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Die Symbolik der Grimm-Chroniken. Teil I – Der Apfel.

„Sämtliche Bäume des Reiches, die zuvor kahl und erfroren gewesen waren, trugen plötzlich noch im Schnee blutrote Äpfel.
Diese Äpfel waren es, die den Menschen das Leben retteten.“

Der Apfel.
In vielen Haushalten fristet er ein unscheinbares Leben. Wie selbstverständlich liegt er in der Obstschale, dient als kleiner Snack zwischendurch oder versüßt diverse Leckereien. Schließlich ist er eine der beliebtesten Obstsorten in Deutschland. Doch hinter dieser scheinbar einfachen Frucht steht ein schier unfassbares Leben als Symbol und der Literatur- und Kulturgeschichte.

Die diversen, geflügelten Worte zur gesundheitsfördernden Wirkung der Äpfel sind wohlbekannt. In der Literaturgeschichte findet sich der Apfel nicht nur in Klassikern wie Goethes „Faust“ und Homers „Odyssee“, auch die Gebrüder Grimm lassen Schneewittchen durch den Biss in einen vergifteten Apfel in einen todesähnlichen Zustand fallen.

Doch kaum eine Obstsorte hat seine Wurzeln so tief in unserer Kulturgeschichte verankert wie dieses Kernobst.

Der Wortursprung für Apfel liegt im indogermanischen „heblos“, welches sich mit der Zeit zum urgermanischen „aplaz“ und zum althochdeutschen „apful“ entwickelte. (1)
Viel interessanter allerdings ist die lateinische Bezeichnung „malum“ bzw. „malus“ für den Apfelbaum. (2) Denn dies bedeutet wörtlich übersetzt soviel wie böse, niederträchtig, hinterlistig, schädlich und verderblich.

„Als Nächstes drehte er den Apfel in seiner Hand und betrachtete eingehend die rote Schale.
Sie war makellos.“

Ein Apfel besticht nicht durch seine einfache, rundliche Form, sondern durch seine unterschiedlichen, teils sehr intensiven Farben von dunkelrot bis leuchtend grün und durch seinen Geschmack, der von süß bis sauer reicht. Kultiviert wurde er als Nahrungsmittel schon in der Antike von den Griechen und dem Römern. (3)

Kein Wunder also, dass sich auch in der Mythologie dieser Kulturen der Apfel wiederfindet.
Die Hesperiden, Nymphen aus der griechischen Mythologie, wurden mit goldenen Äpfeln dargestellt, die als Zeichen für Unsterblichkeit stehen. (4) Doch auch die Göttinnen der Griechen haben es mit Äpfeln. So werden die Töchter der Nyx, also der Nacht, mit ihnen in Verbindung gebracht. Nemesis, die Göttin des gerechten Zorns, wird mit einem Apfelzweig in der Hand dargestellt. Bekannter ist aber wohl Eris, die Göttin der Zwietracht, die als Reaktion darauf, dass sie zu einer Hochzeit nicht eingeladen war, das sogenannte Urteil des Paris herbeigeführt hat. Eris warf in die feiernde Menge einen goldenen Apfel mit der Aufschrift „Für die Schönste“ – Aphrodite, Athene und Hera beanspruchen alle drei diesen Titel für sich und streiten sich um den Apfel, der deshalb auch Zankapfel genannt wird. Zeus mag das ganze nicht entscheiden, wie auch, wenn man mit allen dreien entweder verwandtschaftlich oder in Liebe verbunden ist, und bürdet einem Sterblichen diese Aufgabe auf. Dieser ist niemand anderes als Paris, ein verstoßener Sohn Trojas. Die Göttinnen bestechen den Sterblichen, Aphrodite entscheidet es für sich, da ihre Belohnung Paris verlockt – die Liebe der schönsten Frau der Welt. Leider ist die aber schon verheiratet…und wir wären nicht in der Antike, wenn man nicht einfach mal eine Frau rauben könnte. Der Raub Helenas führt zu nicht weniger als dem Krieg um Troja. Und das alles nur aufgrund eines Apfels.

Andererseits widmete Dionysos, der Fruchtbarkeitsgott, seine Schöpfung der Aphrodite als Sinnbild der Liebe und der Schönheit.

„Ich verstehe nun, warum diese Äpfel unzähligen Menschen das Leben retten konnten.
Sie sind ein Geschenk des Himmels.“

Eine ähnliche Ambivalenz der Symbolik des Apfels zieht sich durch die Geschichte hindurch. Er verkörpert immer zwei Seiten zugleich. Das Gute, wie das Böse.

Schon von den Persern wurde der Apfel als Zeichen der Macht angesehen, etwas, das sich dann bei vielen Herrschern weiterführte. (5) Ein bekanntes Symbol dafür ist der sogenannte Reichsapfel, der durch seine Form und das Material für Macht stand, durch seine runde Form aber für Einheit. (5)

Doch eine seiner unrühmlichsten Rollen spielt der Apfel wohl in der Geschichte des Christentums. In der Bibel wird das unscheinbare Obst als Symbol für den Sündenfall gesehen. Nun schlägt sich auch der Bogen zum Begriff „malus“. Adam und Eva, die ersten Menschen im Paradies, begingen den Sündenfall, indem Eva eine Frucht vom Baum der Erkenntnis oder auch Baum des Lebens aß. Ob diese Furcht nun wirklich ein Apfel ist oder nicht, ist gar nicht so sicher. Doch die Doppeldeutigkeit des Wortes „malus“ bot sich einfach an und so ist der Apfel zur Frucht der Sünde geworden. (6)

„Der liebe Gott hat dabei nicht seine Hände im Spiel.
Diese Äpfel sind ein Geschenk von Mutter Natur […]“

Abseits der Mythologien und der Märchen wird der Apfel um ein vielfaches positiver besetzt. So bezeichnet die mittelalterliche Heilkunst den Apfel als Apotheke Gottes, quasi der gesamte Apfelbaum konnte gegen Krankheiten eingesetzt werden, von der Frucht zu den Blüten bis hin zur Rinde.

Doch wie ist es in den Grimm-Chroniken? Welche Rolle spielt der Apfel hier?
Findet es heraus, die „Apfelprinzessin“ erwartet euch schon in ihrem Reich…


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Die „Grimm-Chroniken“ sind eine monatlich erscheinende Reihe der Autorin Maya Shepherd.

Die erste Staffel, welche 13 Bände umfasst, ist inzwischen abgeschlossen. Die zweite Staffel startet im Herbst.
Im Folgenden bekommt ihr von mir eine Auflistung der Bände, außerdem habe ich euch meine Rezensionen verlinkt.

  1. Die Apfelprinzessin
  2. Asche, Schnee und Blut
  3. Der schlafende Tod
  4. Der Gesang der Sirenen
  5. Der goldene Apfel
  6. Der Tanz der verlorenen Seelen
  7. Das Aschemädchen
  8. Dornen, Rosen und Federn
  9. Die verbotene Farbe
  10. Der schwarze Spiegel
  11. Träume aus Gold und Stroh
  12. Das Mondmädchen
  13. Die Vergessenen Sieben


Quellen:

Sämtliche Buchzitate stammen aus dem ersten Band der Grimm-Chroniken „Die Apfelprinzessin“.

(1): F. Kluge, E. Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache.
(2): PONS Wörterbuch „Apfel
(3): Mittelalter-Lexikon „Apfel
(4): G. R. Richter: Kunst- und kulturgeschichtliche Aspekte zum Apfel (Link)
(5): Beitrag Bayerischer Rundfunk: Der Apfel als Symbol (Link)
(6): Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft: Baum der Erkenntnis (Link)

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