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Walter Moers – Weihnachten auf der Lindwurmfeste

Mit Illustrationen von Lydia Rode.

Ergänzender Roman zur Zamonien-Reihe. In sich abgeschlossen, Vorkenntnisse aus den anderen Büchern nicht unbedingt notwendig.


„Nur auf meinem Heimatfelsen zelebrieren meine Artgenossen jetzt dieses vielleicht bizarrste aller Feste – seit Ewigkeiten und leider alle Jahre wieder.“


Zamonien. Zu der Zeit, in der wir Weihnachten feiern.

Der wohl berühmteste Schriftsteller des Landes und Bewohner der Lindwurmfeste, Hildegunst von Mythenmetz, erweist uns die Ehre. Oder besser gesagt, er erweist sie Hachmed Ben Kibitzer, seinem langjährigen Freund und Antiquar aus Buchheim, indem er ihm einen Brief schreibt.
Der Lindwurm berichtet über ein Ritual, welches jedes Jahr in seiner Heimat zelebriert wird: dem Hamoulimepp.

Dieses hat erschreckend viele Ähnlichkeiten mit unserem Weihnachtsfest. Schwer verdauliches Essen und seltsam anmutende Brauchtümer, die schon seit Urzeiten existieren.
Hildegunst erzählt ausführlich über das Hamoulimepp-Fest und schwelgt in Erinnerungen.


Achtung, hier folgt eine ernst gemeinte Liebeserklärung an dieses Buch.

Das Cover. 

Liebe auf den ersten Blick. Die Lindwurmfeste, schillernd und majestätisch. Schneeflocken fallen vor schwarzem Hintergrund. Dazu der typische Zamonien-Schriftzug, der uns bisher auf jedem Cover begegnete. Diesmal in wunderschönem Gold und mit Verzierungen. Und das Beste: nicht nur der Schutzumschlag ist so faszinierend, auch nackt sieht dieses Buch unheimlich gut aus.

Der Stil. 

Wo Walter Moers drauf steht, da ist auch Walter Moers drin. Also eigentlich ist es ja eher Hildegunst von Mythenmetz, Moers verdingt sich ja nur als Übersetzer.
Der Stil ist gewohnt literarisch, atmosphärisch, bildhaft und einfach fesselnd. Schon bei den ersten Sätzen war ich wieder gefangen. Kurzweilig fließen die Worte nur so vorbei und man hat das Gefühl, dass Hildegunst selbst zu einem spricht.

Die Charaktere. 

Hildegunst von Mythenmetz
Lindwurm. Aufgewachsen auf der Lindwurmfeste. Der wohl bekannteste Schriftsteller von Zamonien.
Weiß um seine Bekanntheit, ist irgendwas zwischen sympathisch und abweisend. Großartiger Erzähler.

Andere Charaktere treten hier nur beiläufig auf, die Geschichte rund um das Ritual Hamoulimepp steht im Mittelpunkt. Daher werden auch kaum neue Einblicke in die Figur des Hildegunst gegeben, die wenigen enthalte ich euch absichtlich vor.

Das Setting.

Die Lindwurmfeste ist ein Felsgebilde, in dem die Lindwürmer Zamoniens hausen. Eine Ansammlung an Gängen, Wirrungen und Wohnungen.

Die Geschichte.

Selten hat mich eine so kurze Geschichte so wahnsinnig gefesselt. Ich bin eingetaucht und nach einer Stunde wieder aufgetaucht. Schweren Herzens.
Ein kleiner Einschub zwischendurch: ich habe die Geschichte meinem Mann vorgelesen. „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ eignet sich hervorragend dafür und die Sätze gehen leicht und klangvoll von den Lippen.

Hildegunst beschreibt Hamoulimepp, das Fest, das unserem Weihnachten sehr ähnlich ist, bis ins letzte Detail. Daher kann man sich trotz der fremdartigen Namen schnell zurechtfinden und seine eigenen Parallelen ziehen. Es war anders als erwartet, aber dadurch unerwartet noch schöner als gedacht. Denn wir haben es hier mit einem Brief zu tun, in dem keine wirkliche Handlung stattfindet. Er stellt einen Bericht dar, eine Darstellung von Erlebnissen und ist dementsprechend gestaltet.
Die Abhandlung über Hamoulimepp ist klug, wortgewandt, humorvoll, voller Wahrheiten und mit dem Hauch eines boshaften Grinsen versehen.
Erinnerungen werden beim Lesen hervorgerufen und die weihnachtliche Stimmung ist vorprogrammiert, obwohl es wahrlich keine Hymne auf die besinnliche Zeit ist. Diese weihnachtliche Geschichte hat bei mir viele Emotionen hervorgerufen, von begeisterten Ausrufen, bis hin zu Kopfschütteln, Lachern und einem gerührtem Tränchen war alles dabei.

Das Fazit.

Eine phantastische Weihnachtsgeschichte für die ganze Familie! Und eine der schönsten, die ich je gelesen habe.
Egal ob Weihnachtsfanatiker oder Feiertagsmuffel, ob Zamonien-Liebhaber oder Neuling – in dieser Novelle kann sich jeder wiederfinden.


Verlag: Penguin

Erscheinungsdatum: 23.11.2018

ISBN: 978-3-328-60071-8

Preis: 15,00 €

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 112 Seiten, durchgehend farbig illustriert

weitere Formate: eBook und Hörbuch

Genre: Fantasy

Walter Moers, wahrscheinlich geboren 1957 in Mönchengladbach, hat sich über Jahre hinweg in die Herzen seiner Leser geschrieben – durch eine Reihe phantastischer Romane, die weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt sind. Doch ob seine biographischen Angaben überhaupt der Wahrheit entsprechen, weiß keiner. Eines ist jedoch gewiss. Wir verdanken ihm Käpt’n Blaubär. Und die Zamonien-Romane.

 

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