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Elizabeth Edmondson – Der Tote in der Kapelle

„Fest steht, dass er nicht die Treppe hinuntergestürzt ist und sich das Genick gebrochen hat. Und er hat sich auch nicht selbst unter die Steinfliesen gelegt. Nein, er wurde dort hingelegt, was bedeutet, dass zumindest eine Person wusste, dass er tot war."

England. Das Jahr 1953. Hugo Hawksworth ist mit seiner 13 Jahre alten Schwester Georgia auf dem Weg zu ihrer neuen Heimat – Selchester, mitten auf dem Land. Abgeschieden von seinem alten Wohnort London, seinen Freunden und Bekannten. Hawksworth wurde zwangsversetzt nach Thorn Hall, den meisten Engländern als Staatseinrichtung für Statistik bekannt. Das entspricht nicht ganz der Wahrheit, denn Hugo ist Geheimagent. Im aktiven Dienst bekam er eine Kugel ab, die ihn in seinem jungen Alter an den Schreibtisch zwingt. Etwas langweiligeres kann er sich nicht vorstellen, daher hält sich seine Begeisterung in Grenzen.

Da momentan keine Wohnmöglichkeit für die Geschwister zur Verfügung steht, werden sie in Selchester Castle einquartiert, Residenz vom Earl of Selchester und seiner Familie. Zumindest war das bis vor fast 7 Jahren der Fall. In einer schneereichen Nacht verschwand der Earl spurlos. Seitdem wohnen dort nur noch die Haushälterin Mrs. Partridge und Freya, die Nichte des Earl.

Durch einen Rohrbruch in der alten Kapelle des Anwesens, ist man kurz nach Hugos Ankunft gezwungen, den Boden aufzustemmen. Doch dort befinden sich keine Rohre, sondern ein Skelett, welches den Siegelring des Earl of Selchester trägt.
Hugo wittert die Chance der Langeweile eines Schreibtischjobs zu entgehen und steckt seine Nase halboffiziell in die Ermittlungen. Was er dort mitbekommt, gefällt ihm ganz und gar nicht.
Die Polizei, Scotland Yard und weitere hohe Stellen sind nicht daran interessiert, den Mord umfassend zu untersuchen und erklären den ebenfalls verstorbenen Sohn des Hauses zum Täter. Einfach, sauber und ohne Aufsehen versuchen sie die Akte zu schließen, denn wie es scheint war der Earl in Regierungsgeschäfte verwickelt.

Doch als man versucht, Freya als Mittäterin mit hineinzuziehen, verstärkt Hugo seine Anstrengungen und stößt schnell auf Ungereimtheiten. Was ist in dieser Winternacht wirklich passiert? Wem kann man trauen? Und warum scheint es so, als würde jeder Beteiligte irgendwas verheimlichen?


Ich habe ja eine ausgeprägte Schwäche für gute Kriminalromane. Wenn sie dann noch in England spielen und in der Tradition von Arthur Conan Doyle und Agatha Christie daher kommen, ist es um mich geschehen. So ging es mir auch bei „Der Tote in der Kapelle“. Schnell war ich komplett fasziniert von dem Fall, der sich da langsam aber sicher vor mir ausbreitete.

Edmondsons Schreibstil ist eine wahre Wonne und erinnert stark an Agatha Christie. Unaufgeregt, aber spannend, traditionell, dennoch hier und da sehr humorvoll. Auch der Fall an sich könnte gut und gerne aus der Feder der Königin der Kriminalroman stammen. Ich war vom ersten Moment an gefesselt. Wer jetzt schnelle Lösungen und viel Action erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Man trifft hier auf feinfühlige und unterschwellige Ermittlungsarbeit, immer wieder werden Hinweise eingestreut und die Verdächtigen erscheinen alle irgendwie unschuldig.

Besonders gelungen fand ich die interessante Unterteilung der Kapitel. In verschiedenen Szenen bekommen wir diverse Blickwinkel präsentiert und sind so an mehreren Orten gleichzeitig.

Hugo ist ein unaufgeregter, aber sympathischer Charakter. Er hadert mit seiner Behinderung und ist alles andere als erfreut jetzt auf dem Land zu leben. Dennoch versucht er sich seinem Schicksal zu fügen und so eine Mordermittlung ist da eine große Hilfe.
Freya ist keine typische englische Frau der damaligen Zeit. Sie ist ziemlich unabhängig und sieht auch nicht ein sich von ihrer Familie viel vorschreiben zu lassen. Hugo und sie verstehen sich nach anfänglichen Schwierigkeiten ziemlich gut und versuchen gemeinsam, den Mord an ihrem Onkel aufzuklären.
Georgia, Hugos Schwester, ist eine tolle Nebenfigur, die als Jugendliche noch mal ganz andere Aspekte in die Geschichte einbringt. Ihre Sichtweise ist ebenso erfrischend wie ihr ganzer Charakter.
Die Figuren haben es mir leicht gemacht, sie zu mögen und ihre Geschichte verfolgen zu wollen. Zum Schluss hin habe ich immer mehr mitgefiebert und war bei manchen Enthüllungen wirklich schockiert. Hatte ein bisschen was von Gossip Girl, nur in den britischen Adelskreisen. Das degradiert den Krimi aber nicht zum Groschenroman, sondern verleiht ihm nur noch mehr Charme.

Zum Schluss noch der Grund, warum ich dieses Buch für einen wirklich gelungenen Krimi halte – ich wusste sehr lange nicht, wer der Täter ist. Alles erscheint möglich, alles plausibel.



Liebhaber englischer Kriminalromane. Fans von Sherlock Holmes, Miss Marple und Hercule Poirot.


Verlag: Goldmann, 2018

ISBN: 978-3-442-48612-0

Preis: 10,00 €

Paperback

zur Leseprobe

Elizabeth Edmondson, 1948 geboren, wuchs in Chile und Indien auf. Später studierte sie in Oxford und lebte mit ihrer Familie in England und Italien. Neben ihrem Namen verwendete sie das Pseudonym Elizabeth Aston und veröffentlichte über 30 bekannte Romane. „Der Tote in der Kapelle“ erlangte in England schnell den Status des Publikumslieblings. Edmundson verstarb 2016.


Dieses Buch wurde mir vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür.
Die Rezension spiegelt meine ehrliche Meinung wieder und wurde nicht davon beeinflusst.

 

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