bronwyns Brauen schießen über den schwarzen Rand ihrer Brille. ‚Die Rolle gibt’s in Teenie-Filmen nicht.'
‚Ach, Bronwyn…[…]. Im wahren Leben schon.‘"

Eine typisch amerikanische Highschool mit ihren typischen Stereotypen. Klischees wohin man schaut.

Adelaide „Addy“ Prentiss ist blond, hübsch, beliebt, mit ihrer Highschool-Liebe Jack aus dem Baseball-Team seit Jahren glücklich zusammen – die perfekte Homecoming-Queen.
Bronwyn Rojas, Tochter eines erfolgreichen Unternehmers, Einser-Schülerin mit Aussichten auf einen Platz in Yale, engagiert in allen möglichen AGs und auf die Einhaltung aller Regeln bedacht – die Streberin aus dem Bilderbuch.
Cooper Clay, Baseball-Star der ganzen Schule um den sich die Collegeteams nur so reißen und bei dem selbst die Profi-Liga an die Tür klopft, in einer Beziehung mit der bildhübschen Keely und Homecoming-King – die nicht so intelligente Sportskanone.
Nathaniel „Nate“ Macauley, Sohn einer manisch-depressiven Drogensüchtigen und eines alkoholkranken Verlierers, vorbestraft wegen Drogenkonsums und auf der Abschussliste der Lehrer – der gut aussehende Bad-Boy.
Simon Kelleher, Klatschtante der Schule und Betreiber der App „About That“, die er mit den dreckigsten Gerüchten über seine Mitschüler füttert, unbeliebt und nur in der Nähe der beliebtesten Schüler, weil sie Angst vor ihm haben.

Die einzige Gemeinsamkeit, die diese 5 Schüler haben – ihre Schule, die Bayview High. Und seit diesem Tag noch etwas. Sie müssen alle gemeinsam zum Nachsitzen bei Mr. Avery, dem alten, moderne Technik verabscheuenden Lehrer. Bei allen wurden Mobiltelefone während des Unterrichtes konfisziert. Nun sollen sie per Hand einen Aufsatz schreiben, warum Kommunikationsgeräte an Schulen einfach nur Teufelszeug sind. Was zu diesem Zeitpunkt keiner weiß – einer von ihnen wird diesen Aufsatz nicht überleben.

Simon bricht nach dem Genuss eines Bechers Leitungswasser zusammen, da er einen anaphylaktischen Schock erleidet. Sein EpiPen ist nirgends auffindbar und die Ärzte können ihm nicht mehr helfen. Ein tragischer Unfall. Doch die Polizei ermittelt trotzdem.

Plötzlich haben Addy, Bronwyn, Cooper und Nate mehr gemeinsam als sie dachten. Simon wollte am Tag seines Todes einen neuen Beitrag in seiner App veröffentlichen. Thema dieses Mal ist die Schmutzwäsche der vier. Doch nicht nur das. Die allergische Reaktion, die zu Simons Tod führte, muss absichtlich herbeigeführt worden sein. Schnell werden die vier Jugendlichen von klischeebehafteten Highschool-Schülern zu Mordverdächtigen, denn sie alle haben eine Verbindung zu Simon und etwas zu verbergen. Oder sind sie nur Kollateralschäden für jemand anderen?


Ein Buch, das ich mir von selbst nie zugelegt hätte. Es klang nach Gossip Girl, nach Pretty Little Liars, Bücher und Serien, die einfach nicht mein Fall sind. Wandelnde Klischees, irgendwie konstruiert und unglaubwürdig. Durch einen monatlich stattfindenden Lesezirkel, in dem wir über das nächste Buch abstimmen, ist es dennoch zur Lektüre geworden. Ein Umstand, über den ich rückblickend recht froh bin.

Am Anfang wird man von Klischees und den vollkommen in ihre eigene Schublade passenden Figuren förmlich erschlagen. Alles erscheint flach und mit wenig Tiefe. Über die ersten paar Seiten haben mich der gut wegzulesende Schreibstil und die Perspektivwechsel gerettet. Doch mit jedem neuen Blickwinkel nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Sie wird turbulent, unvorhersehbar und spannend.

Die Mordermittlungen stehen im Mittelpunkt des Buches, doch es kommen nur die vier Protagonisten zu Wort. Der Leser wird in einzelne Situationen mitgenommen, die ihn zwar in der Geschichte voran bringen und zu Momenten führen, in denen er neue Informationen bekommt, aber ihn genauso heillos verwirrt zurück lassen. Das Innenleben der Protagonisten wird so komplett in den Vordergrund gerückt und das Spiel der Autorin mit den Klischees beginnt. Schnell merkt man, dass sie alle vier mehr zu bieten haben, als sie auf den ersten Blick den Anschein erwecken. Besonders die Entwicklung, die die Hauptfiguren in diesem Roman durchmachen, hat mich gefesselt. Sie ist gleichsam überraschend wie nachvollziehbar. Nach und nach kommen auch die Geheimnisse zu Tage, die sie hüten. Doch nicht nur das. Jedes einzelne davon zieht einen Rattenschwanz an Ereignissen nach sich und löst Reaktionen aus, die ich nie erwartet hätte.

Die Nebenfiguren sind meiner Meinung nach interessant gemischt. Hier trifft man wieder auf Klischees wo man hinschaut – Coopers traditioneller Südstaaten-Vater, die Oberzicke Vanessa, die stille Gothic-Freundin Janae, die nach außen hin liebende Mutter von Addy und Bronwyns strenge Eltern. Achja, und nicht zu vergessen, Jake, Addys Freund und ein Junge, der gewohnt ist, das alle nach seiner Pfeife tanzen, sowie Leah, die sich aufgrund von Simons Gerüchten versucht hat das Leben zu nehmen. Aber es gibt auch Lichtblicke. Addys Schwester Ashton, Coopers Großmutter (diese Frau ist einfach großartig!) und Bronwyns Schwesterchen Maeve.

Je weiter ich mich dem Ende näherte, desto gefesselter war ich. Ich wollte ja schließlich auch wissen, ob ich mit meinen zusammengesponnen Schlussfolgerungen Recht hatte. Und selbst als es so war, blieb dennoch das Gefühl aus, das man irgendwie immer hat, wenn man alles durchschaut hatte. Nicht, weil das Ende irgendwie schlecht wäre, nein, aber irgendwie ist man betroffen, dass man richtig lag.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich One of us is lying wirklich überrascht hat und die Stunden, die ich darin verbracht hab, es definitiv wert waren. Dieser Roman ist nicht nur eine Geschichte über einen Mordfall, sie ist eine Psychoanalyse einer Highschool. Für mich können Gossip Girl und A. einpacken und hier von den Großen spielen lernen. Der Roman ist eigentlich für Jugendliche, dürfte aber auch Erwachsenen ein paar unterhaltsame Abende bescheren. Die Geschichte ist eine, die ich mir auch als Serie im Fernsehen mit Popcorn auf der Couch ansehen würde.



Jugendliche, die auf eine gute, spannende Geschichte stehen und etwas abseits von Fantasy und Liebesromanen lesen wollen. Erwachsene, die auf kurzweilige Page-Turner stehen.


Verlag: cbj, 2018

ISBN: 978-3-5701-6512-6

Preis: 18,00 € als Hardcover
13,99 € als eBook

zur Leseprobe

Karen M. McManus hat Englisch und Journalismus studiert. Sie lebt in Cambridge und liebt es mit ihrem Sohn die Welt zu bereisen. „One of us is lying“ ist ihr Debütroman. Mit diesem stürmte sie innerhalb kürzester Zeit die Bestsellerlisten.

 

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