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Liza Grimm – Die Götter von Asgard

„Es gab keine Nacht in Asgard. Keinen Schlaf. Und keine Langeweile. Odin mühte sich nach Kräften, seinen Gästen alles zu bieten, was sie verdienten, nachdem sie im Glauben an ihn ruhmreich gestorben waren. In den Gewölben der Siegeshalle Walhall war jeder Tag ein großes Fest - doch die Ankunft der Nornen würde diese Feierlichkeiten beenden."

Asgard, heutige Zeit. Die drei Nornen, die Schicksalsweberinnen der nordischen Mythologie, überbringen Odin eine schlechte Nachricht. Entgegen aller Bemühungen tauchte in ihrem Webstuhl ein goldener Faden auf – der Hinweis auf einen Helden. Doch aufgrund einer Prophezeiung darf es keinen mehr geben. Deswegen hatte Odin die Grenzen zu Midgard geschlossen. Der oberste Gott hat keine Wahl. Er muss eingreifen und schickt seinen Sohn Tyr aus, um den Helden zur Strecke zu bringen.

Währenddessen in München. Rachel, genannt Ray, wird zum zweiten Mal aufgrund ihrer grottenschlechten Leistungen vom Studium exmatrikuliert. Die Studentin mit einem leichten Alkoholproblem bemitleidet sich selbst, sieht sich als Versagerin und fühlt sich einsam. Sie hat keine Freunde und ihre Familie ist ihr auch keine große Hilfe. Ihren Eltern zuliebe versucht sie einen vernünftigen Job zu erlernen, obwohl sie eigentlich lieber ihre Leidenschaft zur Musik ausleben würde. So versucht sie, erfolglos und frustriert, ihrer großen Schwester nachzueifern, die ein perfektes Leben zu haben scheint. Um sich abzulenken, läuft sie und versteckt sich an ihrem Lieblingsort.

Dort trifft sie auf die mysteriöse Kára. Die rothaarige Schönheit ist auch Sängerin und scheint Ray unerklärlicherweise auf Anhieb zu mögen und will ihr helfen. Sie lädt sie ein, mit ihr nach Berlin zu kommen und dort einen Neuanfang zu wagen. Entgegen ihrer Gewohnheiten lässt Ray sich darauf ein.

In der Hauptstadt versucht Ray bei einem Open-Mic-Wettbewerb Fuß zu fassen, doch Kára scheint sie zu sabotieren und ihr nicht mehr helfen zu wollen. Also stellt Ray sie zur Rede. Kára erklärt ihr, dass sie sie nur beschützen wolle – vor einer Banshee. Sie selbst sei eine Walküre aus Asgard und Ray dazu bestimmt eine Prophezeiung zu erfüllen.
Aufgrund ihrer Bestimmung sei sie aber in Lebensgefahr und nur sie als Walküre in der Lage ihr zu helfen.
Ray glaubt ihr kein Wort, flieht und ertränkt den Irrsinn in viel Alkohol. In ihrem desolatem Zustand trifft sie auf einen geheimnisvollen Mann, der sich zu allem Überfluss auch noch Loki nennt. Dieser erzählt ihr eine ähnliche Geschichte und bringt sie nach Asgard.

Doch kann man Loki, dem Gott der List, überhaupt trauen? Was ist mit Kára geschehen? Welche Rolle spielt Tyr in der Geschichte, zu dem sich Ray aus irgendeinem Grund hingezogen fühlt? Und das Wichtigste – wird Ray die Reise ihres Lebens bestehen?


„Die Götter von Asgard“ war eines der Bücher, die ich auf meiner Must-Have-Liste für dieses Jahr hatte. Der Titel, das Cover, der Klappentext – ich war wahnsinnig gespannt auf dieses Buch, da mich die nordische Mythologie schon seit langem fasziniert und ich immer auf der Suche nach Büchern rund um dieses Thema bin.

Das Cover ist sehr stimmungsvoll, die Kombination des Schwertes mit den Blüten hat mich auf Anhieb angesprochen, ebenso wie die Farbgebung. Haptisch ist dieses Taschenbuch durch die leicht erhabene Schrift auch ein Erlebnis.

Der Schreibstil von Liza Grimm ist sehr angenehm, die Seiten flogen nur so an mir vorbei. Flüssig, leicht und unaufgeregt, treibt die Autorin die Geschichte voran.

Leider muss ich aber sagen, dass nach dem Lesen irgendwie ein unbefriedigtes Gefühl in mir zurück blieb.

Ray ist eine Figur von der ich auch nach langem Grübeln nicht sagen kann, ob ich sie sympathisch fand oder nicht. Auch Kára, Tyr und Loki hinterließen den selben verwaschenen Eindruck.

Die Beschreibung der Welten ist vielversprechend, aber auch hier bleibt dieses unbestimmte Gefühl zurück.

In diesem doch recht kurzen Roman liegt eine Menge Potenzial verborgen – die meiner Meinung nach an zu vielen Stellen verschenkt wird. Die Figuren, die Welten, die Details, es wird alles in Ansätzen beschrieben, aber eben nicht voll. Viel zu oft hatte ich das Gefühl, das irgendetwas in dieser Geschichte fehlt und hätte mir gewünscht, dass alles etwas ausführlicher gewesen wäre. Ich wäre gern noch 300 weitere Seiten lang Ray auf ihrer Reise gefolgt und hätte die Charaktere lieber näher kennen gelernt als nur so kurze Blicke auf sie und ihre Persönlichkeit zu erhaschen. So blieben sie mir leider zu eindimensional und ich konnte keine Beziehung zu ihnen aufbauen. Immer, wenn ich das Gefühl hatte, dass ich einem Charakter etwas näher kam, entglitt er mir wieder, weil die Szene schon wieder vorbei war.

Dennoch ist „Die Götter von Asgard“ eine schöne kurzweilige Interpretation einer klassischen Heldenreise.



Urban-Fantasy-Liebhaber, die sich für nordische Mythologie im Marvel-Stil interessieren und eine kurzweilige Unterhaltung suchen.


Verlag: Knaur, 2018

ISBN: 978-3-4265-2252-3

Preis: 12,99 €

Paperback

zur Leseprobe

Liza Grimm ist das Pseudonym der Autorin Jennifer Jäger, bekannt durch ihre Publikation beim Carlsen Imprint impress. Die studierte Literaturwissenschaftlerin arbeitet als freiberufliche Online-Marketingberaterin und Redakteurin und betreibt einen erfolgreichen Blog.

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