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Die Symbolik der Grimm-Chroniken. Teil II – Der Mond.

„Jeder ist ein Mond und hat seine dunkle Seite, die er niemandem zeigt.“
Mark Twain

Der Mond. Der Wanderer.

Der Himmelskörper, der Licht in der Nacht spendet. Licht, das nicht mal sein eigenes ist, denn von selbst leuchtet er nicht.

Er steht für Mythen und Märchen, die Verbindung zur Traumwelt, das zweite Gesicht, das Unterbewusstsein und die Irrationalität. (1)

Der einzige natürliche Trabant, der unsere Erde umkreist und nicht nur mit dem Wechsel von Tag und Nacht in Verbindung gebracht wird. Auch das Voranschreiten der Monate, die sprachlich gesehen eng verwandt mit der Bezeichnung des Himmelskörpers sind, und die Gezeiten werden mit der leuchtenden Kugel am Himmel assoziiert.

Der Mensch war zwar inzwischen auf der Mondoberfläche, dennoch weiß man noch wenig über die Entstehung des Mondes.
Genauso geheimnisvoll ist die Gestalt des Mondregenbogens, dem Äquivalent zum Regenbogen, der bekanntlich entsteht, wenn Regen- bzw. Wassertropfen vom Licht der Sonne angestrahlt wird. Interessanterweise kann der Mond genau dasselbe Schauspiel hervorrufen. Ein mysteriöses Naturschauspiel, das mehr als eines Blickes würdig ist.

Die Wirkung des Mondes auf die Erde ist in Ansätzen erforscht, doch auch die Lebewesen haben eine engere Beziehung zum Himmelskörper als man meinen mag. Forscher rätseln um die Bedeutung der Mondphasen auf Phänomene wie Schlafstörungen, Schlafwandeln, Komplikationen bei Operationen, Suizid und Menstruation. Manche Tieren weisen Tendenzen auf, dass sie ihre Fortpflanzung an die Phasen anpassen oder den Mond als Navigator nutzen. Auch Pflanzen scheinen sich am Mond zu orientieren, denn nicht umsonst nutzen viele Gärtner, Landwirte oder sogar Förster den Mondkalender, um die richtigen Zeitpunkte für bestimmte Arbeiten herauszufinden. (2)

Doch nicht nur in unserem alltäglichen Leben spielt der Mond eine große Rolle. Auch in der Literatur- und Kulturgeschichte ist er mannigfach vertreten. Die Entscheidung für bestimmte Punkte ist nicht leicht gewesen.

In der Mythologie waren Mond und Sonne immer eng verbunden. Oftmals wurden sie als Bruder und Schwester angesehen oder ein Paar, das sich wahlweise immer streitet oder vor Sehnsucht fast vergeht, da sie nie zur selben Zeit am selben Ort sein können.

Die Römer und die Griechen haben dem Mond eigene Göttinnen gewidmet – Selene und Luna, die die bis heute bestehende, nachgesagte Verbindung zum weiblichen Geschlecht festigt. In der hinduistischen Kultur dagegen ist ein Mondgott zu finden, dem dafür eine Sonnengöttin gegenüber gestellt wurde. Die Geschichten der Inuit und der Azteken über Mond und Sonne hingegen sind recht grausame, die nachdenklich stimmen und deren Ursprung man gerne weiter erforschen möchte. Von Stalking, Vergewaltigung, bis hin zu Mord ist alles dabei. (3)

 

Doch es gibt auch wunderschöne Legenden über den Mond. So hat der Mond in Algerien ein Waisenkind das Weinen gelehrt, als es noch nicht üblich war, seiner Traurigkeit und anderen Gefühlen auf diese Art und Weise Ausdruck zu verleihen. Die dunklen Flecken auf der Mondoberfläche sind die Spuren der Tränen dieses Kindes und stehen gleichzeitig für den Kummer der ganzen Welt. (4)

Doch nun endlich zur Literatur und damit zu den Märchen. Die Gebrüder Grimm, wie sollte es auch anders sein, haben dem Mond sogar ein ganzes Märchen gewidmet. Wilhelm Grimm nutzte dafür diverse Vorlagen, die er ausschmückte und dadurch die Geschichte von vier Jungen erschuf, die aus einem Land kommen, in der Nachts immer Dunkelheit herrscht und kein Licht diese erhellt. Sie gehen auf Wanderschaft und entdecken dabei einen Ort mit einer leuchtenden Kugel im Baum, die durch Öl betrieben wird. Sie klauen den Mond, verdienen in ihrem Land Geld mit diesem Licht und dem Geheimnis dahinter und leben ein langes Leben. Doch als dies sich dem Ende neigt, möchten sie ihr Wissen nicht weitergeben, sondern es mit ins Grab nehmen – jeder ein viertel des Mondes. Dadurch gelangt der Mond in die Unterwelt und die Toten scheinen munter zu werden. Sie nutzen diese Gelegenheit, um sich ein bisschen zu amüsieren, schrecken dabei aber Petrus, den Bewacher der Himmelstür auf, der Angst vor einem Angriff aus der Unterwelt hat. Doch als dieser ausbleibt und Petrus die Heerscharen umsonst zusammengetrommelt hat, geht er in die Unterwelt, nimmt den Mond mit und hängt ihn in den Himmel, auf dass er dort nicht mehr zu solchen Unannehmlichkeiten führt. (5)

Vollmond

Nun aber wieder zu einem modernen Mythos, den die meisten Leser gut genug kennen werden – der Wolf, der den Mond anheult. Vom blutrünstigen Monster bis hin zu diversen romantisierten Varianten findet sich alles mögliche. Doch Wölfe heulen den Mond gar nicht an. Zumindest nicht in der Wirklichkeit, denn sie legen einfach nur den Kopf in den Nacken, um besser heulen zu können und die Reichweite ihres Rufes zu erweitern. Sie schauen also nicht in den Himmel, sie wollen nur ordentlich mit ihren Rudelmitgliedern kommunizieren. Und wer hat dann das Gerücht in die Welt gesetzt? Hollywood. Nach Erfolgen anderer Figuren, wie Dracula, musste was neues her. Warum also kein Werwolf? „Wolf Man“ diente als Vorlage, literarisch eher unbekannt, aber der Stein, der dadurch ins Rollen kam, ist riesig. (6)

Auch in Engelland erhellt der Mond die Nächte. Doch ist er wirklich nur als Lichtspender am Himmel oder ist seine Bedeutung ungleich größer? Der junge Will und seine Freunde werden es auf ihrer Reise nach Königswinter erfahren…


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Die „Grimm-Chroniken“ sind eine monatlich erscheinende Reihe der Autorin Maya Shepherd.

Die erste Staffel, welche 13 Bände umfasst, ist inzwischen abgeschlossen. Die zweite Staffel startet im Herbst.
Im Folgenden bekommt ihr von mir eine Auflistung der Bände, außerdem habe ich euch meine Rezensionen verlinkt.

  1. Die Apfelprinzessin
  2. Asche, Schnee und Blut
  3. Der schlafende Tod
  4. Der Gesang der Sirenen
  5. Der goldene Apfel
  6. Der Tanz der verlorenen Seelen
  7. Das Aschemädchen
  8. Dornen, Rosen und Federn
  9. Die verbotene Farbe
  10. Der schwarze Spiegel
  11. Träume aus Gold und Stroh
  12. Das Mondmädchen
  13. Die Vergessenen Sieben


Quellen:

(1): https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Mond_(Tarot)
(2): Bernd Brunner: Mond. Die Geschichte einer Faszination. 2011
(3): http://www.planetenkunde.de/p012/p01211/p0121107001.htm
(4): https://www.nzz.ch/article993A3-1.196039
(5): Jacob und Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe.
(6): https://www.mdr.de/kultur/wgt/wgt-mond-kulturgeschichte-100_page-1_zc-43c28d56.html

Foto Selene – Von Unbekannt – Marie-Lan Nguyen (2006), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1723091

Foto Mond Wolf – Gunther Kopp, https://www.elli-radinger.de/wolfsmond-blutmond-mondfinsternis/

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