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Paula Brackston – Die Tochter der Hexe

Anzeige. Dieses Buch wurde mir vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür.
Die Rezension spiegelt meine ehrliche Meinung wider und wurde nicht davon beeinflusst.

„Die Tochter der Hexe“ ist der erste Band einer Reihe, die im englischsprachigen Raum schon erschienen ist. Das Buch kann aber auch als Einzelband gelesen werden.


„Mein Name ist Elizabeth Anne Hawksmith,
und ich bin dreihundertvierundachtzig Jahre alt.
Jeder Ort erfordert ein neues Tagebuch,
und so beginnt dieses Buch der Schatten.“


Gegenwart, Wessex, Großbritannien.
Ein neuer Ort, ein neues Heim, ein neues Tagebuch. Die Hexe Bess hat inzwischen Routine darin erlangt, sich an immer neuen Orten niederzulassen. Immer ein bisschen abseits der Gesellschaft, aber dennoch im Versuch sich nicht selbst ganz auszuschließen. Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich mit klassischer Kräuterheilkunde, selbstgemachten Seifen und Tees, die sie auf Märkten in der Gegend anbietet. Obwohl sie versucht, sich aus allem herauszuhalten, erregt sie die Aufmerksamkeit von Tegan, einer Jugendlichen, die viel allein ist. Tegan versucht hartnäckig den Kontakt zu Bess zu vertiefen und trifft auf eine Mauer aus Schweigen, Distanziertheit und Geheimnissen. Denn Bess versucht nicht ohne Grund allein zu bleiben…

1628, Bathcomb, Großbritannien.
Die junge Elizabeth hat ein wundervolles Leben, selbst für ihre etwas ärmere Verhältnisse. Ihre Eltern sind fürsorglich, die Familie hält zusammen und sie liebt ihre beiden Geschwister. Doch bald kommt das Unglück über die Familie und Bess hat nur noch ihre Mutter. Daher ist sie umso fassungsloser als sie mitansehen muss, wie ihre Mutter als Hexe verurteilt und hingerichtet wird. Bess ist von Trauer zerfressen und gerät selbst ins Visier der Hexenverfolgung. Ihr einziger Ausweg ist, sich an den Mann zu wenden, dem jeder aus dem Weg geht und den ein dunkles Geheimnis zu umgeben scheint…


Das Cover. 

Dieses Cover ist für mich absolut gelungen. Durch die Flammen, die schwarze Katze (die durch ihre matte Beschaffenheit noch extra hervorsticht) und die gelungene Typografie des Titels konnte ich nicht an „Die Tochter der Hexe“ vorbeigehen. Die Gestaltung hat aber auch Erwartungen bei mir hervorgerufen: die Vorfreude auf einen Hexenroman, in dem ich keiner romantisierten, lockeren Sichtweise auf die Magie begegne.

Der Stil. 

Paula Brackston hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der auf mich eine Sogwirkung ausgeübt hat. Die Geschichte hatte mich sehr schnell in den Bann gezogen und egal, ob Tagebucheintrag, Gegenwartsbeschreibung oder Rückblende – ich war einfach fasziniert und sofort in der jeweiligen Zeit angekommen. Die Autorin schafft es den Leser in die unterschiedlichen Zeiten zu transportieren und die Atmosphäre durch Beschreibungen, die auf das Wesentliche beschränkt sind, hervorzurufen. Ein wahres Vergnügen, das dadurch auch für Leser geeignet ist, die sonst nicht viel mit historischen Romanen am Hut haben.

Die Charaktere. 

Elizabeth Anne Hawksmith
Kräuterheilkundige, Hexe, auch Bess genannt.
Über dreihundert Jahre alt und ruhelose Reisende, die sich aufgrund ihrer nicht vorhanden Alterung nicht lange an einem Ort aufhalten. Sie lebt allein und richtet ihre Aktivitäten nach den Lehren der Magie aus.
Ihre Persönlichkeit ist von Distanziertheit und Einsamkeit geprägt, auch wenn sie eigentlich gern Kontakt zu anderen Menschen hat. Sie ist liebevoll und hilfsbereit, wenn man sie lässt. Bess ist durch die Lehren ihrer Mutter eine Kräuterheilkundige und hat ihr Wissen über die Zeit immer weiter vertieft und sich auch in Naturwissenschaften, insbesondere der Medizin, weitergebildet.

Tegan
Eine junge Frau, an der Schwelle zum Erwachsensein. Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die sehr viel Zeit auf Arbeit verbringt und Tegan durch oft allein lässt. Das Mädchen fühlt sich einsam, da sie auch in der Schule keinen Anschluss findet.

Das Setting.

Paula Brackston nimmt den Leser nach England mit. Sie lässt ihn durch verschiedene Zeitebenen reisen und in Tagebucheinträge eintauchen. Dadurch verändert sich das Setting immer wieder, aber es ist so gekonnt gemacht, dass man sich sofort in die jeweilige Zeit einfühlen kann. Zeitsprünge, die den Leser gleichzeitig abrupt, aber dennoch sanft hin und her wirbeln lassen, habe ich selten erlebt. Die historischen Begebenheiten wurden für mich als Laien sehr glaubhaft dargestellt, daher konnte ich mich sehr gut zurechtfinden und einfühlen.

Die Geschichte.

Der Leser taucht in „Die Tochter der Hexe“ tief in die Geschichte und das Seelenleben der Hexe Bess ein. Durch die Erzählperspektive erscheint es so, als wären wir direkt in ihrem Kopf, als würde man immer mit dabei sein. Ihre Gedankengänge sind laut und präsent, aber das, ohne aufdringlich zu wirken.

Die Geschichte von Bess hatte eine regelrechte Sogwirkung auf mich. Einmal in die Geschichte eingetaucht, wollte ich gar nicht mehr raus. Ich wollte mehr erfahren, mehr über Bess wissen, mehr über die Welt, die Paula Brackston gezeichnet hat – eine Welt, die versteckt in unserer existiert. Trotz der ruhigen Art, mit der die Autorin erzählt, bleibt die Spannung auf einem recht konstanten Level. Natürlich gibt es hier und da Passagen, die auch gern etwas kürzer hätten sein können, aber sie sind mir nicht negativ aufgefallen. Sie plätscherten dann einfach so an mir vorüber.

Die Charaktere konnten mich von sich überzeugen, denn die Nebenfiguren haben trotz der Sicht durch die Augen von Bess wirkliche Persönlichkeiten bekommen. Sie bleiben nicht blass, sie sind zum Greifen nah. Auch die Darstellung der Eigenheiten der Lebenssituationen in den jeweiligen Zeiten ist gut gelungen. So konnte ich mir das Leben im Dorf, in dem Bess geboren wurde, bildlich vorstellen und auch die Reaktionen der Dorfbewohner nachvollziehen.

Fasziniert hat mich die Darstellung der Hexerei, die Paula Brackston hier nutzt. So trifft man auf viele Klischees, die aber liebevoll und glaubwürdig verarbeitet wurden. Ich konnte mir gut vorstellen, wie Bess sich um ihren Garten kümmert, die kräuterkundige Einsiedlerin auf Wochenmärkten gibt und ihre selbstgebrauten Tinkturen feilbietet.

Das Fazit.

Mystisch, phantastisch, faszinierend und erfrischend unromantisch – eine Geschichte für Fantasy-Liebhaber, die die klassische Darstellung von Hexerei mögen.


(Werbung, unbezahlt)

Verlag: Heyne Verlag

Erscheinungsdatum: 11.02.2019

ISBN: 978-3-453-31975-2

Preis: 16,99 €

Softcover, Klappenbroschur, 512 Seiten

weitere Formate: eBook

Genre: historischer Fantasyroman

Originaltitel: The Witch’s Daughter

Paula Brackston lebt mit ihrer Familie in Wales und ist Dozentin an einer Universität. Ihre „Witch’s Daughter“ Romane waren alle auf der New York Times Bestsellerliste. Mit „Die Tochter der Hexe“ erscheint der erste Band nun auch in Deutschland. Unter ihren Pseudonymen P.J. Brackston und P.J. Davy schreibt die Autorin auch weitere erfolgreiche Bücher, unter anderem die „Brothers Grimm“ Kriminalserie.


 

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