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Alan Bradley – Mord ist nicht das letzte Wort.

Band 8 der Reihe rund um die junge Ermittlerin Flavia de Luce.

Die Fälle sind zwar soweit immer unabhängig voneinander zu sehen, aber es sind eventuell Spoiler zu Flavias Leben in der Rezension.


"Die vergangenen vierundzwanzig Stunden waren ein einziger Albtraum. Ich will nur noch weg von Buckshaw. [...] 
Am liebsten würde ich einfach in den Wind hineinschreien, aber ich beherrsche mich. Wenigstens eine von uns beiden musste bei Verstand bleiben. 
Ich versuche, meine Gedanken zu ordnen."

Flavia kehrt nach ihrer doch recht kurzen Abwesenheit wieder zurück nach Buckshaw. Dort angekommen, muss sie nicht nur der Tatsache ins Auge blicken, dass niemand aus ihrer Familie sie begrüßt, zu allem Überfluss liegt auch noch ihr geliebter Vater im Krankenhaus. Den sie nicht einmal sehen darf.

Um sich abzuregen, fährt Flavia auf ihrem geliebten Rad Gladys ins Dorf. In Bishop’s Lacey angekommen, wird sie von der Pfarrersfrau für einen Botengang eingespannt. Flavia soll einen Brief mit einem Auftrag an einen talentierten, aber einsiedlerisch lebenden Holzbildhauer überbringen. Mr. Sambridge scheint aber nicht zu Hause zu sein. Flavias Ermittlerinstinkte schlagen an und sie betritt das abgelegene Haus. Dort entdeckt sie nicht nur einen sehr deplatziert wirkenden Stapel bekannter Kinderbücher in teilweise doppelter Ausführung, nein, sie steht plötzlich vor einer Leiche.

In einer seltsamen Vorrichtung, verrenkt und kopfüber an der Tür hängend, ist Mr. Sambridge alles andere als in der Lage noch Aufträge entgegen zu nehmen. Er sieht beinahe gekreuzigt aus. Flavia ist natürlich gleich Feuer und Flamme und beginnt sofort zu ermitteln. Bald ist sie zusammen mit Inspector Hewitt mitten drin in einem neuen Fall. Einem Fall, der selbst Flavias kriminalistisches Geschick bis auf das Äußerste strapaziert…


Seit ihrem ersten Fall hat Flavia mich in den Bann gezogen. Die junge Ermittlerin ist gewitzt, intelligent, mutig und wartet mit einem Schatz an chemisch-naturwissenschaftlichem Wissen auf, den die wenigsten Erwachsenen vorweisen können. Außerdem ist sie so wunderbar britisch, aber gleichzeitig doch recht vorlaut für ein Mädchen in ihrer Zeit und ihres gehobenen Standes. Sie ist eine der ungewöhnlichsten und jüngsten Detektivinnen, die mir in der Literatur bisher über den Weg gelaufen sind.

Auch in diesem Fall, dem mittlerweile achten, habe ich von Anfang an wieder mitgefiebert. Die Geschichte um Mr. Sambridge ist wunderbar konstruiert, der rote Faden war zwar manchmal etwas verworren, aber immer so, dass man ihn nicht verloren hat. Ich wusste sehr lange nicht, wie denn nun alles miteinander zusammen hängt und das ist etwas, was ich an den Geschichten von Alan Bradley liebe. Der Schreibstil ist gewohnt unaufgeregt und unterstreicht das englische Flair. Bradley hat eine gekonnte Art Figuren und Situationen zu zeichnen, dass man sich ganz schnell selbst in der Geschichte wiederfindet – sei es beim Tee mit der Frau des Pfarrers oder bei einer der Veranstaltungen im Dorf.

Die Figuren auf Bradshaw und Bishop’s Lacey sind liebevoll konstruiert und wachsen dem Leser im Laufe der Zeit ans Herz. Man kennt den Pfarrer und seine Frau, weiß, wer wann wo wahrscheinlich auftauchen wird und wie sie reagieren. Es ist wie nach Hause kommen. Auch wenn wir in diesem Band von den Bewohnern von Bradshaw reichlich wenig zu sehen bekommen. Was mir aber auch relativ gut gefiel, denn irgendwann können einem die biestigen Schwestern von Flavia wirklich auf den Nerv fallen. Dafür tauchen Mrs. M und Dogger öfter auf, etwas, das mir wirklich Lesefreude bereitet hat. Flavia selbst wird langsam immer erwachsener. Man merkt, dass in ihrem Inneren etwas vor sich geht und dass sie anders handelt, als man es sonst von ihr gewohnt ist – und zum Glück merkt Flavia das selbst auch. Bradley hat an vielen Stellen Gedankengänge eingebaut, die zeigen, dass das Mädchen weiß, dass ihre Handlungen irgendwie nicht ihrem gewohnten Wesen entsprechen. Ich finde das sehr gut gelöst und es erleichtert dem Leser mit der Tatsache klarzukommen, dass auch Flavia irgendwann erwachsen werden wird.

Ich hatte wieder ein paar richtig schöne Stunden mit Flavia und freue mich schon darauf, ihren neunten Fall mit ihr erleben zu können.


Verlag: penhaligon

Erscheinungsdatum: 25.04.2017

ISBN: 978-3-7645-3113-3

Preis: 19,99 €

Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten

zur Leseprobe

Alan Bradley, 1938 geboren, ist eigentlich Elektrotechniker und war bis zu seinem Rückzug aus dem Berufsleben 1994 Direktor für Fernsehtechnik einer Universität. Der Auftakt zur Flavia de Luce Reihe ist gleichzeitig sein Debütroman und wurde kurz nach Erscheinen sofort umjubelt. Alan Bradley hat sich zusammen mit seiner Frau auf Malta zur Ruhe gesetzt und schreibt weiterhin Geschichten rund um die junge Detektivin.

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